Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Coronakrise: Ältere Generation als Problemfall und eine beginnende Spaltung zwischen Alt und Jung?

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus dem Landkreis Altötting

Vorweg muss man anmerken, dass die Kinder und Jugendlichen derzeit den größten Verzicht in Kauf nehmen, um die älteren Personen zu schützen. So haben meine Kinder seit den Ausgangsbeschränkungen das Grundstück nicht mehr verlassen und auch keinen Besuch erhalten, was brutale Einschränkungen bedeutet. Sie halten sich aber daran, weil sie wissen, dass sie dadurch Leben retten!


Leider muss man dann aber sehr oft feststellen, dass gerade die älteren Leute, also genau die Generation, wegen der diese ganzen Einschränkungen überhaupt nur nötig sind, sich meist nicht an diese notwendigen Maßnahmen hält. Bei vielen Rentnern kann man beobachten, dass quasi das normale Leben wie gewohnt weiterläuft. Da wird täglich der Friedhof besucht, um dort eine Kerze anzuzünden, und dann gleich der übliche Ratsch mit den anderen abgehalten. Da werden täglich die Enkelkinder besucht, weil man es z.B. 15-Jährigen nicht zutraut, dass die sich selbst für acht Stunden am Leben halten und vielleicht auf ein Geschwisterchen aufpassen, wenn die Eltern in der Arbeit sind. 

Nützliche Links zu Corona:

Da wird der tägliche Einkauf gemeinsam erledigt, weil ja einer allein offensichtlich nicht einkaufen kann, selbst beim Bäcker geht man gemeinsam in den Laden. Da ratscht man beim Spaziergang, mit jeden den man trifft sehr ausgiebig, ohne an die Abstandsregelung zu denken. Man hält sich im Garten auf und wartet nur darauf, dass jemand am Zaun stehen bleibt um dann "sich sehr nahe stehend" zu ratschen. Da muss man plötzlich völlig belanglose Sachen "dringend" erledigen usw. Es werden direkt zwanghaft Ausreden gesucht, beziehungsweise auch erfunden, mit denen man die Ausgangsbeschränkung "aushebeln" kann.

Obwohl mittlerweile der Dümmste wissen sollte, dass gerade die ältere Generation besonders gefährdet ist, stelle ich in Töging fest, dass gerade diese Generation der größte Problemfall ist! Da wird nach jeder noch so kleinsten Gesetzeslücke gesucht, um sein Verlassen der Wohnung irgendwie zu rechtfertigen. Wahnsinn! Wie gesagt, die jungen Leute verzichten derzeit zum Schutz der älteren Leute auf ALLES, aber die älteren Leute interessiert dies scheinbar nicht, denn sie missachten ganz bewusst die Vorgaben! Hier sollte der Staat die Strafen drastisch erhöhen! Ab 1.000 Euro aufwärts wäre wohl sinnvoll, da ein "Dududu" als Ermahnung hier völlig unangebracht ist.

Klarstellung:

1. Mir liegt es absolut fern, hier ein "Jung gegen Alt" oder umgekehrt zu entfachen! 

2. Habe ich hier lediglich meine persönlichen Erfahrungen geschildert, die ich so täglich erlebt habe.

Außerdem möchte ich noch meinen damaligen Einstiegssatz (Vorweg muss man anmerken, dass die Kinder und Jugendlichen derzeit den größten Verzicht in Kauf nehmen, um die älteren Personen zu schützen), der ja offensichtlich von einigen nicht richtig Verstanden wurde, erklären. Dieser Satz soll ausdrücken, dass es diese ganzen Beschränkungen nicht gäbe, wenn die Sterbezahlen der älteren Generation so niedrig wie bei den Jugendlichen wäre. Dann wäre es nämlich im Vergleich zu den aktuellen Todesfällen nur ein ganz kleiner Bruchteil an Toten, die wir zu beklagen hätten. Somit lägen die Todeszahlen ähnlich einer "normalen Grippe" und es gäbe diese Einschränkungen nicht! 

