Die persönlichen Geschichten unserer Leser

Corona in Bayern: Getrennte Familien, komplette Isolation und eine Frau namens "Korona"

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Zahlreiche Leser haben uns ihre persönlichen Geschichten in der Corona-Krise erzählt. Auch die Mutter von Micky aus Bernau hat die OVB24-Redaktion kontaktiert. 

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie es sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Corona-Krise um? Zahlreiche Leser/-innen haben uns Ihre persönlichen Geschichten und Gedanken erzählt. 

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Corona-Krise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich daraufhin auf unseren Aufruf gemeldet. Das sind die ersten 15 persönlichen Geschichten: 


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Michaela aus Oberbayern

"Am Anfang, als Markus Söder das alles beschlossen hat, war ich wütend und sauer, weil meine beiden Kinder und ich jetzt lange Zeit meine andere kleine Tochter nicht sehen können, da diese bei Pflegeeltern lebt. Doch mittlerweile sehe ich, dass diese Entscheidungen wichtig sind, auch wenn es schwer wird, meine kleine Tochter fünf Wochen lang nicht sehen zu dürfen. Aber ich habe eine sehr tolle Pflegemutter, die mich trotz allem soweit wie möglich am Leben meiner Tochter teilhaben lässt. Ich hoffe, dass in fünf Wochen der Spuk rum ist und wir wieder meine kleine Tochter besuchen und dann ganz normal Erstkommunion feiern dürfen."


Susanne aus Bernau am Chiemsee

"Wir, das sind Micky 15 Jahre alt und seit zehn Jahren Herzlungen transplantiert und ich, seine Mama, sind seit nun fast drei Wochen isoliert zu Hause. Das heißt, wir haben keinerlei sozialen Kontakt, sind eigentlich total isoliert, keinen Besuch nicht einmal zu unserer engsten Familie. Das ist für uns die einzige Möglichkeit, irgendwie durch diese Krise zu kommen. 

Micky aus Bernau am Chiemsee ist bereits seit fast drei Wochen mit seiner Mutter isoliert zu Hause. 

Micky hat leider durch seine Erkrankung keine Chance dieses Virus zu überstehen. Das heißt wir müssen alles tun, um dieses Virus zu vermeiden. Das geht leider nur in dem wir uns isolieren. Natürlich ist es völlig klar, dass leider viele Menschen die Ernsthaftigkeit dieser Situation nicht verstehen oder sogar runterspielen. Gott sei Dank müssen nicht alle Eltern so extrem wie wir reagieren, denn sie alle haben ja gesunde Kinder. Die alle wissen auch nicht was es heißt, abhängig zu sein von lebenswichtigen Medikamenten und medizinischem Zubehör. Die alle machen sich Sorgen um Klopapier! Wir machen uns Sorgen um Sauerstofflieferung und ob im Zweifelsfall die lebenswichtigen Medikamente und die intensivmedizinische Versorgung überhaupt noch gegeben ist. Jeden Abend gehe ich als Mama mit der Angst ins Bett angewiesen und abhängig sein von solchen Lebenswichtigen Dingen, und beneide ein bisschen die Mamas die 'nur' keinen Babysitter haben."

Maria aus Bayern

"Eine kleine Geschichte, die in dieser kriegsähnlichen Situation für die Menschheit irrelevant ist, aber für mich dennoch niemals in Vergessenheit geraten wird. Anfang Februar lernte ich einen Südtiroler kennen. Wir trafen uns mehrmals und es kam wie es kommen musste - Liebe. Wir besuchten uns gegenseitig so oft es ging, da es uns immer mehr klar wurde, dass die Grenzen bald schließen werden. Naja und so kam es. Ich dachte nie, dass ich eine Zeit erleben werde, wo es zwei Menschen unmöglich bzw. nicht erlaubt ist, sich zu sehen. Dies soll nicht im geringsten ein Urteil an die Politik sein. Das was entschieden worden ist zum Wohl der Deutschen, ist das einzig richtige, obwohl es schmerzt." 

