So erleben unsere Leser die Coronakrise

Weil sie Angst vor Covid-19 hatte: Freund machte mit Risikopatientin Schluss

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Elli aus Oberbayern

Hochschwanger sitze ich mit meiner 6-jährigen Tochter zuhause. Ich selbst bin starke Asthmatikerin, meine Tochter ist an den Bronchien sehr anfällig. Nachdem im Betrieb meines Mannes nun dicht gemacht wird, isolieren wir uns weitestgehend, um kein Risiko einzugehen. In circa fünf Wochen soll dann unser Baby zur Welt kommen. Allerdings frage ich mich Sachen wie: "Darf mein Mann bei der Geburt dann noch dabei sein?" Denn derzeit werden selbst auf der Wochenbettstation Besuche der Väter untersagt. Für sein Baby wünscht man sich definitiv einen schöneren Start ins Leben!


"Hoffentlich zeigen Söders Maßnahmen eine positive Wirkung und Eltern können die ersten Lebenstage ihres Babys gemeinsam und unbeschwert wieder genießen! Danke an all die Helfer, Ärzte und Helden des Alltages, die für uns derzeit so viel leisten!"

Anonym aus Rosenheim

Ich bin Risikopatientin und habe mehrere schwere Vorerkrankungen. Ich bat meinen Freund, welcher sehr gerne und viel unterwegs ist, bitte etwas kürzer zu treten. Dass er nicht Samstagnachmittag in überlaufene Möbelgeschäften rennt oder eine private Veranstaltung nach der anderen mit nimmt. Nicht nur für mich, sondern auch für seine beiden kranken Großmütter und seinen kranken Vater bat ich ihn um Rücksicht. Der Dank war, dass er die Beziehung beendet hat. Er will sich nicht einschränken lassen, sondern sein Leben normal weiterleben. Tja, nun sitzt er in Quarantäne, da er Kontakt mit einem Infizierten hatte.

Anonym aus dem Landkreis Mühldorf

Ich arbeite in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderung im Landkreis Mühldorf. Als Außenwohngruppe versorgen wir uns mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs selbst und werden daher auch schief angeschaut, wenn wir einmal wöchentlich unseren Gruppeneinkauf tätigen. Die Mitarbeiter des Edekas um die Ecke kennen uns, wissen eigentlich, dass diese Einkäufe normal sind. Der akute Klopapiermangel in den Geschäften trifft auch uns, vor allem, seit alle unsere Betreuten nicht mehr zur Arbeit gehen können und den ganzen Tag zuhause in der Gruppe sind. 

Also wollte ich neulich zwei Packungen mitnehmen, einen Tag vorher hatte ich noch mit einer der Verkäuferinnen diesbezüglich gesprochen. Die Marktleitung pampte dann aber sofort los, dass jeder nur eine Packung bekäme und die Verkäuferin genau wisse, dass es nicht ginge. Das Argument, dass die Situation hier eine etwas andere sei (haben zu diesem Zeitpunkt schon fünf Tage vergeblich nach Klopapier gesucht), ließ sie nicht gelten. Eine ältere Dame hinter mir in der Schlange meinte dann nur: "Geben Sie es mir, ich hab keines im Wagen, ich kaufe es für Sie", während andere Kunden noch meinten, ich solle doch einfach einen anderen Laden aufsuchen und dort kaufen. Ich möchte aber nicht in fünf Läden gehen, mich noch fünfmal dem Risiko aussetzen. 

Ich will meine Betreuten schützen und so wenig wie möglich Kontakt zur Außenwelt pflegen. Es ist für sie schwer genug, nichts unternehmen zu können, außer kleine Spaziergänge alleine. Eine Quarantäne wäre der Horror für alle. Mit meinen Eltern haben ich Kontakt über WhatsApp, ebenso zu Freunden. Meine beste Freundin musste ihren Geburtstag alleine verbringen, weil ich mich nicht getraut habe, sie zu besuchen, was sie zwar versteht, aber trotzdem traurig gemacht hat. Ich verstehe die Unvernunft mancher Menschen nicht, es geht doch nicht, ohne Rücksicht auf Verluste seinen eigenen Kopf durchzusetzen, geschweige denn, wie in München, auch noch Polizisten anzugehen und anzuhusten.

Ich selbst habe zudem noch finanzielle Einbußen, da ich meinem Nebenjob im Restaurant auf unbestimmte Zeit nicht mehr nachgehen kann, aber auf das Geld eigentlich angewiesen bin. Für Aushilfen gibt es keine Unterstützung, bleibt nur zu hoffen, dass es unter diesen Umständen einfacher ist, einen anderen Nebenjob auszuüben, bis die Restaurants wieder öffnen dürfen. Ansonsten werd ich über kurz oder lang ein echtes Problem bekommen

Hans-Jürgen aus Oberbayern

Es ist schön, dass die Arbeit von Menschen gewürdigt wird, die täglich ihre Gesundheit für uns riskieren. Trotz allem sollten wir auch unseren "Lenkern des Landes", allen voran Ministerpräsident Dr. Söder und seine Minister, Anerkennung und Achtung zollen. Sie sind es, die alles für Bayern tun, damit wir gut durch diese Krise kommen. Sind wir doch froh, dass es in Bayern so viele verantwortungsvolle Menschen gibt. Deshalb sollten wir alle unseren Beitrag dazu leisten und uns an die vorgegebenen Regeln halten. Die Berge und Seen sind auch nach der Krise noch da. Vielen Dank an alle helfenden Hände in dieser Zeit. Auch Danke nach München an unsere bayrische Regierung.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anonym aus Oberbayern

