So erleben unsere Leser die Coronakrise

Reichen Abstand und Hygiene aus? - "Wir sollten mal langsam von der Panik und Angst in der Gesellschaft wegkommen"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Ivonne aus Töging am Inn

Was mich persönlich am meisten stört oder beunruhigt, ist die Zukunft der kleinen Einzelhändler und der Gastronomen und Hotels bzw. derer, die vom Tourismus abhängig sind. Nicht nur, dass hier etliche Arbeitsplätze betroffen sind, sondern auch dass unsere Stadtzentren langsam, spätestens bis Ende des Jahres, wieder mit mehreren Leerständen zu kämpfen haben werden. 


All die kleine Betriebe, die sich halt so über Wasser halten konnten und nicht in der Lage sind, tausende von Euros für Rücklagen zu sparen. Betriebe, die in deutlich kürzeren Zeiten ihren Jahresumsatz generieren müssen (z. B. Eisdielen, Schiffsfähren am Chiemsee usw.). Reich wird in diesen Branchen schon lange keiner mehr. Und Kredithilfen sind hier nutzlos, wenn nicht klar ist ob diese überhaupt heuer noch Einnahmen generieren können. Wovon soll der Kredit dann zurück bezahlt werden. All diese Betriebe, die unsere Gemeinden und Städte abwechslungsreich und interessant machen! All diese Unternehmen, die mehr Herzblut als Geld haben. 

Zudem kann ich Herrn Söders "Extra-Gang" ja verstehen, (Nähe zu Österreich und Italien) doch die Geduld der Menschen ist am Ende! Ständig diese Extraregelungen machen alle mürbe und schaden nur noch immens unserem Mittelstand! Wir müssen endlich lernen MIT Corona im Alltag zu leben! Alt und Jung!

Nützliche Links zu Corona:

Anika aus Rosenheim

Was mir in diesen Tagen auffällt, ist die Spaltung der Gesellschaft. Kinder werden als "Virenschleudern" degradiert und können ruhig "mehrere Monate weggesperrt werden". Da gibt es Aufschreie, dass man "die Alten und Risikopatienten" nicht wegsperren kann und darf (ich bin auch Risiko und sechs weitere Familienmitglieder) und bei den Kindern gibt es keine Lobby. Die Eltern sind gerade so überfordert durch Homeschooling und wegfallende Betreuung, dass sie keine Zeit und Kraft mehr haben, sich lautstark zu beschweren. Zudem ist die Politik komplett auf Angst ausgelegt. Eine vernünftige Hygiene und Abstand sollten reichen, um das Problem verträglich in den Griff zu bekommen. Es ist nun mal da und wird uns noch mindestens drei Jahre erhalten bleiben. 

Alle, die Hoffnungen auf Impfstoffe und Medikamente setzen, sollten bedenken, dass diese Dinge auf der gesamten Welt gefragt sind und selbst wenn es "nur" für Deutschland benötigt wird, sind es immer noch 83 Millionen abzüglich der Genesenen... Wir sollten mal langsam von der Panik und Angst in der Gesellschaft wegkommen. Dass keine Konzerte und Grossveranstaltungen stattfinden, OK. Uns hat es dieses Jahr auch mit etlichen Feiern/Veranstaltungen getroffen. Aber das andere Leben darf ohne Vorwürfe und Anfeindungen weitergehen. Immerhin gibt es durch die Einschränkungen auch Todesfälle durch gescheiterte Existenzen. Das Virus hat Beachtung verdient aber nicht im übertriebenen Maße, wie das im Moment überall der Fall ist. Und ja, die Zahlen werden logischerweise bei Lockerungen steigen.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Maria aus Traunstein

Am Mittwochabend, den 15. April haben wir sehnsüchtig auf das Ergebnis der Verhandlungen in Berlin gewartet. Ja, wir dürfen am Montag, 20. April, nach vier Wochen unseren Laden wieder öffnen- das fühlte sich wie ein Feiertag an. Die ganze Nacht ist der Kopf aktiv: Was brauchen wir noch? Was sollten wir noch erledigen, um die Sicherheit von Mitarbeitern und Kunden beim Kontakt zu sichern? Masken ist das Stichwort, am nächsten Morgen also los zum Lebensmittelladen, um noch Gummibänder zu besorgen. Gleich beim Eingang in der Obstabteilung stapeln sich die Verkäuferinnen und ältere Kundinnen auf einen Fleck – alle ohne Masken. Von Abständen hat anscheinend noch niemand etwas mitbekommen, das gibt’s doch nicht! Mit Kopfschütteln weiter zu den Gummibändern - leider ausverkauft. Nach vier Wochen Schockstare kommt das Blut wieder in Wallung, in der Hoffnung von den 24 Jahren Selbstständigkeit, doch noch, von den angenommenen sicheren Arbeitsplätze für unsere 12 Mitarbeiter, alle retten zu können - zaghafte Vorfreude macht sich breit.

