Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Vater aus Rott am Inn: "Corona hat mein eigenes Leben nicht viel verändert, aber das meiner Kinder"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie hat auch Bayern fest im Griff. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Paul aus Rott am Inn

Gedanken eines Rotter Basketball-Vaters: "Papa, mir ist langweilig, was soll ich machen?" Wer von den (Basketball) Eltern kennt das nicht? Ich hab‘s ja leicht: Corona hat mein eigenes Leben nicht viel verändert: Arbeiten, Essen, Fernsehen, Schlafen. Das mach ich schon seit Jahren (nicht immer in dieser Reihenfolge), aber die Kinder?


Kind Nr. 1 hat sich arrangiert. Zehnte Klasse Realschule, da stehen die Prüfungen an. Lernen, lernen, lernen und dann noch Zeit für Individualsport wie Radfahren, Laufen, Inlineskaten und nicht zuletzt: Online-Athletiktraining als Angebot der Rotter Basketballabteilung. Corona hat ihr schon was weggenommen: Ein Sieg wäre noch nötig gewesen und sie wäre mit ihrer Truppe der Rotter Damen III Meister und Aufsteiger. Nach der Schule hätte sie ein Auslandsjahr über den Rotary Club Wasserburg sicher gehabt… Was ist heute schon noch sicher?

"Willst du nicht zu Corona und Basketball was schreiben?" Der 1. Vorstand Basketball – ich nenne ihn mal hier M. - hat sich vor ein paar Tagen per WhatsApp mit diesem Anliegen bei mir gemeldet. Ist gar nicht so leicht, wenn es nichts zu berichten gibt in Sachen Basketball - und über Corona schreiben schon alle anderen. Wär‘ schon nicht schlecht, mal wieder ein Wochenende in der Schulturnhalle zu verbringen, wie vor Corona, nur ernährt von Wurstsemmel und Kaffee. Oder mit den U12-Kids nach Traunstein zu fahren und anschließend in die entgegengesetzte Richtung mit Damen III nach Waldram, Wolfratshausen. Sonntage sind seit Wochen komplett autofrei.

Kind Nr. 2 hat seine „landschaftstechnische“ Ader entdeckt. Bäume, Sträucher, Stauden werden von ihr zugeschnitten und wenn nötig entwurzelt. Da tun schon mal Knochen und Muskeln weh, wo man vorher keine Knochen und Muskeln erwartet hätte. Ein alter Basketball ist auch wieder zu Ehren gekommen: Etwas Dribbling auf der Straße vor dem Haus - natürlich nur sonntags.

„Ballhandling Online“ steht demnächst als weiteres Angebot auf der Agenda. Vielleicht kann ich damit Kind Nr. 3 und Kind Nr. 4 motivieren? Athletiktraining ist irgendwie nicht so ihr Ding. Spätestens nach 15 Minuten geben sie auf, wie ich schon etliche Male von meiner Couch aus bequem beobachten konnte.

Meine Ehefrau und bessere Hälfte hat es anfangs schon genossen, am Abend alle vier Kinder um den Tisch versammelt zu haben. Normalerweise gibt es trainingsbedingt hier unter der Woche immer ein bis zwei Lücken. Jetzt, da den Kindern die Möglichkeit fehlt, sich körperlich abzureagieren, werden die Gesichter aber immer länger - bei allen fünf. Letzten Mittwoch war wieder Basketballvorstandssitzung, selbstverständlich: Online. Ich gebe zu, ohne technischen Support (und Handy) von Kind Nr. 1 wäre ich aufgeschmissen. Kennen Sie das, grundsätzlich auf den falschen Knopf zu drücken? Die analogen Vorstandssitzungen bei unseren Rotter Wirten gehen mir überraschenderweise ab. Jetzt tropft schon mal eine Träne in ein einsames Bier.

Wie wird es jetzt weitergehen? Gerade hab‘ ich von M. eine Mitteilung erhalten: Trainingsbetrieb im Freien soll bald wieder möglich sein. Individuell und unter Auflagen: Ein kleiner Schritt? Im Moment, und unter den Vorzeichen von Corona und Basketball, würde ich sagen: Ein Jump!

Christina aus Oberbayern

Ich arbeite als Erzieherin in einem Kindergarten. Ich muss wirklich sagen, dass ich es sehr traurig finde, wie wenig wir Erzieher beachtet werden. Es heißt immer: "Ihr Erzieher habt ja frei und müsst nicht arbeiten, seitdem die Kitas offiziell geschlossen sind." Oder so Sachen wie: "Die Kitas müssen ihre Schließzeiten jetzt den Eltern anpassen". Wir sind seit dem ersten Tag der Schließungen in der Einrichtung und arbeiten unsere volle Arbeitszeit ab. Ebenso bieten die Kitas ja auch Notbetreuung an. Aber es ist so schade, dass wir kaum beachtet werden und es oft so dargestellt wird, als wären wir gar nicht am arbeiten. 

