So erleben unsere Leser die Coronakrise

Bad Reichenhaller: "Macht nicht nur die Alten für die bestehenden Einschränkungen verantwortlich"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus dem Landkreis Rosenheim

Mich stört an einigen Berichten von anderen Lesern, die irrsinnige Meinung, dass sich die Jungen wegen der Alten einschränken müssen. Hier ein paar Richtigstellungen dieser Mythen.


1. Die Alten sind keine besonders kritische Gruppe, was die Verbreitung der Infektion betrifft. Die größeren Verbreiter der Infektion sind feierwütige Junge gewesen, siehe Ischgl, Bierfeste, Maibaum-Vorbereitungen usw. Restriktionen sind dazu da, die ungehemmte Verbreitung zu minimieren. Und wenn es weniger Infektionen gibt, wird auch unser Gesundheitssystem nicht überlastet. 

2. Alter für sich ist kein Risikofaktor. Covid19 ist besonders gefährlich für Menschen mit Grunderkrankungen. Ein 29-jähriger Asthmatiker oder ein 45-jähriger Diabetiker sind mehr gefährdet als ein 69-jähriger fitter Rentner. Zwar sterben mehr sehr alte Menschen an bzw. mit Corona, aber die Intensivstationen und Beatmungsplätze sind auch voll mit jungen Personen unter 65 Jahren. 

3. An die Kontaktbegrenzungen halten sich Junge genauso viel oder wenig wie Alte. Da finden großfamiliäre Feiern zum 25. Geburtstag statt, am Rohbau treffen sich samstags die jungen schwarzarbeitenden Freunde zum Grillfest und am Innufer treffen sich die Jugendclans zum Knutschen.

4. Geht man zum Einkaufen, sieht man eher Ältere mit "Community-Masken" als Junge. Für die ist es wohl (noch) nicht chic genug.

Also: Die Jungen sollten erst mal vor der eigenen Haustür kehren und sich immer daran erinnern, dass immer dann, wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, vier Finger auf einen selbst zurück zeigen.

Nützliche Links zu Corona:

Dieter aus dem Berchtesgadener Land

Die/der Schreiber/in der Erfahrung in dem Artikel vom Donnerstag, 16. April, meint also, dass nur die Kinder und Jugendlichen derzeit "brutale Einschränkungen" und Verzicht in Kauf nehmen müssen, nur um die älteren Personen zu schützen.

Hierzu möchte ich anmerken: Nicht nur die Kinder und Jugendlichen haben derzeit mit den bekannten Einschränkungen zu leben. Das trifft auf alle Altersschichten zu. Dass dies in der Tat nicht angenehm ist, erklärt sich von selbst. Aber zu behaupten, dass diese Einschränkungen lediglich deshalb angeordnet sind, um die älteren Menschen zu schützen, ist schlicht falsch. Vielmehr geht es hierbei doch darum, uns alle zu schützen.

Wenn sich einige Menschen nicht exakt an die Vorgaben halten, ist das richtigerweise nicht in Ordnung, aber das ist nicht nur auf die älteren oder die "Rentner" allein zutreffend. Hier mein persönliches Erlebnis: Meine Frau und ich haben am Donnerstagabend, nach einem langen Arbeitstag im "Homeoffice", als Ausgleich eine kleine Radltour unternommen. Auf dem Weg nach Hause kamen uns auf dem etwas schmalen Rad- und Fußweg eine Gruppe Jugendlicher (acht bis neun Personen) im "Fridays for Future"-Alter, sitzend, rauchend, trinkend und wer weiß noch was alles unter. Teilweise mitten auf dem Weg, dicht an dicht gedrängt. Auf unseren freundlichen Hinweis: "Das was ihr hier macht, geht aber gar nicht!", waren die Reaktionen nur blöde Sprüche und Beschimpfungen.

