So erleben unsere Leser die Coronakrise

Trotz Systemrelevanz: Kind von Krankenpflegern findet keine Notbetreuung

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Jessica aus Schechen

Wir sind eine Familie mit zwei Kindern, in der beide Elternteile in der Pflege arbeiten. Mein Name ist Jessica ich komme aus Schechen und bin vorzeitig aus der Elternzeit raus, um in meiner Klinik mit anzupacken. Vorab dachte ich mir, das mit der Notbetreuung der Kinder wäre kein Problem. Falsch gedacht!


Von unserer Einrichtung gäbe es keine Probleme, sie hätten auch unseren Jüngsten mit aufgenommen, ab September würde er offiziell dahin gehen.

Aber damit sie den Kleinen jetzt mit in die Notbetreuung aufnehmen dürfen, musste das ganze noch mit dem Landratsamt Rosenheim abgeklärt werden.

Das Landratsamt hat es abgelehnt, weil unser Sohn nicht offiziell für dieses Betreuungsjahr angemeldet ist.

Selbst in Krisenzeiten wie diesen werden Menschen in systemrelevanten Berufen Steine in den Weg gelegt. Mein Partner arbeitet mittlerweile in zwölf Stunden Diensten, wir müssen unsere Dienste so legen, dass immer einer bei den Kindern ist. So wird es vermutlich grade vielen Eltern gehen.

Anonym aus Oberbayern

Zu Beginn der Pandemie in Deutschland, als unsere bayerische Gesundheitsministerin alle ehemaligen Pflegekräfte zum Helfen aufrief, meldete ich mich im speziell eingerichteten Pflegepool Bayern als freiwillige Helferin an. 

Am 9. April kam dann der erste Anruf, ein Pflegeheim benötige dringend Hilfe, das meiste Stammpersonal war krankheitsbedingt ausgefallen. Für fünf Tage bräuchten sie Unterstützung und ich sagte natürlich zu. Am nächsten Morgen fing ich an und es stellte sich heraus, dass ich Covid19-Infizierte in Quarantäne versorgen sollte. Es waren zwei Etagen zu betreuen mit nur drei Pflegekräften. 

Viele Verwirrte und schwere Pflegefälle, wovon zwei auch starben in der Zeit. Nach fünf Tagen fragte ich, ob es eine Aufwandsentschädigung gibt, dies wurde verneint. Danach sagte ich, dass ich nur weiter helfen kann, wenn ich bezahlt werde. Daraufhin wurde mir von der Heimleitung gesagt, dass ich ja Kurzarbeitergeld bekomme. Schade, dass hilfsbereite Menschen so sehr ausgenutzt werden.

Nützliche Links zu Corona:

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Markus aus Salzburg

Ich bin gebürtiger Oberösterreicher und lebe in Salzburg, meine Lebensgefährtin ist in Burghausen geboren und wohnt dort. Wir haben grundsätzlich Verständnis für die aktuellen restriktiven Kontrollen an den Grenzen, würden uns allerdings mehr Flexibilität und Verhältnismäßigkeiten wünschen.

Wir kämpfen, wie so viele Menschen in der Grenzregion, aktuell besonders mit der Definition des „triftigen Reisegrunds“.

Österreich hat diesen mittlerweile etwas weiter gefasst und lässt, bei Nachweis entsprechender Dokumente (Reisepass und Meldezettel des jeweiligen Partners/der Partnerin etc.), deutsche Partner und Partnerinnen nun auch wieder nach Österreich einreisen. Konkret bedeutet das, dass meine Partnerin für 48 Stunden mit mir in Österreich Zeit verbringen darf, ohne danach bei der Rückkehr nach Deutschland wieder in Quarantäne zu müssen. Umgekehrt ist das nicht möglich.

Wir werden diese Möglichkeit, die Österreich nun mit der Einreise einräumt, demnächst "testen", aufgrund der Ausgangsbeschränkungen machen wir davon derzeit noch nicht davon Gebrauch.

Besonders schmerzt uns aber die Definition des deutschen Innenministeriums, das unter Familien derzeit im Grunde nur eine sogenannte Kernfamilie definiert und Unverheiratete dazu nicht zählt. Das Unverheirateten-Dasein ist eine sehr gewöhnliche Form vieler Partnerschaften heutzutage. Es wäre wünschenswert, dass diese momentane enge Definition überdacht und korrigiert wird.

Zudem halten wir die "48-Stunden-Regelung" bei der Rückkehr aus Österreich für willkürlich. Eine Aufenthaltsdauer sagt nichts über die Aufenthaltsqualität (Anzahl der Kontakte mit anderen Personen etwa) aus. Ein jeder tagtägliche Pendler, eine jede Pendlerin hat vermutlich im Ausland mehr Kontakte als jemand, der/die nur den/die Partnerin im Ausland besuchen will. Und selbst, wenn meine Partnerin mit negativem (!) Covid-Test nach Deutschland zurückkehren würde, müsste sie, Stand heute, dennoch in Quarantäne.

Ist die Familie die Keimzelle der Gesellschaft, dann sind es binationale Partnerschaften auf europäischer Ebene. Sie verkörpern die häufig zu Worthülsen verkommene europäische Gemeinschaft ganz besonders. Insofern sollte gerade auf dieses "soziale Kapital" der EU, um es ökonomisch auszudrücken, stärker Rücksicht genommen werden.

Jeanette aus dem Kreis Rosenheim

Mein Name ist Jeanette. Ich arbeite eigentlich in München, aktuell bin ich im Homeoffice, muss aber trotzdem ein bis zweimal in der Woche in unser Büro nach München. Ich frage mich, was die Beschränkung soll, wenn sich kaum jemand daran hält und niemand sie kontrolliert? 

Ich bin noch nie von jemandem aufgehalten worden, auch nicht bei meinen Fahrten mit Rosenheimer Kennzeichen in München. Wenn ich auf der Autobahn bin, muss ich mich oft aufregen. Autos aus sämtlichen Landkreisen, bis nach Regensburg, sind unterwegs und das voll besetzt. 

Wo sind hier die verstärken Kontrollen? Wenn man die engste Familie besucht, muss man Angst haben, dass jemand die Polizei ruft, aber auf der Autobahn, wo es öffentlich von Leuten, die gegen die Regeln verstoßen nur so wimmelt, ist niemand da, um das zu unterbinden.

Die Ansätze sind gut gewesen, an der Ausführung scheitert es jedoch extrem.

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Anonym aus Bayern

Ich möchte etwas zur Maskenpflicht sagen. In Bayern und auch in anderen Bundesländern gibt es eine Ausnahme für Asthmapatienten und welche mit anderen gesundheitlichen Einschränkungen. Man würde dafür nur eine Bestätigung vom Arzt brauchen, tja die Ärzte bei uns weigern sich diese auszustellen! Warum gibt es Ausnahmen, wenn man sie am Ende doch nicht bekommt? Es gibt ja diese Ausnahmen nicht ohne Grund, bei mir ist es Asthma und dadurch bekomme ich Luftnot, Panik, Schwindel und Kopfschmerzen! Ich muss jetzt Einkäufe aufs Nötigste beschränken, um schnell wieder aus dem Geschäft zu kommen. Ich finde, wenn es das Recht zur Ausnahme gibt, sollten Ärzte sich auch daran halten müssen!

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Dienstag, 5. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.93 Todesfälle (Stand: Montag, 4. Mai, 8.40 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Dienstag, 28. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 10. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Seit Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jv

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