So erleben unsere Leser die Coronakrise

Weil Tochter in China lebt: "Corona hat mich zum Handy-Junkie gemacht!" 

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Andi aus Oberbayern

Ist es nicht herzerwärmend, wie der Zusammenhalt hier in Oberbayern funktioniert? Es spielt überhaupt keine Rolle, ob Dorffest, Umgehungsstraße, Klima oder Corona. Wenn man die Kommentare hier liest und sich mal zurücklehnt, ist es vor allen Dingen eines: verdammt traurig! Von wegen: Wir halten zusammen. Ist es nicht wie immer? Ein Hauen und Stechen? Kunden in Lebensmittelgeschäften beschimpfen das Personal. Das Personal regt sich über die Kunden auf. Nachbarn lästern über "die Nachbarn". Und die Jungen beschweren sich über die Alten und selbstverständlich umgekehrt. Sieht Zusammenhalt oder Solidarität nicht irgendwie anders aus?


Mal ehrlich, die Wahrscheinlichkeit sich mit Corona anzustecken ist laut offizieller Zahlen doch eigentlich sehr gering. Also Panik ist nicht wirklich angesagt. Eine extrem gefährliche Krankheit ist Corona ja auch nicht, da nicht zwingend tödlich. Aber - und jetzt kommt der eigentlich springende Punkt: Jeder Corona-Tote ist einer zuviel. Und es liegt an uns, diese Kette zu durchbrechen! Jeder kann etwas dafür tun. Ob man nun einen Sinn dahinter sieht oder nicht, spielt doch gar keine Rolle. Je weniger Menschen sich aus egoistischen Gründen nicht an die Abstands- und Kontaktregeln halten, desto länger wird die Krise dauern. Mit all ihren Folgen: noch mehr Tote, Schaden für die Wirtschaft und somit auch mehr Arbeitslose. Auch ich habe immer öfter Kurzarbeit und frage mich, wie lange das Ganze noch gut geht. Jeder von uns ist in der Pflicht, den Schaden so gering wie möglich zu halten! Also fahrt den Stresspegel und das Ego mal etwas runter und lasst uns wirklich zusammenhalten. Haltet euch bitte an die Regeln und zwar alle! Ob mit oder ohne Maske, bleibt vor allen Dingen eines: gesund!

Frauke aus Emmerting

Nützliche Links zu Corona:

Corona hat mich zum Handy-Junkie gemacht! Für mich persönlich begannen die Corona-Sorgen bereits Mitte Januar, da meine Tochter seit ein paar Jahren in China lebt und arbeitet. Über WeChat, das chinesische Pendant zu WhatsApp, blieb ich ständig darüber informiert, welche Maßnahmen die chinesische Regierung zur Eindämmung des Virus ergriff und wie sich die Restriktionen auf die Bewohner des Landes auswirkten. Zwar wohnt meine Tochter nicht in Wuhan, aber wie angespannt ich auf ihre Nachrichten wartete, kann sich vermutlich jeder vorstellen. Früher lag mein Handy meist irgendwo im Haus herum. Seit Januar trage ich es dauernd mit mir herum und checke ständig, ob ein rotes Blinken eine neue Nachricht aus China meldet, die hoffentlich nur Positives enthält!

Die Ausgangsbeschränkungen in Bayern haben mich deshalb nicht kalt erwischt. Ich hatte bereits mit solchen Maßnahmen gerechnet, als die Zahl der Corona-Fälle in Österreich und Deutschland erst langsam zu steigen begann. Und wenn ich nach China blicke, haben wir es in Bayern vergleichsweise gut. Immerhin dürfen wir unsere Wohnungen zum Sport oder Spazierengehen verlassen; in China war das lange Zeit nur zum Einkaufen und Arbeiten erlaubt. Trotzdem trifft die Corona-Pandemie auch hier viele Menschen hart, sei es im privaten Bereich oder aus wirtschaftlichen Gründen. 

Als Schriftstellerin bin ich daran gewöhnt, lange Zeit allein zuhause am Computer zu arbeiten. Aber durch die Schließung der stationären Buchläden, sowie der Absage der Leipziger Buchmesse und anderer Buch-Events ist der Buchhandel massiv eingebrochen, was sich auf viele Verlage negativ auswirkt. Ungünstigerweise wurde mein neuestes Buchmanuskript ausgerechnet kurz vor der Coronakrise fertig und jetzt quält mich die Sorge, ob es einen Abnehmer finden wird. Denn etliche Verlage bringen die Bücher, die ursprünglich im Frühjahr erscheinen sollten, nun erst im Herbst heraus. Aufgrund gesunkener Absätze sind sie im Hinblick auf neue Buchprojekte besonders vorsichtig.