Anna aus Oberbayern

"Uns beschäftigt das Virus eher in der Arbeit. Ich bin Kinderpflegerin und habe selbst zwei Kinder zuhause, die während ich arbeite immer bei den Omas sind. Ich soll weiterarbeiten, darf aber meine Kinder nicht mit zur Arbeit nehmen und soll sie auch nicht zu den Omas bringen. Das ist wirklich sehr nervig. Da die Spielplätze gesperrt sind, haben wir erstmal im Garten das Trampolin aufgebaut und eine Rutsche hingestellt, um möglichst viel draußen sein zu können. Ansonsten ist es sehr schade, dass wir nichts mehr mit Freunden machen dürfen, aber wir bringen die Zeit schon rum."

Christian aus Töging am Inn

"Ich bin 38 Jahre alt und lebe seit 2000 in Bayern. Zum 1. März bin ich dann heuer von Neumarkt-St. Veit nach Töging am Inn gezogen. Am 9. März bin ich zum dritten Mal Vater geworden und meine Lebensgefährtin hat unsere Tochter in Altötting zur Welt gebracht. Ich habe noch eine sechsjährige Tochter und ein vierjährigen Sohn von meiner Noch-Ehefrau. Meine Ex-Frau lebt zusammen mit meinen Kindern und ihrer behinderten Tochter. Ich bin seit einem Jahr Berufskraftfahrer im Fernverkehr und komme nur am Wochenende nach Hause. Ich habe nur ein Umgangsrecht für meine zwei Kinder aufgrund der Trennung. Seit Anfang März geht dieses Virus in Bayern, Deutschland und der Welt spazieren und ich verstehe teilweise die Menschen nicht, warum so leichtsinnig mit diesem Virus umgegangen wird. Wisst ihr wir schwer es für mich ist, wenn ich meine Kinder nicht sehen kann, weil ihre Halbschwester zur einer Risikogruppe gehört? Ich bin unterwegs in Deutschland und so weiter, bin kerngesund und trotzdem kann ich das Virus mitschleppen. Meine Lebensgefährtin war erst im Krankenhaus und ich bin froh, dass sie sich nichts eingefangen hat.

Ich sehe es heute immer noch auf der Straße, es fahren Reisebusse, Wohnmobile, Urlauber durch die Gegend, wo ich mir denke, die stört es gar nicht, wie gefährlich dieses Virus ist. Ich steh an einem Rasthof und mache meine elf Stunden Pause, wollte mich duschen gehen. Es ist zu. Ich kann mich nicht waschen, keine Hygiene und wir beliefern euch. Ohne uns Berufskraftfahrern läuft nichts mehr. Es ist traurig zu sehen, wie leichtsinnig damit umgegangen wird. Mein Vorschlag an alle da draußen. 'Haltet euch an die Vorschriften und haltet einfach zusammen'."

Astrid aus Oberbayern

"Als Zahnarzthelferinnen sind wir leider täglich vielen Kontakten ausgesetzt. Der empfohlene Mindestabstand von 1,5 m kann nicht im geringsten eingehalten werden. Es geht bei uns um Zentimeter! Ganz davon abgesehen, dass rund um uns ein Sprühnebel von Speichel und Wasser ist. Wir Zahnarzthelferinnen können nur auf die Vernunft der Patienten hoffen, indem sie sich gegen einen Zahnarztbesuch entscheiden. Aber es gibt auch noch die andere Gruppe, die trotz Corona zB. eine Zahnreinigung bekommen. Die Zahnärzte schauen natürlich, dass sie Umsatz machen ohne Rücksicht auf uns. Ich frag mich: Wer schützt uns?"

Inge aus Teising

"Die Corana-Krise erleben wir momentan sehr intensiv, da unser Sohn in Marokko gestrandet ist und da sieht man erst, welche Auswirkungen diese Pandemie hat. Es ist kein Durchkommen bei den Fluggesellschaften und im Auswärtigen Amt. Das Innenministerium, insbesondere Dr. Stephan Mayer, sind hervorzuheben. Eine prompte Rückantwort mit Telefon und Email und vielen Telefonnummern, nahmen mir als Mutter ein bisschen die Angst. Wir werden sehen, wie die Rückholaktion der Bundesregierung klappt. Erst dann habe ich keine schlaflose Nacht mehr. Heute haben wir in gegenseitigen Einverständnis unser zweijähriges Enkelkind gehütet, das war ein sehr positiver Tag und wir haben viel gelacht. Hiermit wünsche ich uns allen sehr viel Gesundheit und wir halten zusammen in dieser schweren Zeit."

