Landesamt für Gesundheit informiert über Corona

Große Hoffnung Impfstoff: So arbeiten die Behörden gegen den Virus an

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München - Das Bayerische Landesamt für Lebensmittelsicherheit will in einem Mediengespräch am Mittwoch um 12.30 Uhr informieren. rosenheim24.de berichtet per Live Ticker und Live Video.

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Dr. Andreas Zapf, der Präsident des Landesamts spricht

+++ Die bisherigen Fälle stehen alle in Zusammenhang mit den bekannten Risikogebieten, wie beispielsweise Italien, berichtet Dr. Andreas Zapf, der Präsident des Landesamts.

+++ Das heiße, dass man die Infektketten noch zuordnen könne und es kein eigenständiges Infektionsgeschehen in Bayern gebe, bei dem man die Ansteckungsquelle nicht zuordnen könne.


+++ 22 der 34 Fälle seien in Oberbayern gemeldet. Woran das liege, sei nicht ganz sicher, womöglich sei die geographische Nähe zu Italien mitverantwortlich. Es haben sich allerdings auch 12 Menschen in Bayern durch eine Kontaktperson in NRW angesteckt.

+++ Das Containment der Kontaktpersonen von Erkrankten sei daher besonders wichtig zur Einschränkung des Virus

+++ Alle Patienten müssen daher getestet und isoliert werden, um die Infektionsketten zu unterbrechen

+++ Diese Containment-Maßnahmen werden zunächst in der Zukunft unverändert fortgeführt, eventuelle Änderungen werden mit den Europäischen Behörden abgeklärt

+++ Die Laborkapazitäten in Bayern liegen derzeit 2.500 Proben, um auf den Coronavirus zu testen

+++ Absagen von Großveranstaltungen werden derzeit geprüft, die bereits gegebenen Empfehlungen bestehen

+++ Vorsorge sie genauso wichtig wie Augenmaß, wenn es um die Absagen der Veranstaltungen gehe. 

+++ Man arbeite einen Katalog von Risikofaktoren ab, wenn es um Empfehlungen zu absagen gehe

+++ Auch das Thema Schutzmasken beschäftige das Landesamt sehr. Man habe eine Firma gefunden, die in Aussicht gestellt habe, Schutzmasken in Höhe von 1.000.000 liefern zu können

+++ Die Homepages des Landesamtes sowie die Hotline sollen zur Information für die Bevölkerung dienen und werden stetig aktualisiert

Nun spricht Dr. Martin Hoch, Leiter der Spezialeinheit Infektologie

+++ In positiv getesteten Corona-Fällen werden die Patienten isoliert, anschließend werden sehr schnell die Kontaktpersonen der Patienten ermittelt, auch durch die Gesundheitsämter

+++ Augenmerk werde dabei auch besonders auf Kindereinrichtungen, Krankenhäuser und internationale Kontakte gelegt

+++ Positiv erwähnt er die Maßnahmen, die in den Coronafällen bei Webasto zu einer Einschränkung der Fälle führten

+++ Gute Hygiene, Husten- und Nießetikette gelten besonders verschärft

+++ Älteren Menschen empfiehlt er, zu überdenken Kurse und Menschenansammlungen zu meiden

+++ Meetings reduzieren, Homeoffice und Ähnliches seien ebenfalls sinnvolle Maßnahmen

Nun werden Fragen gestellt

Wonach entscheidet sich ob man im Krankenhaus oder zuhause behandelt wird?

Alle Fälle in Bayern werden derzeit im Krankenhaus behandelt, so Dr. Zapf. Bei Zunahme der Fälle, werde das aber schwer einzuhalten. Man sitze derzeit an einem Kriterienkatalog, um zu prüfen, in welchen Fällen man auch zuhause isoliert werden könnte. Das hänge auch davon ab, wie gut man sich um die einzelnen Personen kümmern könnte.

Wie steht Landesamt zu Veranstaltungen wie dem geplanten Großkonzert in der Olympiahalle am kommenden Sonntag? 

Das LKI hat Kriterien in drei Gruppen geordnet. Erstens: Woher kommen die Besucher und gibt es dort gehäufte Fälle? Zweitens: Die Art der Veranstaltung? Wie eng sitze ich mit den Menschen in diesem Raum zusammen? Wie lange dauert die Veranstaltung? Drittens: Der Ort der Veranstaltung. Sitzt man in einem engen Raum, oder gibt es ausreichend Belüftung? 

Hausärzte haben beklagt, nicht ausreichend mit Schutzmasken etc. versorgt worden zu sein. Wie schätzen Sie das ein?

