Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Traumjob verloren, Existenzangst und gemischte Gefühle zum Coronavirus in Bayern

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Corona-Krise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Corona-Krise um? Zahlreiche Leser/-innen haben uns ihre persönlichen Geschichten und Gedanken erzählt. Alle Infos zur Corona-Krise in der Region findet Ihr in unserem Ticker.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Corona-Krise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Simone aus Aying

"Bei mir musste eine OP abgesagt werden obwohl ich starke Schmerzen habe. Ich habe mir im vergangenen Jahr mein Schlüsselbein gebrochen als ich als Fußgänger von einem Auto angefahren wurde. Jetzt wächst das Schlüsselbein nicht mehr zusammen. Es geht immer weiter auseinander. Bis solche Operationen wieder möglich sind, muss ich wahrscheinlich mindestens noch zwei bis vier Monate warten." 


Birgit aus Trostberg

"Mein Mann und ich betreiben zusammen mit unseren Töchtern und unserem Serviceteam den Postsaal in Trostberg. Von heute auf morgen wurden alle Veranstaltungen gestrichen und auch alle privaten Veranstaltungen wie Hochzeiten, Geburtstage etc. untersagt. Für uns - ein enormer finanzieller Verlust.

Es wird für uns alle verdammt hart - und der gerade angelegte Egoismus mancher Menschen ist definitiv der falsche Weg. Die Straßen und Eisdielen sind voll, es herrscht Urlaubsstimmung. Man radelt durch die Gegend und stürmt Gartencenter und Supermärkte. Super - so wird das Ganze noch länger dauern und irgendwann werden unsere Kliniken kollabieren.

Und was mich am meisten ärgert - der Ton gegenüber dem Verkaufspersonal in den Supermärkten. Hallo!? Die Leute arbeiten weiter, damit wir weiterhin gut versorgt sind! Ich habe es am Donnerstagmorgen selbst erlebt, dass die Damen an der Kasse blöd angemacht wurden, weil es kein Klopapier mehr gibt und weshalb keine Plexiglasscheiben an der Kasse stehen. Geht es eigentlich noch?

Leute - bleibt endlich zuhause! Und bitte: Bestellt nicht aus Langeweile bei Amazon und Co. Wenn die Sache vorbei ist, braucht uns der regionale Handel und die Gastronomie! Nur so ist es möglich, die Wirtschaft wieder anzukurbeln und unsere Geschäfte, Gaststätten und Arbeitsplätze zu erhalten! Nach der schnellen, wirklich positiven Reaktion seitens unserer Bayerischen Regierung hab ich keine Bedenken, dass wir das nicht schaffen. Aber es geht nur, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt und wir uns jetzt gegenseitig unterstützen. Toll finde ich die Position, die Markus Söder gerade einnimmt!"

Lisa aus Ampfing

"Ich bin selbstständige Kosmetikerin mit eigenem Studio. Am Montag habe ich meine Kunden angerufen und die nächsten anstehenden Termine abgesagt. Dieser Moment war für mich extrem emotional. Einerseits Existenzangst, andererseits die lieben Worte meiner Kunden, die alle nach der Krise wieder kommen wollen. Dann habe ich einen Zettel an die Tür gehängt und gleich zugesperrt.

Zu Hause kam dann die Angst um meine Tochter und ihre Familie, die sich in Ägypten befanden. Durch die vermeintliche Schließung des Flughafens in Kairo stand der Rückflug von ihnen auf dem Spiel. Eine Umbuchung des Fluges war leider nicht möglich. Für horrendes Geld mussten sie also neue Tickets kaufen. Am Donnerstag konnte ich sie zum Glück wieder am Flughafen in München abholen. Darüber bin ich unendlich froh. 

Entsetzt bin ich aber darüber, wie unvernünftig und egoistisch manche Leute sind. Ob beim Einkaufen oder sich einfach nur so zu treffen, manche halten die Corona-Krise wohl für einen Gag und erkennen den Ernst der Lage nicht! Ich finde es richtig, dass jetzt die Ausgangssperre verhängt wurde. Das hätte schon viel früher sein sollen! Wenn die Menschen so unvernünftig sind, muss halt ein Verbot her!

