Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Corona in Bayern: Fehlende Schutzmaßnahmen auf Markt, Hoffnung und eine Mitmach-Aktion

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt. Unser Leser Jacek aus Roseheim hat sogar eine Mitmach-Aktion ins Leben gerufen. 

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Sabine aus Traunstein

Meine Nachbarin war Anfang April auf dem Bauernmarkt in Traunstein. Sie hielt bei den Verkaufsständen den Mindestabstand von circa 1,50 Metern ein. Sie sagte anderen Marktbesuchern, die sie ignorierten und sich vordrängelten, dass sie anstehe, eben mit Abstand. Sie erntete damit unverständliches Kopfschütteln. Andere Marktbesucher steckten die Köpfe zusammen, um die Ware zu begutachten, so, als wäre keine Coronazeit.


Ebenso wurde hier ohne Handschuhe und auch ohne Desinfektionsmittel verkauft. Der Verkäufer machte alles wie immer: Mit der gleichen Hand fasste er Geld sowie auch die Waren an. Als sie den Verkäufer drauf ansprach, ob er denn gar nichts tue und dass hier ohne jegliche Vorsichtsmaßnahmen verkauft werden würde, hat er geantwortet: "Man muss nicht jeden Hype mitmachen".

Wortlos drehte sich meine Nachbarin weg und ging an einen anderen Marktstand, an dem mit Handschuhen und der nötigen Distanz verkauft wurde. Hat man in Traunstein kein Coronavirus? Keine Abstandsregeln? Bekommen wir das nicht mit, dass alles schon aufgehoben ist? Ist Traunstein "coronafreie Kreisstadt"? Wegen solcher Ignoranten wird es womöglich weitere Verschärfungen der Regeln geben (müssen).

Petra aus Oberbayern

Ich erlebe trotz der großen Krise sehr viel Positives in meinem Umfeld, in meiner Arbeit aber auch in der Politik und Gesellschaft. Viele Menschen gehen wertschätzender und einfühlsamer miteinander um. In etlichen meiner vielen Telefongespräche, egal ob beruflich oder privat, höre ich immer wieder die große Hoffnung, dass sich nach der Krise vieles zum Positiven wenden wird. Ich höre, dass es danach nicht mehr nur um die Wirtschaft, um ein "Höher, Schneller, Weiter" gehen kann, sondern die Menschen wieder in den Mittelpunkt rücken. 

Und schon jetzt sehe ich eine große Solidarität und ein Umdenken in der Wertigkeit. Da ich beruflich im sozialen Bereich tätig bin, freue mich sehr darauf, dass ein gesellschaftlicher Wandel stattfindet. Ich wünsche den Menschen ganz viel Gesundheit und dass sie diese Hoffnung in sich tragen können, denn dann ist allen geholfen und dann hätte diese große Krise mit dem vielen persönlichen Leid wenigstens einen Sinn.

Alexandra aus dem Landkreis Altötting

Vielen Dank für den schönen Schutzengel, den uns eine unbekannte Person vor die Tür der Wohnanlage des "Betreuten Wohnens" in Haiming gestellt hat. Wir haben uns in dieser schweren und sehr einsamen Zeit sehr über dieses nette Geschenk gefreut. Herzlichen Dank und bleiben Sie gesund.

Eine unbekannte Person stellte einen Schutzengel vor das "Betreue Wohnen" in Haiming.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anonym aus Freilassing

Ich bin froh, dass ich nicht arbeiten muss, da ich gerade in Elternzeit bin. Klar ist es momentan eine sehr schwierige Zeit. Was mich besonders traurig macht, ist in den Nachrichten zu lesen, dass befürchtet wird, dass die häusliche Gewalt in der jetzigen Zeit zunehmen wird. Am meisten tun mir die Kinder leid, weil sie momentan nicht mit ihren Freunden spielen können. 

Wütend machen mich die älteren Leute beim Einkaufen, die sich nicht an die Ausgangsbeschränkung halten und weder Handschuhe noch Schutzmasken tragen. Die Menschen starren mich dann an als wäre ich ein Monster, weil ich eine Schutzmaske und Handschuhe trage. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso so viele ältere Menschen draußen unterwegs sind. Haben die denn keine Angst?

Barbara aus Oberbayern

Ich arbeite in einer Bäckerei. Wir tragen Einweghandschuhe zum Bedienen, extra Handschuhe um das Geld anzufassen, benutzen Zangen und achten besonders jetzt, noch mehr auf die Hygiene als sonst eh schon. Seit Kurzem tragen wir auch Mundschutz, um unsere Kunden zu schützen. Aber leider gibt es eine jede Menge Kunden, die sich ungeniert vor unseren Augen an die Nase und an den Mund fassen. Teilweise ganz ausführlich auch noch. 

Eine Kundin hat sich sogar mit den Fingern die Zähne abgewischt, weil sie Lippenstift an den Zähnen befürchtete. Auf höfliche Hinweise, dass das nun mal der Hauptinfektionsweg wäre, war die harmloseste Antwort noch, man solle sich nicht so anstellen. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

Jacek aus Rosenheim

"Stop, bitte liegen lassen!" Ich habe eine Mitmach-Aktion ins Leben gerufen, mit der ich alle Spaziergänger, aber besonders die Kinder ansprechen möchte. Ich habe am Mangfallkanal, in der Hochfellnstraße in Rosenheim, einen Zettel und den ersten Stein gelegt. 

Bunte Steine als Ablenkung in der Coronakrise - unser Leser Jacek hat diese Mitmach-Aktion in Rosenheim ins Leben gerufen. 

Ziel der Aktion ist es, dass der Straßenrand mit vielen bunten und selbstbemalten Steinen geschmückt wird und die Coronazeit ein bisschen schöner und farbenfroher wird. Zahlreiche Personen haben bereits einen Stein zuhause bemalt und ihn zu den anderen gelegt. Wir sind gespannt, wie lange die Schlange noch wird. 

Zahlreiche bemalte Steine wurden bereits an die Straße in Rosenheim gelegt. 

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Freitag, 10. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 635 Todesfälle (Stand: Donnerstag, 9. April, 10.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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