Für eine Einschätzung sei es zu früh, aber man dürfe die Ärzte nicht aus der Verantwortung lassen. Man müsse aber für die Zukunft überlegen, wie man Schwierigkeiten umschifft, so Dr. Zapf.

Gibt es für Risikopatienten und Gesundheitsangestellte gesonderte Maßnahmen?

Die jetzigen Maßnahmen werden weiter beibehalten. Man werde aber bei Bedarf an weiteren Maßnahmen arbeiten. Momentan sähe Dr. Zapf aber keinen Anlass die Strategie zu ändern. 

Es kommt zu Engpässen von Desinfektionsmitteln. Gibt es da Gespräche mit Herstellern?

Ja, das war Thema im Krisenstab. Man arbeite daran, dem Abhilfe zu verschaffen und dafür zu sorgen, dass Apotheker selbst solche Mittel herstellen können. Dr. Hoch betont, dass für die Bevölkerung Händewaschen völlig ausreichend ist. Die Desinfektionsmittel seien für die Gesundheitsangestellten geeignet.

Wie lange kann eine solche Epidemie dauern? 

Darauf gibt es noch keine Antwort, da der Virus zu neu ist. Man versuche das Infektionsgeschehen aufzuhalten, aber Dr. Zapf betont auch, dass er leider nicht überzeugt ist, dass das gelingen wird. Man versuche aber auf jeden Fall es zu verlangsamen. Eine Ausbreitungsrate könne man noch nicht bekannt geben, doch die Verlangsamung der Verbreitung solle beispielsweise Zeit beschaffen, um einen Impfstoff zu entwickeln.

Was macht die Entwicklung eines Impfstoffes so schwierig?

Dr. Nikolaus Ackermann, Sachbereichsleiter Virologie, wird zur Beantwortung hinzugezogen. Bei einer Influenza sei die Entwicklung Impfstoff schon sehr routiniert, bei Corona müsse man alle Phasen, wie Tierversuche und einzelne Patienten neu durchlaufen werden.

Das Virus sei schon lange bekannt, es handle sich aber beim Coronavirus aber um eine neuartige Version. Einen Impfstoff zu entwickeln sei auf jeden Fall möglich, aber die Zulassung dauere. Etwa in einem Jahr könne man im besten Fall damit rechnen.

Welche neuen Erkenntnisse haben Sie in den letzten Wochen gesammelt? 

Dr. Zapf betont, dass man die Infektionszahlen und Todesfälle erfasst habe. Diese sei niedriger, als beim SARS-Ausbruch. Man  wisse jetzt dass 80 Prozent der Krankheitsverläufe mild seien. Die Letalität liege bei etwa einem bis zwei Prozent, Tendenz sinkend. Nur vor diesem Hintergrund könne man überlegen, ob man manche Patienten zuhause behandle. 

Dr. Hoch betont, dass man anhand von Webasco gelernt habe, dass es möglich sei, innerhalb einer Firma die Ausbreitung des Virus einzugrenzen. Auch die Inkubationszeit, die eher kürzer als 14 Tage sei, habe man gelernt. 

Wie viele Tests wurden insgesamt gemacht?

Das sei eine schwierige Frage, weil man nicht Buch geführt habe. Aber die Labore seien sehr ausgelastet, so Dr. Hoch. 

Dr. Zapf erklärt, dass die Tests großteils in Privatlaboren durchgeführt werden und das Landesamt daher nur positive Tests gemeldet bekomme. 
Dr. Ackermann erklärt dass es immer mehr Hersteller gibt, die den Test produzieren wollen. Diese seien jedoch noch nicht verifiziert und daher problematisch.

Mehrere hundert Menschen seien derzeit häuslich isoliert, weil es sich um Verdachtsfälle handelt.

Hintergründe

Der neue Coronavirus aus China breitet sich in Deutschland und auch in Bayern aus. Arbeitgeber in betroffenen Regionen ziehen schon erste Konsequenzen. Einige Veranstalter sagen erste Events ab . Bisher gibt es über 3.000 Todesopfer weltweit. Das Gesundheitsministerium bestätigt 22 neue Fälle in Bayern seit 27. Februar, allein 13 am 2. März.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) veranstaltet daher am 4. März um 12.30 Uhr ein Mediengespräch zum neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19). Dr. Andreas Zapf, Präsident des LGL, wird über den aktuellen Stand zum Coronavirus-Geschehen in Bayern informieren. 

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist die zentrale Fachbehörde des Freistaats Bayern für Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, Veterinärwesen und Arbeitsschutz/Produktsicherheit. Unter anderem erfasst und bewertet es voraussschauend gesundheitliche Risiken für die Bevölkerung, informiert Verbraucherinnen und Verbraucher und schützt sie vor Irreführung und Täuschung.

jb

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