Sandra aus Oberbayern

"Wir waren wegen des Kontakts zu einer im Test befindenden Person in häuslicher Quarantäne. Wir waren froh, dass wir alleine in einem Haus mit Garten wohnen. Wir konnten zum Beispiel den Müll entsorgen! Und noch ein Tipp: Macht Kindern und Jugendlichen im Haus nicht alle Vorräte zugänglich, sondern stellt es ihnen in Rationen zur Verfügung - besonders die frischen Sachen. Bei uns wurde auf einmal das ganze Obst weggegessen und zack war alles weg. Wichtig ist es auch, dass Nervennahrung und bei Bedarf auch Zigaretten im Haus sind. An Vorräten braucht man sonst nur das, was man sonst auch isst."

Stefan aus Aschau im Chiemgau

"Mein Leben bzw. mein Alltag hat sich seit dem Bekanntwerden von Corona eigentlich nicht sehr viel geändert. Ich geh nach wie vor arbeiten, einkaufen und auch meine Freizeit gestalte ich immer noch wie sonst auch. Jeder hat wohl eine andere Meinung zu Corona. Die einen schieben Panik, die anderen interessiert es kaum. Ich finde, man sollte alle auf ein Mittelmaß bringen. Einerseits sehe ich beim Einkaufen, wie leer manche Regale sind. Vor allem Toilettenpapier, Binden und Tampons, Müllsäcke, aber auch teilweise Mehl und andere Lebensmittel aus dem Trockensortiment. Ich verstehe diese Leute überhaupt nicht. Die kaufen Sachen ein, die in meinen Augen ziemlich nutzlos erscheinen. Außerdem kaufen sie anderen Leuten, die diese Sachen vielleicht gerade benötigen, alles weg. Das sollte leider unterbunden werden.

Und jetzt kommt meiner Meinung nach die schlimmere Seite. Ich bin Lokführer bei einer Regionalbahn. Mir ist aufgefallen, dass die Fahrgastzahlen zwar stark zurückgegangen sind, allerdings sehe ich immer mehr Menschen, die auch in größeren Gruppen unterwegs sind. Im Rosenheimer Bereich sind es hauptsächlich Jugendliche, denen zu Hause verständlicherweise langweilig ist. Im Raum München dagegen sind es überwiegend Erwachsene oder gar Familien. Egal ob am Marienplatz oder an der Isar. Da tummeln sich die Leute und denken kein Stück nach.

Aber keiner denkt so richtig an die Berufsgruppen, die arbeiten müssen. Im Einzelhandel, Dienstleistungen, Pflegepersonal, Polizei, Feuerwehr. Wir von der Bahn zum Beispiel bekommen Ausnahmegenehmigungen, damit wir nach Österreich kommen um unsere Züge abzustellen bzw. zu holen. Obwohl der Zugverkehr eingestellt ist. Endlich wurden die Zugbegleiter von ihren Aufgaben wie Ticketkontrolle oder Verkauf entbunden. Auch müssen sie nich mehr im Fahrgastraum sein, wenn der Zug voller wird. Es gibt immer noch viele Fahrgäste die sich nicht um Hygiene im Allgemeinen kümmern. Sie niesen ohne die Hand vor den Mund zu halten oder husten einfach um sich herum.

Leider sind viele Arbeiter solchen extremen Bedingungen ausgesetzt. Es wird Zeit, dass endlich gehandelt wird. Leider denken zu viele Leute nur an sich anstatt sie ihr Hirn einschalten und vielleicht nur ein wenig zurückstecken.

Martina aus Oberbayern 

"Ich erlebe das Coronavirus mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite hab ich Respekt vor dem Virus und will nicht krank werden, andererseits will ich auch noch ein bisschen Normalität. Ich arbeite in einer Zahnarztpraxis. Dort arbeiten wir sehr nah an unseren Patienten und unsere Hygieneartikel sind auch nur noch begrenzt. 

Wir arbeiten nur noch an den Patienten, die wir leider nicht verschieben können, weil wir die Menschen ja auch nicht auf unbestimmte Zeit mit Schmerzen hängen lassen wollen. Es ist einfach nur traurig, dass die Regierung über alle spricht, aber nicht an die denkt, die wirklich nah an älteren Personen arbeiten. Ich bin daher hin und her gerissen. Leider sagt uns auch niemand, wie wir uns jetzt verhalten sollen."