Leider zeigt die Statistik aber sehr deutlich, dass die Todesfälle durch Corona meist ein höheres Alter haben und darum die älteren Leute geschützt werden müssen. Selbstverständlich gibt es bei den jungen Leuten vermutlich genauso viele infizierte wie bei der älteren Bevölkerung, aber die Sterberate ist bei der Jugend nunmal um ein vielfaches geringer. Somit ist es zwar generell schlecht, wenn sich Personen egal welchen Alters gegenseitig anstecken, aber es ist eben ein Unterschied, ob sich die "Risiko-Gruppe" (damit sind hauptsächlich die Rentner gemeint) ansteckt, oder jüngere Menschen, die meist gar keine Symptome zeigen. Folglich ist es völlig richtig, dass die jüngeren Menschen derzeit zum Wohle der älteren Menschen verzichten! Ist vielleicht Makaber, aber würde man die Toten über 60 Jahre nicht berücksichtigen, würde das Leben ohne Einschränkungen weiter gehen!

Scheinbar scheitert es teilweise aber auch am Verständnis zur aktuellen Situation? In einer anderen, hier veröffentlichten Corona-Geschichte, schrieb z.B. "Angela aus Bayern", "...Wie wäre es, wenn nur Rentner rausgehen und die anderen zu Hause eingesperrt daheim bleiben?...." Liebe Angela, dies würde z.B. dann aber auch bedeuten, dass die Rentner täglich im Supermarkt an der Kasse sitzen, die LKW-Touren zur Versorgung mit Waren übernehmen und die Wirtschaft mit einem teilweise 12 Stunden Arbeitstag am laufen halten usw...., während die jungen Leute dann zu Hause sind. Willst Du das ernsthaft?

Wirklich erschreckend ist aber, dass einige Leute scheinbar die Gefahr noch gar nicht kapiert haben! Treu dem Motto "ich habe keine Symptome, also bin ich gesund", denken einige, dass sie ohne weiteres andere Personen zu Hause besuchen können, wenn die auch keine Symptome haben! Dies ist absoluter Wahnsinn! Gerade weil dieser Virus so oft ohne Symptome übertragen wird, ist das so gefährlich! Viele merken es gar nicht, dass sie "Überträger" sind und denken darum, dass sie einfach wie vorher auch die Leute besuchen können.

Die Leute, die diese Einschränkungen ignorieren, sind gleichzeitig dafür verantwortlich, dass die Einschränkungen durch ihr Verhalten noch länger dauern! Würde sich jeder drei Wochen absolut an die Regeln halten, gäbe es so gut wie keine Neuinfektionen mehr und alles könnte dann wieder "normal" laufen! Mal darüber Nachdenken!

Anonym aus Brannenburg

2019 musste ich ins Krankenhaus, da ich schweres Asthma und einen Infekt hatte. Jetzt habe ich meinen ersten langen Spaziergang unternommen - mit Schutzmaske! Als ich Abstand zu all den Joggern und Radfahrern, die in Grüppchen ohne Abstand auf mich zu rasten, habe ich fast nur Spott geerntet. Ich will nicht schon wieder im Krankenhaus um Luft ringen! Liebe Leute, muss das sein? Auch als ich in einem Drogeriemarkt Abstand suchte, hieß es schon: "Also übertreiben muss man nicht! ". Ich finde das sehr traurig. 

Ingrid aus Bernau am Chiemsee

Am Ostersonntag fuhr ich gegen gegen 13.30 Uhr in Bernau am Chiemsee mit dem Rad auf einer Nebenstraße Richtung Hauptstraße. Mir entgegen bog ein älteres Ehepaar, hintereinander auf ihren Rädern, von der Hauptstraße in die Nebenstraße. Plötzlich bog auch ein junges Pärchen auf ihren Rennrädern von der Hauptstraße in die Nebenstraße ab. 

