Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Corona in Bayern: Bankmitarbeiter als Psychologen, kein Sicherheitsabstand und quengelnde Kinder

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Babsi aus Gauting

Ich bin Leiterin einer Kita. Seit Tagen fehlt uns das Lachen, Singen und Toben vieler kleiner lustiger Kinder. Wir als Pädagogen haben die letzte Woche genutzt, um Dinge in der Kita zu erledigen, für die es sonst immer viel zu wenig Zeit gibt. In den nächsten Wochen werden wir dann die Chance nutzen, um uns mit Fachliteratur, Portfolios und Entwicklungsbögen zu beschäftigen. Die Angst vor dem, was noch kommt und wie die Existenz sich weiter gestalten wird, begleitet viele Menschen. 


Wir sind auch Eltern und müssen uns organisieren. Wir betreuen die Kinder von Eltern, die einen überlebenswichtigen Dienst leisten und denen wir einen großen Dank aussprechen möchten. Mit Liebe und Hingabe sind wir für die Kleinsten da und zudem können wir uns nicht mit einer Schutzausrüstung bekleiden oder Plexiglas zwischen uns und die Kinder aufstellen. Und an dieser Stelle auch ein riesiges Dankeschön an alle Pädagogen, die solch einen Dienst leisten. So schlimm wie die Ausnahmesituation auch ist, wir können es nicht ändern, wir können aber helfen, die Verbreitung des Virus zu entschleunigen und somit Menschenleben retten. 

Bitte helft alle mit und haltet euch an die Vorgaben, seid sozial und rücksichtsvoll. Lasst uns alle auch das Positive sehen. Das Virus schädigt Menschen und die Wirtschaft, aber er gibt auch unserer Natur eine kleine Verschnaufpause! Mit meiner elfjährigen Tochter habe ich bereits viele Gespräche geführt. Beim Malen konnte sie es dann gut verarbeiten. Ich bin überwältigt von dem hoffnungsvollen Gedankengut meiner Tochter. Allen viel Kraft und Zuversicht.

Die elfjährige Tochter von Babsi aus Gauting verarbeitete die aktuelle Coronakrise in einem Bild. 

Anonym aus Oberbayern

Seit 20 Jahren bin ich Angestellter in einer regionalen Bank. Extremsituationen gab es die letzten zwei Jahrzehnte im Finanzwesen so einige. Was die letzten zwei Wochen anbetrifft, kann ich sagen, dass ich ein solches Maß an Panik und Affektreaktionen der Kunden noch nie erlebt habe. Als Filialleiter schlägt natürlich alles, was ungewöhnlich ist, bei mir auf. Panikverkäufe der solide aufgestellten Depotkonten, völlig unverhältnismäßig hohe Käufe an physischem Gold (50.000 Euro aufwärts), Einrichtung von Fremdwährungskonten (egal welche andere Währung), Unmengen an Bargeldabhebungen und natürlich unsere selbstständigen Kunden, die Überbrückungskredite dringend benötigen (was ich sehr nachvollziehen kann).

Ich arbeite über 50 Stunden die Woche, nahezu ohne Mittagspause und verstehe die Sorgen der Menschen. In sehr vielen persönlichen Gesprächen habe ich es sehr oft geschafft, die Leute zu beruhigen und ihnen nahezu psychologische Betreuung zu geben, damit die Vernunft über die Kurzschlussreaktion siegen kann. Was ich sehr oft von meinen Freunden höre ist, dass sie es bewundern, dass ich so viel Kundenkontakt habe und mich um die Probleme und Sorgen meiner Kunden so konsequent und gut kümmere. Ich habe ja schließlich auch Familie und Kinder.