Jenny aus Surberg

"Auch unsere staatlichen Techniker-Abschlussprüfungen hat der Corona erreicht. Das letzte Wochenende war daher spannend. Jeden Tag kam eine E-Mail unseres Studienpartners, dass die Prüfungen stattfinden. Am Sonntag, 15. März, haben wir die 750 Kilometer lange Anreise mit dem Flug bewältigt. Am Montag ging es zu der ersten von vier Abschlussprüfungen. Um 14 Uhr war die erste Prüfung beendet. Danach ging es zurück ins Hotel. 

Um 17 Uhr bekamen wir eine E-Mail unseres Studienpartners die Prüfungen dürfen nicht mehr fortgesetzt werden. Enttäuschung pur. Das Ende war so nah. 3,5 Jahre hingefiebert. Die Anreise war so weit. Jedoch hat alles nicht geholfen und wir sind mit unserem Leihauto die 750 Kilometer wieder nach Hause gefahren. Nach neun Stunden waren wir endlich zu Hause. Leider konnten wir den Flug nicht umbuchen bzw. nur gegen einen Aufpreis. Naja was soll's die lange Anreise steht uns somit ein zweites Mal bevor, sodass wir den Techniker hoffentlich bald abschließen können. Soviel steht fest das Corona-Virus werden wir angehende Techniker nie vergessen."

Rolf aus Oberbayern

"Wir sind ein Rentner-Ehepartner und sitzen in unserer Wohnung auf Teneriffa und stehen unter Hausarrest. Es werden lediglich die Kreuzfahrt-Passagiere und die Pauschaltouristen ausgeflogen. Wir haben keine Informationen ob und wann unser Flug nach Hause geht. Geplant ist er zumindest für den 27. März."

Margareta aus Oberbayern

"Aufgrund der aktuellen Situation habe ich am Dienstag sehr plötzlich und unerwartet meinen Traumjob verloren. Vergangenes Jahr habe ich meine Meisterausbildung erfolgreich abgeschlossen und im Herbst dann meine Traumstelle als Konditormeisterin gefunden. Ich habe mit meinen 22 Jahren zusammen mit einer Kollegin eine kleine Konditorei geleitet. Dazu gehörte auch noch ein Hotel und ein Gasthof. Die letzten Monate habe ich mich dann sehr reingehängt. Manchmal war es hart, aber es hat mir riesigen Spaß gemacht, so selbstständig und verantwortungsvoll zu arbeiten. So eine Stelle werde ich nicht mehr finden. Die Frage ist, wie es jetzt weiter geht."

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Montag, 23. März, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Weitere persönliche Geschichten unserer Leser: 

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-> Corona in Bayern: Wunsch nach Ausgangssperre und Sorge um Moritz (zehn Monate)

-> Corona in Bayern: Getrennte Liebespaare und Unverständnis für Hamsterkäufer

-> Corona in Bayern: "Schönrederei", unbelehrbare "Party People" und autarke Versorgung

-> Corona in Bayern: Ignorante Rentner, Proben für die Liebe und Wunsch nach Wasserwerfern

-> Coronakrise in Bayern: Der Spagat im Homeoffice und Angst vor der Ungewissheit

Wie erlebt Ihr die Corona-Krise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits fünfzehn Todesopfer (Stand: Freitag, 20. März, 14 Uhr) gefordert. Am Montag (16. März) wurde vom Ministerpräsidenten Markus Söder der Katastrophenfall ausgerufen. Seit Samstag, 20. März, gelten zur Eindämmung des Coronavirus in ganz Bayern weltreichende Ausgangsbeschränkungen.

Am Dienstag (17. März) wurden alle nicht notwendigen Freizeiteinrichtungen geschlossen: Unter anderem Schwimmbäder, Sporthallen, Spielplätze, Bibliotheken, Sport- und Fitnessstudios, Volkshochschulen oder Jugendhäuser. Seit Mittwoch (18. März) dürfen nun Speiselokale und Betriebskantinen nur noch von 6 bis 15 Uhr geöffnet haben. 

Das österreichische Bundesland Tirol steht mittlerweile sogar komplett unter Quarantäne. Durch das Coronavirus wurden nun sogar die Abschlussprüfungen von Gymnasien, Realschulen, Mittelschulen und Wirtschaftsschulen verschoben

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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