So erleben unsere Leser die Coronakrise

Alleinerziehende Mutter: "Die Kinder werden behandelt, als hätten sie die Pest"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie hat auch Bayern fest im Griff. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus Bayern

Als Alleinerziehende ist Corona meiner Meinung nach doppelt so schwer. Die Kinder sind Zuhause, aber arbeiten muss man ja trotzdem irgendwie. Homeoffice ist bei mir leider nicht möglich. Die armen Kinder müssen also am meisten von allen leiden. Dazu kommt, dass es in immer mehr Geschäften verboten ist, die Kinder mitzunehmen. Das ist natürlich sehr toll als Alleinerziehende. Die Kinder im Auto lassen? Das geht nicht, da meine Kinder zu jung sind und außerdem ist es zu unsicher und auch verboten. 


Diese Panik ist zu krass, es muss sich endlich was ändern. Wenn ich mit meinen Kindern draußen bin, bekommen wir nur noch böse Blicke und Wörter von alten Menschen, die Kinder jetzt behandeln, als hätten sie die Pest. Es wird regelrecht vor den Kindern davon gerannt. Die Kinder werden eingesperrt und die Risikogruppe feiert ihre neu gewonnene Freiheit. Ist so etwas fair?

Nützliche Links zu Corona:

Vanessa aus Rosenheim

Es ist wirklich erschreckend, wie viele Einzelschicksale es gibt und wie jeder auf mehreren Ebenen von der Krise betroffen ist. Ich selbst studiere Lehramt in München und konnte den ersten Teil meines Staatsexamens noch schreiben. Aber die mündliche und praktische Prüfung wurden auf unbekannte Zeit verschoben. Von Anfang März bis Anfang April sollten wir uns jedoch für das Referendariat anmelden. Ob wir es aber überhaupt antreten können, kann uns im Ministerium niemand beantworten. 

Das wundert mich auch deshalb, weil Kultusminister Piazolo von pensionierten Lehrkräften spricht, die freiwillig aushelfen sollen, jedoch die Lehramtsanwärter außer Acht lässt. Das finde ich sehr schade. Denn vor nicht allzu langer Zeit war noch die Rede davon, dass man gerade in Grund- und Mittelschulen auf den Nachwuchs angewiesen sei. 

Als Mutter eine Achtjährigen stellt sich mir außerdem die Frage, wie ich mich jetzt adäquat vorbereiten soll. Im Moment ist das Homeschooling sehr zeitintensiv und dann gibt es ja noch Haushalt und vor allem den Einkauf, der ja zum Teil auch mehr Zeit beansprucht. In der freien Zeit nähe ich zudem Nasen-Mundschutz für meine Familie und den Umkreis, da viele diesen jetzt ja aufgrund der Pflicht dringend benötigen, aber nicht geregelt wird, wo man diesen bekommen kann. Ich halte den Verkauf übrigens für falsch, da das zu Lasten der Ärmeren unserer Gesellschaft geht bzw. der Großfamilien. Mir ist klar, dass das Material und der Zeitaufwand nicht zu unterschätzen sind, aber wenn jede Familie das gibt, was sie kann, dann empfinde ich es als gerechter und eben nicht das Preisschild. 

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Rosamunde aus Oberbayern

Coronakrise hin und her, ist ja alles gut und schön, aber was ist mit den "normal Kranken"? Keine Regierung kümmert sich darum. Seit über zwei Wochen versuche ich, einen Arzt zu finden, der mir ein Rezept ausstellt - aber Fehlanzeige. Ich habe bei fünf Praxen in meiner Nähe angerufen und alle sagen immer das gleiche am Telefon: "Wir nehmen keine neuen Patienten mehr an." Zwei der Damen am Telefon haben erst einmal gefragt, wie alt ich bin und daraufhin kam auch immer nur eine Absage. 

Da ich Risikopatientin bin, und nicht einfach durch die Welt rennen kann, um einen neuen Arzt zu finden, bleibt mir nur die Hoffnung, dass mich das Virus erwischt und ich dann im Krankenhaus an meine Medikamente komme. Wir sind auch noch da.  Kann das jemand mal dem Herrn Söder und Frau Merkel sagen? Wir sind auch noch da. 

Birgit aus Bayern

Man hört täglich nur noch Corona, Corona und Corona. Nicht der Virus macht mir Angst, nein, es sind alle nur noch negativ gestimmt. X-Wissenschaftler, X-Professoren, X-Virologen und X-Politiker melden sich zu Wort. Ich für meinen Teil bin ziemlich verunsichert und glaube gar nichts mehr.

Dodo aus Bayern

Die Lage ist ernst, aber einige verfallen langsam aber sicher in Hysterie. Wenn ich lese, dass manche sechs Wochen fast nur im Haus sind? Da wundert mich so was nicht. Ein Spaziergang schadet euch nicht! Und der Schrei nach Verschärfung? Was würde es bringen? Es wird Sommer, da wird es immer schwerer die Leute im Haus zu halten. Das Virus geht nicht einfach weg. Sobald mehr Leute draußen sind, steigen die Zahlen wahrscheinlich auch wieder. 

Aber das Leben muss weitergehen oder sollen wir zu Hause bleiben, bis irgendwann eine Impfung da ist? Wenn ich nur zu Hause sitzen würde, wäre ich auch am Limit. Mir tun vor allem die Kinder Leid, deren Eltern nicht täglich ein wenig raus gehen mit ihnen. Ob ihr euch nun wochenlang verkriecht und Szenarien durchspielt oder mal ein bisschen positiv denkt - das Virus bleibt so oder so.

Umfrage

Petra aus Oberbayern

Ich hoffe sehr, dass die Grundschulen im Mai nicht wieder aufmachen, da es ja wohl klar ist, dass die Kinder sich freuen werden, wenn sie nach dieser langen Zeit ihre Freunde wieder sehen. Da wird dann sicherlich kein Abstand eingehalten! Die Erwachsenen machen das ja auch nicht, wenn man an diesen Tagen nach draußen schaut. Alle laufen so rum, als wäre nichts. Hoffentlich wird jetzt mal härter durchgegriffen und die Leute mehr bestraft. 

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Samstag, 2. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.886 Todesfälle (Stand: Freitag. 1. Mai, 10 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Dienstag, 28. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 10. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Seit Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Seit Montag, 27. April dürfen Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls seit 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. Ebenfalls ab 4. Mai sind in Bayern Gottesdienste und Demonstrationen unter strengen Auflagen wieder erlaubt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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