Manchmal frage ich mich aber schon, warum oft Banken als Sündenbock der Wirtschaft und als gewinnmaximierende Bestie dargestellt (alle Banken in einen Topf) und auch von sehr vielen Menschen so wahrgenommen werden. Ohne Werbung machen zu wollen, kann ich sagen, dass nun viele Kunden, die bei Onlinebanken ihre Konten haben, zu uns kommen, um ihr Geld vor Ort zu haben. Nun sind die regionalen Banken also wieder gut genug, das Geld einzusammeln, trotz der Negativzinsen im Interbankenbereich. Dabei sind wir doch so "altmodisch".

Ich hoffe, dass die Menschen das künftig anders zu schätzen wissen, dass die Bankmitarbeiter, die nahezu ungeschützt in den Banken vor Ort arbeiten (und ständigen Kundenkontakt ausgesetzt sind) gerade jetzt, wo es darauf ankommt, den kompletten Kollaps zu verhindern, verantwortungsvoll und mit sehr hohem Einsatz, für Sie da sind. Bleiben Sie gesund und behalten Sie die Nerven - Geld ist genug für alle da und sowohl einen Zusammenbruch des Euros als auch eine dauerhafte Krise des Aktienmarktes wird es nicht geben!

Sylvia aus Leipzig

Ich habe seit über fünf Jahren eine Fernbeziehung mit meinem Freund aus Riedering. Dieses Wochenende nun wollte ich mit seinen Eltern bei ihm eine schöne Zeit verbringen, doch Corona kam dazwischen und trennte alles. In unseren fünf Jahren haben wir aber schon einiges gut gemeistert und auch das werden wir schaffen, denn in einem Jahr war bzw. ist mein Umzug nach Riedering fest geplant. Dann können wir endlich für immer zusammen sein. Enni, wenn Du das liest: "Ich liebe dich und wir schaffen das!"

Marina aus Bayern

Ich bin eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Auch ich kann kein Homeoffice machen, da ich als Zugbegleiterin arbeite. Derzeit heißt es, dass ich Mutter und Lehrerin in einer Person bin und dazu noch als Zugbegleiterin und auch noch in meinem Nebenjob arbeiten muss. Ich verstehe die Leute nicht, denn trotz der Ausgangsbeschränkung fahren immer noch einige mit den Zügen (damit meine ich nicht die, die in die Arbeit müssen).

Leider ist auch der Abstand zum Zugpersonal oder anderen Fahrgästen nicht immer selbstverständlich. Das die Angst berechtigt ist, dass ich das Virus bekommen kann, ist meiner Meinung nach verständlich. Ich fahre wirklich nur in die Arbeit oder gehe ohne Kinder einkaufen - ansonsten bleibe ich daheim. Ich würde mir für mich und meine Kollegen wünschen, dass alle anderen auch so denken würden und einfach daheim bleiben und mit den öffentlichen Verkehrsmittel nur dann fahren, wenn es unumgänglich ist. Auch einfach um sich selbst, die Mitmenschen und auch das Zugpersonal zu schützen. 

Traurig finde ich auch die Hamstereinkäufe. Ich habe leider auch seit zwei Wochen kein Toilettenpapier bekommen. Nicht einmal den Wunsch meiner Kinder, dass es Pfannkuchen zu essen gibt, kann ich ihnen erfüllen, da es weit und breit kein Mehl mehr zu kaufen gibt. Ich hoffe, dass die Leute langsam mal anfangen zu überlegen, dass die Hamsterkäufe wirklich sinnlos sind. Denn es gibt auch Personen, die sich in einer schlechten finanziellen Lage befinden und sich deswegen keine großen Vorräte leisten können. Jetzt ist es einfach wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. 

Sabrina aus Rosenheim

Ich frage mich andauernd: "Und was kommt danach?" Derzeit sind wir mit zwei Kleinkindern zu Hause. Mein Mann und ich arbeiten systemkritisch, teilen uns die Betreuung aber privat. Vor allem für die Kinder wird dieser Zustand zunehmend zur Qual. Sie dürfen keine Freunde treffen, nicht in den Kindergarten, auf den Spielplatz oder zum Baden. Mit zwei und vier Jahren sind sie aber auch zu klein, um wirklich virtuell Kontakt zu Freunden zu halten. Außerdem kann dass, das gemeinsame Spielen einfach 0,0 ersetzen. 