Petra aus Brannenburg

"Für mich und meinen Partner heißt die Corona-Krise, dass wir uns auf unbestimmte Zeit nicht sehen können, da er bei Kufstein und ich in Brannenburg wohne. Es ist für uns beide schwer, all das getrennt voneinander durchstehen zu müssen. Wir wollten eigentlich bald zusammen ziehen, aber daraus wird erstmal nichts werden."

Christa aus Österreich

"Ich bin 59 Jahre alt und habe eine schwere Krebserkrankung. Knochenmarkkrebs. Das Coronavirus bewegt mein Leben sehr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Virus sich weltweit so ausbreitet. Ich denke viel mehr, dass das Virus eher mit einer Nukklearwaffe verbreitet worden ist. Ich halte mich auf jeden Fall an alle Anweisungen. Das Einzige was weh tut ist, dass ich mit meinem Mann in Österreich und meine Kinder und Enkel in Deutschland wohnen. Ansonsten denke ich, wenn alle zusammenhalten und die Anweisungen befolgen, schaffen wir das."

Thomas aus dem Chiemgau

"Das mit Abstand schlimmste Erlebnis hatten wir vor zwei Tagen beim Einkauf im Supermarkt an der SB-Brötchentheke. Da war tatsächlich ein anderer Kunde mit der Hand im Semmelregal unterwegs. Darauf angesprochen, dass es dafür eine Zange gibt, meinte er lediglich, was ich wolle und es sei seine Sache. Ich ließ ihn damit nicht durchkommen, wies darauf hin, dass es ganz sicher nicht seine Sache sei und wir uns so oder so - und grade unter der aktuellen Situation umso mehr - an die Regeln der Hygiene und des Zusammenlebens halten müssen. 

Ich hab auch gemeint, ob er noch ganz frisch sei. Sich dann als alte Sch... bezeichnen zu lassen, war der Gipfel der Uneinsichtigkeit und Frechheit! Da war's dann tatsächlich kurz vor knapp... Wie beschränkt, unverantwortlich, egoistisch und unglaublich bescheuert kann man sein? Was schade und erschreckend war, keiner der Umstehenden hatte genug Zivilcourage was zu sagen. Über die Situation nachdenkend, werde ich mich auch zukünftig nicht abhalten lassen... Aber dann in so einer Situation aktiv die Unterstützung von Ladenpersonal und gegebenenfalls Polizei einfordern..."

Korona aus Pleiskirchen

"Die erste Begegnung mit dem Namen Corona war für mich etwas überraschend, und seitdem diesen Namen so oft gehört wie noch nie. Schaltet man Fernseher oder Radio an, dann hört man nur noch: 'Corona-Krise, Probleme mit Corona, Angst vor Corona'. Am Mittwoch war ich mit den Katzen beim Tierarzt zum impfen, an der Anmeldung fragte man mich nach meinem Namen. Ich nannte meinen Nachnamen, aber da sehr viele so heißen, sollte ich auch meinen Vornamen nennen. Ich sagte ihn nur sehr leise, und die beiden Damen lachten sich kaputt. Ich nehme das ganze mit Humor, da das in letzter Zeit immer wieder passiert. Mein Lebensgefährte lebt schon seit acht Jahren mit C(K)orona und es geht ihm sehr gut."

Christine aus Rosenheim

"Ich bin eine 34-jährige Mama von zwei Kindern (12 und 13 Jahre) und wohne in Rosenheim. Derzeit bin ich leider auch ohne Arbeit. Ich finde es schrecklich, dass ich bald meine Kinder nicht mehr ernähren kann, da die Leute die Hamsterkäufe machen, das ganze billige Zeug weg kaufen. Seit Tagen bekommen wir kein Fleisch. Da wir finanziell knapp sind, können wir uns auch keine Hamsterkäufe leisten. Ich hoffe, dass es besser wird und das ich meine Kinder durch die schlimme Zeit bringen kann. Meine Kinder wollen leider nicht wirklich verstehen, wieso sie nicht raus dürfen oder momentan sparsam mit dem Essen sein müssen. Das tut mir in der Seele weh und ich bin dafür, dass man Hamsterkäufe verbieten soll bzw. die Einkaufswagen kontrollieren sollte."  

