So erleben unsere Leser die Coronakrise

Lehrerin: "Wir sollen Notbetreuung machen - aber wer betreut unsere Kinder?"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus Brannenburg

Als Asthmatikerin trage ich Mundschutz und muss andauernd anderen Personen ausweichen. Leider werde ich ausgelacht, beschimpft und keiner scheint zu verstehen, warum ich das tue. Letztes Jahr war ich im Krankenhaus und das möchte ich nicht wieder durchmachen - Atemnot macht Angst. Leute, Sport ist zwar gut, aber müsst Ihr das unbedingt zu zweit machen? Unsere Wege sind schmal - und die, die ausweichen muss, bin am Ende doch wieder ich.


Einkaufen vermeide ich, nachdem sich junge Frauen im Rossmann über mich lustig gemacht haben. Sehr traurig! Und gleichzeitig merke ich, wie gut die Guten sind. Ich habe einen sehr tollen Ehemann. Meine Freundin hat Masken für mich genäht. Der Postbote, Eismann, Apotheker und Hausarzt - alle super! Möge Gott uns alle durchbringen und den Menschen die Fähigkeit schenken, mehr Rücksicht zu nehmen.

Bianca aus Mühldorf

Nützliche Links zu Corona:

Ich arbeite im Einzelhandel in Mühldorf und auch ich frage mich, warum viele Leute so uneinsichtig sind. Es erinnert eher an einen Familienausflug zum Einkaufen als an Ausgangsbeschränkung. Die Leute kommen mit kleinen Babys in Bauch- und Tragetaschen, die Geschwister sitzen im Einkaufswagen und die Eltern gehen gemeinsam mit den Großeltern daneben her. Schon seit Tagen wird darum gebeten, alleine zum Einkaufen zu kommen, um auch die Mitarbeiter zu schützen, aber es interessiert anscheinend niemanden. 

Teilweise muss man sich auch noch blöd anreden lassen, dass die ganzen Maßnahmen wie Abstandsschilder usw. sowieso nichts bringen und alles nur Schikane ist. Alle sind momentan entweder alleinerziehend oder haben eine Großfamilie (um Hamsterkäufe zu rechtfertigen). Denkt bitte endlich mal nach! Warum setzt man seine Kinder und auch ältere Menschen absichtlich diesen Gefahren aus? Bei manchen stellt man sich die Frage, ob sie das absichtlich machen, weil ja sowieso nichts passiert. Genau deswegen rennt man dann zum Einkaufen, damit wenigstens die Kinder beschäftigt sind. Muss das alles wirklich sein? Muss man selbst so egoistisch handeln? Wenn das so weitergeht, dann dauert die ganze Sache noch sehr viel länger, aber daran denken anscheinend die Wenigsten. 

Zum anderen werden auch immer noch bestimmte Berufsgruppen vergessen. Wer denkt zum Beispiel an die Reinigungskräfte in allen Bereichen (Supermarkt, Krankenhaus etc.), die jetzt noch mehr auf Reinigung und Desinfektion achten müssen? Oder an die Apothekenmitarbeiter, die teilweise auch dumm angesprochen werden, weil bestimmte Artikel ausverkauft sind? Auch die Zeitungsausträger und Paketboten machen weiterhin ihre Arbeit. 

Ich möchte allen Kolleginnen und Kollegen dafür danken, dass sie auch in dieser Zeit immer nett und freundlich sind und auch bereit sind, jederzeit mal länger zu arbeiten. Jeder gibt sein Bestes, damit wir gemeinsam gut durchkommen. Danke auch an alle, die sich in ihrem Beruf gerade vergessen vorkommen, obwohl sie in dieser Zeit genauso wichtig sind. An alle Uneinsichtigen noch mal der Aufruf: Denkt auch mal an eure Mitmenschen. Erledigt nur das Nötigste, und zwar alleine! Stellt euch öfter mal die Frage, ob euer Verhalten richtig ist. Zum Schluss noch das Allerwichtigste: "Bleibt alle gesund!"