In meinen Manuskripten steckt unendlich viel Arbeit. Ich überarbeite jedes einzelne zigmal, um es für meine Leser so ansprechend und spannend wie möglich zu gestalten. In jedes neue Buchprojekt fließt enorm viel Zeit, Kraft und Herzblut, weshalb es für mich ein extrem schwerer Schlag wäre, wenn das neue Manuskript pandemiebedingt keinen Verlag fände. Aber natürlich ist es derzeit am wichtigsten, Leben zu schützen, andere Interessen müssen dahinter zurückstehen. China hat gezeigt, dass sich Corona durch restriktive Maßnahmen zumindest eindämmen lässt. Deshalb stehe ich hinter all den Maßnahmen, die unsere Regierung beschlossen hat. Ich vertraue auf die vielen Wissenschaftler weltweit, die an Medikamenten oder Impfstoffen forschen, sodass wir hoffentlich irgendwann wieder in ein normaleres Leben zurückkehren dürfen. Und ich bedanke mich herzlich bei Ihnen und bei all jenen, die unser Land in dieser schweren Zeit am Laufen halten!

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anonym aus Bayern

Letztens war ich bei einem bekannten Discounter einkaufen. Dort gab es unter anderem Blumen und Kinderartikel im Angebot. Ich bin geschockt, wie viele Menschen sich nach all den Berichten und Infektionen immer noch ignorant und egoistisch verhalten. Abstand: Fehlanzeige. Schutzmasken ebenso. Man hamstert Blumen und wühlt im Wühltisch, so wie immer. Es war so voll, das man nicht mehr mit dem Einkaufswagen durchkam. Für mich war das der Zeitpunkt die Flucht zu ergreifen - ich habe den Rest meines Einkaufes in einem anderen Laden getätigt.

Schade, dass es kein Eingreifen durch das Personal gab - z. B. indem man nur eine begrenzte Anzahl an Personen in den Laden lässt. Wir reden über Lockerungen und Abstandsregeln in weiteren Geschäften und hier interessiert es irgendwie keinen. Schade!

Christine aus Oberbayern

Einige Geschichten stoßen mir als ältere Generation schon sauer auf. Es ist richtig, dass gerade die älteren Menschen mehr Schutz brauchen. Aber nicht nur wegen uns muss die Jugend daheim bleiben. Die Statistik beweist es: auch vor der Jugend macht Corona nicht Halt. Wir beschränken uns auf den Friedhof und aufs Einkaufen. Die Jugend feiert weiter fröhliche Partys, versammelt sich in Gruppen in den Parks. Mittlerweile dürfte allen klar geworden sein, dass jedes Alter schützenswert ist. Auch wir vermissen die Normalität und genießen einen gemeinsamen Spaziergang zu zweit. Wir haben nicht mehr die lange Zeit zur Verfügung wie die Jugend.

Umfrage

Kurt aus Oberbayern

Über das, sagen wir mal, undisziplinierte Verhalten mancher Menschen wundere ich mich nicht. Ich habe meine Jugend noch vor 1945 erlebt, als die Menschen entweder systembedingt oder aufgrund der weniger wohlhabenderen Lage in viele Zwänge hineinwuchsen. Diese empfanden sie aber nicht als Belastung, weil sie ja noch nicht das Leben kannten, das wir in der Demokratie erleben. Umso stärkere Auswirkungen hatten die Bildungsreform und freiere Lebensweise in den Nachkriegsjahren. Den Kindern wurden überhaupt keine Zwänge mehr auferlegt. Sie sollten sich als freie Menschen fühlen. Dass damit auch ein großer Mangel an Disziplin entstanden ist, in dem jede Beschränkung abgelehnt wird, ist die wohl hinzunehmende Ignoranz staatlicher Aufsichtsmaßnahmen.

Die nächsten persönlichen Geschichten werdenam Sonntag, 25. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.548 Todesfälle (Stand: Freitag, 24. April, 15.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Donnerstag, 16. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 3. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Ab Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Ebenso dürfen seit Montag, 20. April, Bau- und Gartenmärkte und ab Montag, 27. April, auch Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls ab 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - in Stadt und Landkreis Rosenheim gilt die Maskenpflicht bereits seit Mittwoch, 22. April. Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/ha

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