Ich merke, wie sich meine Kinder verändern, sie sind launischer, unausgeglichen und weinerlicher. Es ist für junge Familien wirklich eine quälende Situation. Und dann immer die Frage: "Was kommt danach?" Sobald man wieder raus darf, steigen die Infektionszahlen wieder. Wird die Ansteckungsrate so gehalten wie jetzt, dann sitzen wir rein rechnerisch 73 Jahre zu Hause. Ich habe das Gefühl, es wird nur kurzentschlossen reagiert, aber einen Plan gibt es nicht. Und ich fürchte mich vor einer Verlängerung der Ausgangsbeschränkung fast mehr als vor dem Virus. Vor allem wegen der Psyche meiner Kinder.

Gabriela aus dem Chiemgau

Ich war am Mittwoch, 25. März, kurz beim Einkaufen in Grassau. Dort habe ich mich mit Sicherheitsabstand an der Kasse angestellt. Plötzlich hat sich eine ältere Frau dazwischen gedrückt, mit der Entschuldigung, sie habe ja nur ein paar Artikel. Meine Bitte, wenigstens den Abstand einzuhalten, wurde von der vor ihr stehenden Dame kommentiert: "Die Frau ist schließlich eine mündige Bürgerin, die das selbst entscheiden kann." Und ich geh am Freitag für solche Hühner ins Krankenhaus zum Arbeiten.

Maximilian aus Kolbermoor

Ich finde es eine sehr gute und richtige Entscheidung, die Ausgangsbeschränkungen wie sie nun in Bayern sind, umzusetzen. Ich habe keinerlei Verständnis für die Leute, die trotz dieser Vorschriften diese missachten oder mit Absicht ignorieren. Ich finde es eigentlich sehr gut, mal wieder ein bisschen runter zu kommen und sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren. Auch das "Homeschooling" funktioniert recht gut, auch wenn ich anfangs skeptisch war, da ich dieses Jahr Abschluss schreibe. Ich finde man merkt jetzt erst, was im Leben wirklich wichtig ist und lernt dies dadurch mehr zu schätzen. Allerdings finde ich es auch schade, auf soziale Kontakte und Hobbys verzichten zu müssen.

Dorit aus München

Ich bin Verkäuferin in einer Metzgerei. Viele unserer Kunden haben sich auf die neue Situation eingestellt. Doch manche haben es allerdings immer noch nicht begriffen. Sie motzen was das Zeug hält. Wenn man sagt, sie mögen doch bitte den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten, wird man als schizophrene, hysterische blöde Kuh beschimpft. Es ist für uns auch nicht leicht. Vielleicht bedenkt man, dass wir bei jedem unserer Kunden befürchten müssen, potenziell angesteckt zu werden. 

Ständiges Händewaschen und desinfizieren gehört seit Tagen dazu. Auch wir haben Familie und ja, auch wir haben Angst um sie. Seid froh, dass es uns alle gibt. Egal ob Supermärkte, Metzgereien oder Bäckereien. Wir alle möchten euch gut versorgen. Also macht auch das, was ihr auch von anderen erwartet. Nämlich mit Respekt behandelt werden. Wir geben Tag für Tag unser Bestes, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. "Zeigt Respekt uns gegenüber und erledigt nur Einkäufe, die wirklich notwendig sind. 

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Samstag, 28. März, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

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Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 55 Todesopfer (Stand: Freitag, 27. März, 13 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Mühldorf und Altötting gibt es bereits je einen Todesfall, im Kreis Traunstein zwei und im Landkreis Rosenheim sogar drei. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder am Freitag, 20. März, eine weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern verkündet. Seit Samstag, 21. März, ist das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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