So erleben unsere Leser die Coronakrise

Eine "Brunnen-Schlange" sowie eine "Schlange" vor dem Wertstoffhof - und welche davon Freude macht

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie hat auch Bayern fest im Griff. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Monika aus Oberbayern

Am Dienstag war mal wieder Pressekonferenz mit dem Söder und der Huml. Eigentlich hab ich gedacht, dass sich auch für uns was tut. Ich arbeite in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Leider ist diese seit dem 17. März geschlossen für uns. Nur das Personal arbeitet noch in den wichtigen Abteilungen, die aufrecht erhalten werden müssen. Somit sitz ich seit diesem Zeitpunkt zu Hause und warte darauf, dass ich wieder arbeiten gehen kann. Ich bin nicht die Einzige, der die Decke auf den Kopf fällt. 


Die Schulen werden so nach und nach hochgefahren, was ich ja nicht schlecht finde. Die Gastronomie wird auch demnächst wieder langsam geöffnet. Aber von uns ist weiterhin keine Rede in der Pressekonferenz und wir schauen deshalb weiterhin dumm in die Röhre. Es wäre mal ganz nett, wenn auch wir wieder arbeiten könnten und auch in den Pressekonferenzen erwähnt werden würden, damit wir auch mal erfahren, wie es für uns weiter geht. Nichtsdestotrotz: Bleibt alle gesund.

Ramona aus Fridolfing

Es ist eine tolle Idee und ein Spaß für Groß und Klein: Die "Brunnen-Schlange" am Dorfplatz. Ein Fridolfinger Paar hat sich zusammen mit ihren Kindern diese witzige Aktion ausgedacht - Und ganz viele haben bereits mitgemacht! Am Fridolfinger Dorfbrunnen haben die "Initiatoren" einen auf Stein gemalten Kopf einer Schlange abgelegt und gleich einige weitere bemalte Steine hinten drangesetzt. Zudem wurde am Brunnen ein Aufruf an alle Eltern und Kinder angebracht, der alle Interessierten dazu animiert, gerne weitere bunt bemalte Steine dazuzulegen. 

Der heilige Rupertus hält sich ebenfalls strickt an die Corona-Regeln.

Mittlerweile hat die Schlange das Sims des Brunnens fast umrundet. Zu sehen sind wunderschöne Motive wie Engel, Käfer, Regenbogen und vieles mehr. Ein großer oder kleiner Scherzkeks (man weiß es nicht genau) hat zudem den Heiligen Rupertus, der den Brunnen in der Dorfmitte ziert, mit einem Corona-Gesichtsschutz verkleidet. Wir finden: Das ist eine echt witzige Idee. Und in dieser Zeit ist es doch schön, wenn man auch mal über etwas lachen kann!

Nützliche Links zu Corona:

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anonym aus Waldkraiburg

Ich wohne in Waldkraiburg und arbeite als Verkäufer. Im Beruf verstehe ich nicht, warum die Menschen einfach immer noch nicht begreifen, dass man den Abstand einhalten soll. Wenn man als Verkäufer Waren in die Hand nimmt, um etwas nachzuschauen, meint der Kunde, er müsste seinen Kopf genau in die Hand stecken. Beim normalen Gespräch wird maximal 1 m Abstand gehalten, selbst wenn man ein bis zwei Schritte zurückgeht, kommen die Kunden hinterher. Der Abstand, so wie er sein soll, wird vielleicht von jedem zehnten eingehalten. Das mit den Masken ist auch suboptimal, da viele selbst genähte Masken einen schlechten Gummi haben und viele Personen mit der Maske unter der Nase rumlaufen oder das auch grundsätzlich machen, weil sie sonst nichts sehen wegen der Brille. Manche Kunden ziehen dafür sogar die Maske ganz unters Kinn und wenn man dann etwas zum Kunden sagt, wird man noch angemault. Wieder andere Kunden ziehen einfach irgendwelche Masken an, die überhaupt nichts mit Atemschutz zu tun haben.