Ich befinde mich mit meinem Mann und unseren vier Kindern derzeit die zweite Woche in Quarantäne. Wir sind alle an Covid-19 erkrankt, weil mein Mann sich im Büro angesteckt hatte. Wir haben eine schlimme, sorgenvolle Woche hinter uns, da es meinem Mann sehr schlecht ging und auch ich gesundheitlich sehr angeschlagen war. Lediglich die Kinder haben es ganz gut weggesteckt. Belastender als alles andere war aber die Angst! Man sollte sie als Begleiterscheinung der Krankheit nicht unterschätzen.

Dazu kam die Tatsache, dass das zuständige Gesundheitsamt schon zu Beginn der Krise völlig überfordert war und sehr schlecht vorbereitet schien. Als Entschuldigung für zahllose Fehler teilte man uns mit, man habe die Krise nicht kommen sehen. Das macht uns fassungslos. Auch die hausärztliche Betreuung war zunächst nicht vorhanden, erst nach Tagen - in denen wir aufgrund des sich zunehmend verschlechternden Gesundheitszustandes meines Mannes durch unsere persönliche Hölle gingen, völlig alleingelassen - klappte dann zumindest eine telefonische Beratung und Begleitung. Hausbesuche sind aufgrund fehlender Schutzausrüstung nicht möglich.

Inzwischen sind die Kinder wieder gesund und wir Eltern langsam auf dem Weg der Genesung. Bei meinem Mann wird es aber wohl noch Wochen dauern, bis er sich erholt hat. Groß dagegen war die Anteilnahme und Unterstützung hier im Dorf, das hat uns sprachlos gemacht und wir empfinden große Dankbarkeit. So viele nette Worte, gute Taten und helfende Hände von allen Seiten! Es hat uns zutiefst berührt!

Julian aus Freilassing

Quarantäne, Toilettenpapier, Infektionszahlen, Ausgangsbeschränkungen, Corona-Tote und Hamsterkäufe. Diese Themen bestimmen derzeit die mediale Berichterstattung in unserem Land. Was jedoch fehlt, ist ein Fahrplan für die Zukunft. Wie soll es mittelfristig weitergehen? Wir werden noch lange in einer Welt leben, in der es das neuartige Coronavirus gibt, eine Heilung durch Medikamente oder Vorsorge durch Impfung aber nicht möglich ist. 

Ich arbeite in einem Betrieb mit ca. 2500 Mitarbeitern. Selbstverständlich sind Kollegen bereits positiv getestet worden, Gott sei Dank gibt es bisher keine schweren Krankheitsverläufe. Deshalb arbeiten bei uns alle Mitarbeiter, soweit möglich, im Homeoffice. In vielen Abteilungen ist das jedoch nicht umsetzbar. Hier werden bei einem einzelnen Verdachtsfall ganze Teams nach Hause geschickt. Soll das so weitergehen, bis ein wirksames Medikament gefunden und getestet wurde? Wann das der Fall sein wird ist nicht absehbar. 

Bedeuten würde das, dass die extremen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Einschränkungen noch bis 2021 aufrechterhalten werden müssten. Das ist schlichtweg nicht möglich. Die Frage die sich mir stellt ist die, ob es nicht Sinn macht, die Risikogruppe zu isolieren. Selbstverständlich müssen wir jungen Leute uns dann solidarisch zeigen und unterstützen, wo es nur geht. Selbst dann sind die Auswirkungen auf die Gesellschaft noch massiv. Allerdings brauchen wir eine tragfähige Lösung für die nahe Zukunft.

Anonym aus Bernau am Chiemsee

Ich bin eine Mutter aus Bernau und gehöre selbst zur Risikogruppe. Trotzdem bin ich weiterhin berufstätig. Ich habe schon mehrmals um Hilfe gebeten, zum Beispiel bei zwei kleinen Einkäufen. Meine Tochter geht auch ab und zu für mich einkaufen, allerdings geht das nicht immer, da sie selbst berufstätig ist. Zudem kommen auch schwierige finanzielle Sorgen. Diese schweißen uns als Familie zwar zusammen, aber trotzdem wissen wir nicht, wie es weitergeht. 

Wenn ich andere Personen um Hilfe bitte, da wir kein Auto haben, heißt es oft nur, dass doch meine Tochter gehen könne und ich mit meiner Erkrankung eh nicht zur Risikogruppe gehöre. Auch auf die Tafel bin ich angewiesen. Doch meist muss ich an den Tagen, an denen die Ausgabe stattfindet, arbeiten. Andere Personen dürfen mir leider nichts von der Tafel mitbringen. Das finde ich überhaupt nicht gut. Aber nichts desto trotz, geht es immer irgendwie weiter. 

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Mittwoch, 1. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 162 Todesfälle (Stand: Dienstag, 31. März, 14.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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