Am 16. März wurden uns die Füße vom Boden gerissen. Da arbeitet man jahrelang für eine Überzeugung und Leidenschaft, geht mit den Mitarbeiter durch dick und dünn, und dann wird dir von einen Tag auf den anderen der Laden dichtgemacht- und wir hatten Angst vor Amazon, Ebay und Abmahnrechtsanwälte - an Herrn Söder hat keiner gedacht. Ob das richtig oder falsch ist, will oder kann ich nicht diskutieren, es ist gesetzt.

Einen Monat später: Donnerstagmittag, 16. April, 13.03 Uhr, Herr Söder spricht – der kocht natürlich wieder seine eigene Suppe. Für was gab es am Vortag in Berlin ein stundenlanges Gespräch mit allen "wichtigen Personen"? Vorbei mit der Hoffnung, am Montag unseren Laden wieder zu öffnen. Wieder dieses Herzrasen, Übelkeit, Durchfall und Verstopfung zugleich, der Körper rebelliert gegen die Belastung und Stress. Ich fühle mich echt fertig. Komplett ausgelaugt.

Viele glauben wir werden vom Staat gütig unterstützt, wir brauchen uns keine Sorgen zu machen. Herr Söder hat schon so viele Hilfspakete gestartet. Nur wo sind diese? Von der zu "versteuernden" Soforthilfe ist nichts zu sehen. Stundungen und Kredite - mit was zahle ich die zurück? Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter, 60% vom Netto - super Aussichten. Mit was zahlen wir die Ladenmiete geschweige unseren Privatbedarf? Aber ja, stimmt doch, es gibt ein unternehmerisches Risiko - ich frage mich nur, welchen Fehler wir gemacht haben?

Fortlaufend betont Frau Merkel, wir machen das aus Solidarität für die Schwächeren - das ist auch in Ordnung. Es sind natürlich immer schwerwiegende Entscheidungen, aber wenn ich das Verhalten von so manchen "Schwächeren" beobachte frage ich mich, wo ist die Solidarität, das Mitgefühl und die Achtung von einigen dieser Personen uns gegenüber?

Montag, 20. April: Bau- und Gartenmärkte durften schon öffnen. Vor 8:00 Uhr sammeln sich schon die ersten Kunden vor den Märkten. Man merkt den ganzen Tag, es fahren wieder viel mehr Autos. Ich hoffen nur die Menschen können sich im Eifer einigermaßen beherrschen.

Das Beste zum Schluß: Ein herzliches Dankeschön an alle Kunden und Freunde, die sich auch in dieser schweren Zeit die Mühen machen, um bei uns Waren bestellen, Gutscheine kaufen, Hilfen anbieten und aufmunternde Worte mitgeben. Es berührt unser Herz und gibt uns und unseren Mitarbeitern ein wenig Kraft und Hoffnung.

Anonym aus Oberbayern

Ich bin in der Altenpflege tätig. Leider ist es immer noch sehr problematisch und schwierig, an ausreichend Schutzmasken und Schutzkleidung sowie Desinfektionsmittel zu kommen. Unsere Hausleitung ist ständig auf der Suche. Leider wird es in den Medien so dargestellt, dass es inzwischen genügend Schutzkleidung und Desinfektionsmittel gibt. Außerdem steigen die Preise dafür in das unermessliche. 

Auf der anderen Seite gibt es in Bayern seit Montag eine Maskenpflicht beim Einkaufen. Ich frage mich, wo diese Masken alle herkommen sollen. Selbstgenähte Stoffmasken bringen kaum einen Schutz. Es ist an der Zeit, dass die Regierung sich endlich mal darum kümmert, dass ausreichend Schutzmaterial zur Verfügung gestellt wird. Meiner Meinung nach, ist die Regierung mit der aktuellen Situation völlig überfordert. Wenn man die Maskenpflicht fordert, müssen auch genügend für jeden einzelnen Bürger zur Verfügung gestellt werden.

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Birgit aus Bayern

Ganz ehrlich, ich verstehe das alles nicht mehr! Schulen, Kirchen etc. dürfen alle aufmachen! Habe einen Kiosk am Badesee- leider! Innerhalb von fünf Monaten muss ich das Geld für den Winter erwirtschaften! Kann ich nicht! Aber wenn ich irgendwo Hilfe beantragen möchte, dann ist keiner da, nicht mal online! Jedesmal wenn ich meine Daten eingeben will...? Danke Herr Ministerpräsident und meine Soforthilfe griag i wahrscheinlich, wenn ich verhungert bin!!!!

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Mittwoch, 29. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.708 Todesfälle (Stand: Dienstag, 28. April, 13.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Dienstag, 28. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 10. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Seit Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Seit Montag, 27. April dürfen Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls seit 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. Ebenfalls ab 4. Mai sind in Bayern Gottesdienste und Demonstrationen unter strengen Auflagen wieder erlaubt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/fn

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