Privat erlebe ich auch sehr viel negatives. Gerade bei Personen im Rentenalter gibt es nur zwei Extreme. Entweder halten die Leute so viel Abstand, dass sie schon bei 10 Metern die Straße wechseln und noch nicht einmal grüßen können oder sie stehen zu dritt oder viert mit weniger als 50 cm Abstand zusammen. Solche Ausschreitungen machen einen wütend und traurig zugleich. 

Kurt aus Truchtlaching

Coronazeit. Zusammenhalten? Freundlichkeit? So läuft es zurzeit in Truchtlaching am Wertstoffhof. Samstagvormittag, 2. Mai: Lange Autoschlangen stehen vor dem Wertstoffhof in Truchtlaching. Jeder stellt sich hinten an und man wartet geduldig bis man an der Reihe ist. Die Autos stehen schon auf der Durchgangsstraße, die zweite Reihe am Kindergarten vorbei, bis zum Feuerwehrhaus. Auch zu Fuß, mit beladenem Schubkarren, stehen sie in der Schlange. 

Jeder wartet geduldig und hält natürlich auch den geforderten Abstand ein. Die Zeit vergeht und 12 Uhr rückt näher. Die Autoschlange besteht nur noch aus drei Autos - gleich geschafft, denkt man. Naja, jetzt ist es ja auch schon 12.03 Uhr, also drei Minuten nach Ende der Öffnungszeit. Doch weit gefehlt, ein Mitarbeiter schließt das Eingangstor und lässt die letzten drei Mitbürger ihre Wertstoffe nicht mehr entsorgen!

Wie weit ist es mit der Solidarität und Hilfsbereitschaft in Truchtlaching am Wertstoffhof gekommen? In einer Zeit, wo jeder Rücksicht nehmen sollte, ist man am Wertstoffhof nicht bereit zehn Minuten seiner Zeit zu opfern? Bei allem Verständnis, dass jeder seine Arbeitszeit einhalten möchte, aber soweit sollte die Solidarität in einem Dorf wie Truchtlaching reichen. Traurig, wenn jeder so handeln würde! Ich denke nicht, dass eine Krankenschwester im Krankenhaus so handeln würde und viele, viele weitere im Dienstleistungsgewerbe!

Umfrage

Susanne aus Bayern

Als Mutter eines acht Monate alten Babys wird man diskriminiert und behandelt wie ne Aussätzige. Bei einem Discounter wurde mir von einer Kassiererin gesagt, dass ich mit Kinderwagen/Buggy dort nicht mehr einkaufen könne, ich muss einen Einkaufswagen nehmen. Als ich der Dame erklärte, dass mein Sohn aber noch nicht im Einkaufswagen sitzen könne, meinte sie, es wäre eh viel besser wen ich ihn zuhause lassen würde. 

Daraufhin sagte ich, ich habe aber keinen, der auf ihn mal ne halbe Stunde aufpassen kann. Die Dame sagte dann nur sehr, sehr unfreundlich: "Ohne Einkaufswagen können Sie nicht mehr hier einkaufen". Entweder gilt diese Regel für alle Kunden, auch für Alte, oder man lässt es.

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Samstag, 9. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 2.114 Todesfälle (Stand: Freitag, 8. Mai, 10.40 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle

Seit Mittwoch, 6. Mai, gilt in Bayern eine Kontaktbeschränkung. Das heißt, man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen. Zudem sind Treffen von Familien (Eltern, Großeltern, Enkel) wieder erlaubt. Seit Freitag, 8. Mai, gibt es eine weitere Lockerung der Corona-Regeln. So sind nun auch wieder Treffen von Angehörigen zweier verschiedener Haushalte möglich - und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum.

Ab Montag, 11. Mai, dürfen wieder große Kauf- und Möbelhäuser sowie Shopping-Malls vollständig öffnen. Die Maskenpflicht besteht aber weiterhin. Ab Montag, 18. Mai, können dann auch Biergärten bis 20 Uhr und ab Montag, 25. Mai, auch wieder Speiselokale aufsperren (bis 22 Uhr) - allerdings unter sehr strengen Hygienekonzepten. 

Regeln am dem 11. Mai

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/si

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