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Alexa aus Oberbayern

Ich bin Lehrerin und habe einen kleinen Sohn, der gerade drei wurde. Die Großeltern wohnen zwei Stunden weg, so konnten wir schon lange nicht mehr zusammen sein, auch die Geburtstagsfeier fand ohne sie statt. Meine Mutter, also die Oma, leidet an einer Autoimmunerkrankung und infolgedessen werden wir sie auch in nächster Zeit nicht besuchen können. Mein Sohn und alle Betroffenen sind sehr traurig darüber, der Kleine versteht das ja auch noch nicht. Auch dass die KiTa zu ist, versteht er nicht. 

Da ich eben auch Lehrerin bin, heißt das nun zweimal, dass wir sie lange nicht sehen, falls die Schulen - wie gefordert - wieder geöffnet werden sollen. Mich stört, dass Lehrer - wie eh und je - wieder einmal zu wenig Beachtung finden. Wir sollen Notbetreuung machen - aber wer betreut unsere Kinder? Wir sind ja nicht systemrelevant. Wir sollen wieder unterrichten, aber die KiTas bleiben weitgehend geschlossen - wer betreut jetzt unsere Kinder? 

Wir sollen in die Schulen zurück, wo Hygiene ein Fremdwort ist. Um die Weihnachtszeit mussten Schulen schließen, weil so viele Kinder und Lehrer krank waren. Wie soll das bitte dann in Corona-Zeiten machbar sein, dass sich dieser Virus nicht weiter ausbreitet? Und sollen wir Lehrer jetzt ein Jahr oder länger, bis es eben Medikament oder Impfung gibt, keinen Kontakt mehr zu unseren Eltern bzw. den Großeltern unserer Kinder haben? Ich bin gespannt, wie das alles weitergehen soll.

Monika aus Rosenheim

Ich möchte jetzt gerne etwas loswerden, das ich vor ein paar Tagen in einer Metzgerei in Rosenheim erlebt habe. Von Abstand halten war nichts zu sehen, alle durften in den schmalen und kleinen Verkaufsraum. Eine Metzgereifachverkäuferin, die mich bedienen wollte, war schon sichtlich genervt, als ich an der Reihe war und ich meinen Wunsch nicht äußern konnte, da vor mir noch eine weitere Kundin von einer anderen Verkäuferin bedient wurde. Ich sah von hinten nicht, was es überhaupt an Ware gab und ich wollte mich auch nicht direkt neben die Dame stellen. 

Ich konnte nicht sofort meinen Wunsch äußern, daraufhin war die Verkäuferin sehr genervt. Das Verhalten der Verkäuferin war für mich als Kundin unmöglich und unverständlich. Vielleicht sollte diese Verkäuferin nur ein paar Stunden im Krankenhaus auf der Corona-Abteilung arbeiten, um zu sehen, was mitunter passieren kann, wenn man angesteckt wird und hilflos an Geräten angeschlossen ist. Auch wenn bei vielen Menschen Covid-19 milde verläuft, gibt es jetzt schon zu viele Menschen die es nicht überlebt haben.

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Sandra aus Oberbayern

Es ist schon der Wahnsinn, was die Menschen leisten, damit es uns gut geht. Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern etc. sind bereits mehrfach mit Dankbarkeit erwähnt worden. Leider werden ebenso wichtige Berufe wie Müllfahrer und Bestatter nie erwähnt! Warum eigentlich? Den Bestattern und der Müllabfuhr gehört unser besonderer Dank. Die Bestatter sind Tag für Tag auch der Gefahr ausgesetzt, sich mit dem Virus zu infizieren. Vielen Dank, dass es Euch gibt!

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Mittwoch, 22. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.354 Todesfälle (Stand: Dienstag, 21. April, 15.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Donnerstag, 16. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 3. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Ab Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Ebenso dürfen seit Montag, 20. April, Bau- und Gartenmärkte und ab Montag, 27. April, auch Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls ab 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/fn

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