Es gibt so viele Auflagen, unter denen wir die Notbetreuung, aber auch unseren Arbeitstag leisten. Wir tragen keine Masken und Handschuhe und sind für die Kinder da. Es durfte sich bis letzte Woche nur eine Person in einem Raum aufhalten. Wir wünschen uns auch wieder Normalität und vermissen alle unsere Kinder, die jetzt nicht die Einrichtung besuchen dürfen. Es ist für keinen einfach und ich habe großen Respekt vor den Eltern, die alles versuchen, um die Betreuung ihrer Kinder zu gewährleisten, aber bitte denkt doch auch mal an uns Erzieher. Wir können am wenigsten für diese Situation.

Nützliche Links zu Corona:

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anonym aus München

Bei Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen und wenn aus beruflichen Gründen die Schutzmaske langfristig aufgesetzt werden muss, kann ich es gut nachvollziehen, dass dies zur Belastung werden kann. Aber ich kann es nicht verstehen, dass sich so viele wegen der Maskenpflicht aufregen. 

Ist es denn wirklich so schlimm und unerträglich, für einen kurzen Zeitraum beim Einkaufen oder im öffentlichen Nahverkehr eine Maske aufzusetzen? Dass Schutzmasken den Träger nicht vor Corona schützen, wurde zwischenzeitlich von einem bekannten Krankenhaushygieniker revidiert. Die Masken schützen auch den Träger vor Erkrankung und verhindern, dass die Viren beim Niesen und Husten zu weit verbreitet werden. Wenn man ehrlich darüber nachdenkt, war es abzuwarten, dass einmal ein Virus wie dieser entsteht und sich sehr gut und schnell verbreitet, da ja alle ständig in der Welt umherfliegen.

Außerdem sind die guten Sitten, was eine Nies-/Hust- und Schnupfenhygiene angeht, in den letzten Jahren auch sehr verfallen. Jeder sitzt vor seinem Handy und zieht stundenlang die Nase hoch, viele husten und niesen ihrem Gegenüber ins Gesicht, ohne die Hand vorzuhalten. Man bleibt auch nicht daheim, wenn man erkältet ist oder eine Grippe hat, sondern man geht in die Arbeit, auf Partys und fliegt in den Urlaub. Kinder werden krank in Kindergarten und Schule geschickt, man könnte ja etwas verpassen. 

Viele der Personen, die jetzt als Risikogruppen betitelt werden, leiden unter diesem Verhalten nicht nur zu Zeiten von Corona, sondern bei jeder Erkältungs- und Grippewelle. In anderen Ländern gehört es auch schon lange zur guten Sitte, sich bei einer Erkältung eine Schutzmaske anzuziehen. Es wäre schön wenn jeder einmal sein Verhalten überdenken und sich wieder etwas mehr Anstand und Etikette angewöhnen würde und auch nach Corona mehr auf seine Mitmenschen achtet.

Anonym aus Bayern

Ich möchte mich dem Bericht der Kundenberaterin anschließen. Auch ich bin in einer Filiale einer Sparkasse tätig und bin täglich den Kunden mit oder ohne Mundschutz und Verständnis ausgesetzt. Ich frage mich, wer tätigt denn die Überweisungen, wer füllt Geldautomaten, wer zahlt Gelder aus, wer hält den Zahlungsverkehr vor Ort aufrecht und wer er erklärt zum hundertsten Mal, wie sich Onlinebanking einrichten lässt? Wer berät Kunden, schließt Verträge ab und eröffnet Konten? 

Als Banker, Angestellter einer Bank - null Lobby. Wir können kein Homeoffice machen. Denn auch unsere älteren Kunden, die gern vergessen werden, freuen sich Geldgeschäfte tätigen zu können. Und ja, es soll Kunden geben, die mit 80 Jahren kein Onlinebanking möchten und auch keinen Computer haben.

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Siegfried aus Bayern

Ich lese jeden Morgen die Kommentare anderer Leser und ich muss feststellen, dass fast nur noch gemeckert und sich beklagt wird! Es beklagen sich die Alten über die Jüngeren und die Jüngeren über die Alten, dass sie keinerlei Vorgaben einhalten! Es wird ohne jegliche Vorsicht demonstriert und vermehrt Krawall gemacht und jeder beruft sich auf seine Grundrechte. Man kann es nicht mehr hören! Mensch Leute, seid froh, dass sich die Pandemie bei uns noch in Grenzen hält!

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Mittwoch, 13. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 2.182 Todesfälle (Stand: Dienstag, 12. Mai, 15.40 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle

Seit Mittwoch, 6. Mai, gilt in Bayern eine Kontaktbeschränkung. Das heißt, man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen. Zudem sind Treffen von Familien (Eltern, Großeltern, Enkel) wieder erlaubt. Seit Freitag, 8. Mai, gibt es eine weitere Lockerung der Corona-Regeln. So sind nun auch wieder Treffen von Angehörigen zweier verschiedener Haushalte möglich - und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum.

Seit Montag, 11. Mai, dürfen auch wieder große Kauf- und Möbelhäuser sowie Shopping-Malls vollständig öffnen. Die Maskenpflicht besteht aber weiterhin. Ab Montag, 18. Mai, können dann auch Biergärten bis 20 Uhr und ab Montag, 25. Mai, auch wieder Speiselokale aufsperren (bis 22 Uhr) - allerdings unter sehr strengen Hygienekonzepten. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/ha

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