Thomas aus München

"Ich war bis Freitag noch auf Lehrgang in Wasserburg, welcher noch bis Ende März gedauert hätte. Auf Grund der aktuellen Ereignisse wurde dieser vorzeitig beendet und das Bildungszentrum geräumt. Diese Woche befinde ich mich noch Zuhause und ab Montag wieder bei meiner Dienststelle. Es bleibt mir ein Rätsel, weshalb sich Personen immer noch in Gruppen treffen. 

Erst gestern fuhr ich an den Isarauen in München vorbei und musste mit an den Kopf fassen. Viele Personen eng aneinander grillend. Ich verstehe einfach nicht, weshalb manche Personen so egoistisch sind und sich nicht an Anordnung sowie Empfehlungen halten können. Wollt ihr Zustände wie in Norditalien? Wollt ihr, dass eure Großeltern oder gefährdete Freunde sterben, weil es keine Plätze in den Krankenhäusern für sie geben wird? Dann macht weiter eure Corona-Partys! Oder bleibt einfach zu Hause wie normale Menschen."

Regina aus Oberbayern

"Ich arbeite in der Dienstleistung und ich mache mir ganz ehrlich echt Sorgen um die Verkäufer, Apotheker, Tankstellenangestellten und alle anderen Personen wie Ärzte oder Pfleger. Keiner weiß, wer uns ansteckt bzw. noch anstecken wird und keiner steht hinter den ganzen Dienstleistern. Was ist, wenn sich eine Verkäuferin ansteckt und es nicht weiß? Ich finde die Situation echt krass!"

Erhard aus Burghausen

"Mir macht das richtig Angst mit der Pandemie des WHO COVID-19. Ich selbst habe eine idiopathische Lungenfibrose die sehr weit fortgeschritten ist und mehrere Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und meine Niere wurde 2009 wegen eines Tumors entfernt. Meine Frau sollte auch nicht mehr einkaufen nicht dass sie mich möglicherweise anstecken könnte. Wie soll es weitergehen fragen wir uns des Öfteren.Wie sollen wir uns verhalten?  Die Lage ist ja sehr ernst aber den ganzen Tag Panik zu verbreiten ist ja auch nicht optimal denke ich."

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Freitag, 20. März, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Weitere persönliche Geschichten unserer Leser:

-> Corona in Bayern: Wunsch nach Ausgangssperre und Sorge um Moritz (zehn Monate)

-> Traumjob verloren, Existenzangst und gemischte Gefühle zum Coronavirus in Bayern

-> Corona in Bayern: Getrennte Liebespaare und Unverständnis für Hamsterkäufer

-> Corona in Bayern: "Schönrederei", unbelehrbare "Party People" und autarke Versorgung

-> Corona in Bayern: Ignorante Rentner, Proben für die Liebe und Wunsch nach Wasserwerfern

Coronakrise in Bayern: Der Spagat im Homeoffice und Angst vor der Ungewissheit

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits sieben Todesopfer (Stand: Donnerstag, 19. März, 14 Uhr) gefordert. Am Montag (16. März) wurde vom Ministerpräsidenten Markus Söder der Katastrophenfall ausgerufen. 

Am Dienstag (17. März) wurden alle nicht notwendigen Freizeiteinrichtungen geschlossen: Unter anderem Schwimmbäder, Sporthallen, Spielplätze, Bibliotheken, Sport- und Fitnessstudios, Volkshochschulen oder Jugendhäuser. Seit Mittwoch (18. März) dürfen nun Speiselokale und Betriebskantinen nur noch von 6 bis 15 Uhr geöffnet haben. Das österreichische Bundesland Tirol steht mittlerweile sogar komplett unter Quarantäne

Wie erlebt Ihr die Corona-Krise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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