Die junge Frau überholte ordnungsgemäß die ältere Dame links. Der junge Mann hingegen fuhr rechts vorbei. Die ältere Dame war natürlich verunsichert. Daraufhin schrie der junge Mann: "Gucken, gucken! Durch euch Alten haben wir das ganze Schlamassel mit Corona, bleibt zu Hause!" Auch ich gehöre zur älteren Generation und frage mich: "Beginnt die Spaltung zwischen Jung und Alt?"

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Janine aus Oberbayern

Zuerst einmal ist der größte Teil der Kunden bemüht, mit mir als Inhaberin, die ganzen Vorschriften wie Abstand, etc. einzuhalten. Denn keiner von uns möchte krank werden. Von ganz vielen Kunden bekomme ich auch oft ein herzliches Dankeschön. Nur leider gibt es auch immer wieder Menschen, die äußerst unverschämt mir gegenüber sind, wenn ich sie um die Einhaltung der Regeln bitte. 

Ein kleines Beispiel: Wir haben einen 50m² großen Laden und uns dafür entschieden, drei Kunden gleichzeitig rein zu lassen. Ein vierter Kunde kommt rein und wird höflich darum gebeten, zu warten. Doch dann flippt er aus und sagt: "Na gut, dann eben nicht!", schmeißt seine Ware, die er kaufen wollte, auf die Theke und geht. Ein weiterer Kunde regt sich darüber auf, dass ich ihm nicht die Ware aus dem Regal holen kann, wird dann auch sehr unhöflich und geht. Ein anderer Kunde ist wütend und versucht mich dann auf sehr uncharmante Weise zu belehren, wie ich die Hygienemaßnahmen seiner Meinung nach einzuhalten habe. 

So, nun genug an Beispielen, denn solch ein Verhalten macht sehr traurig! Seit Beginn der offiziellen Einschränkungen bemühe ich mich wirklich sehr darum, es allen gerecht zu machen! Da muss so ein unhöfliches Auftreten und zusätzlich noch etliche kleine Reibereien einfach nicht sein. Auch für uns Lebensmittelhändler ist diese Situation nicht einfach und es wäre doch schön, wenn gerade in dieser Zeit die Menschen respektvoll und freundlich miteinander umgehen würden - schließlich sitzen wir alle im gleichen Boot.

Stephi aus Rosenheim

Ich bin eine alleinerziehende Mama aus Rosenheim. So langsam ist es wirklich sehr anstrengend, mit den Kindern zuhause. Man brauch mehr Essen und mehr Getränke. Da ich momentan leider arbeitslos bin, ist es eine sehr schwere Zeit für uns. Wir müssen jeden Cent umdrehen. Meine Kinder wollen raus zum Spielen und nicht mehr nur in der Wohnung bzw. auf dem Balkon sitzen. Spazierengehen finden sie bereits langweilig und der Spielplatz ist ja geschlossen. 

Unser Nachbar ist auch nur noch am meckern. Es zerrt sehr an den Nerven. Ich habe auch Angst, dass meine Kinder das Coronavirus bekommen. Aber an alle da draußen, auch die wo wie ich wenig Geld haben: "Wir schaffen das! Wir überstehen auch diese Zeit gemeinsam - wir müssen uns nur gegenseitig helfen!"

Yvonne aus Bayern

Mein Sohn wünscht sich nichts sehnlicher, als seine Freunde bald wieder treffen zu können. Mit seiner Musik unterstützt er nun das Gefühl für ein Miteinander. Er hat angefangen, Klavier zu spielen bzw. zu lernen und auch ein Ständchen für alle Geburtstagskinder eingeübt: 

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Freitag, 17. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.070 Todesfälle (Stand: Donnerstag, 16. April, 15.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Donnerstag, 16. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 3. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Ab Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Ebenso dürfen ab Montag, 20. April, Bau- und Gartenmärkte und ab Montag, 27. April, auch Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls am 27. April, werden die Abschlussklassen in Bayern, also die Prüfungsjahrgänge, den Schulbetrieb wieder aufnehmen. Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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