Ich selbst bin im 62. Lebensjahr und gehöre bald auch zur älteren Generation, oder ab wann ist man das denn? Jedenfalls finde ich es traurig, dass hier wieder einmal versucht wird, eine Altersgruppe für fast alles verantwortlich zu machen.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anneliese aus Oberbayern

Jetzt gibt es die Kontaktsperre schon seit fast vier Wochen und sie wird noch bis zum 3. Mai andauern. Eigentlich sollten sich vernünftige Bürger schon darauf eingestellt haben - meint man. Wir wohnen in einem kleinen Dorf und ich muss jeden Tag feststellen, dass einige Nachbarn so weiter leben wie wenn nichts wäre. Da kommt die Oma jeden Tag und nicht nur die. 

Da setzen sich Nachbarn zum Essen zusammen, da kommt plötzlich ein ehemaliger Nachbar angefahren, der schon lange nicht mehr hier wohnt und fährt mit seinem Auto jeden Tag spazieren. Dauernd hört und liest man, wie streng in Städten kontrolliert wird aber in den Dörfern haben offenbar die Unvernünftigen Narrenfreiheit, denn man denunziert doch seine Nachbarn nicht. Aber man ärgert sich drüber! Es geht schließlich um unsere Gesundheit!

Christine aus Oberaudorf

Den vielen Kritiken hinsichtlich der Sorglosigkeit, besonders der älteren Menschen, kann ich nur zustimmen. Letztens war ich wiederum geschockt, dass im ganzen Einkaufsmarkt nicht eine einzige Gesichtsmaske, außer meiner, zu sehen war. Abstand halten? Fehlanzeige. Man schiebt die Wägen sorglos suchend durch die engen Gänge. 

Auf meine Frage, ob hier die Coronakrise schon beendet sei, erhielt ich nur fragende Blicke. Junge Mütter mit ihren Kleinkindern treffen sich unbekümmert und tauschen sich aus. Dass sich viele Münchner trotz Verbot in unserer Gemeinde in ihren Ferienwohnungen und -häusern schnell noch eingenistet haben, um ihre sogenannte Quarantäne abzuhalten, finde ich auch etwas befremdend. Aber wer kontrolliert hier schon? Der Egoismus der Menschen bleibt unübertroffen.

Gerhard aus Bad Reichenhall 

Die jungen Leute, die die ältere Generation (Rentner) wegen der Maßnahmen gegen das Coronavirus angreifen, sollten sich mal die Statistik der Infektionsfälle im Landkreis BGL vom Donnerstag, 16. April, ansehen. Demnach gibt es in der Altersgruppe 19 bis 65 Jahre (Berufstätige) insgesamt 141 Infektionsfälle. In der Altersgruppe über 65 Jahre (Rentner) sind es 73. Bevor man die ältere Generation sozusagen zum Sündenbock für die notwendigen Beschränkungen macht, sollte man sich auch unter den Berufstätigen mal umschauen, wie da die Abstandsregelungen eingehalten werden. 

Mir ist es beispielsweise in einem Supermarkt in Bad Reichenhall passiert, dass eine Kundin entlang der Warteschlange an der Kasse von einer jungen Kassenkraft zurückgeschickt wurde, nur weil die Kundin etwas vergessen hatte. Nachdem die Kundin sich an mir mit Körperkontakt vorbeigezwängt hat, bekam ich zur Antwort, nachdem ich sie darauf ansprach: "Schon wieder so ein Hysteriker!". Also ihr jungen Leute, macht nicht nur die Alten für die bestehenden Einschränkungen verantwortlich.

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Samstag, 18. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.1164 Todesfälle (Stand: Freitag, 17. April, 14.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Donnerstag, 16. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 3. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Ab Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Ebenso dürfen ab Montag, 20. April, Bau- und Gartenmärkte und ab Montag, 27. April, auch Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls am 27. April, werden die Abschlussklassen in Bayern, also die Prüfungsjahrgänge, den Schulbetrieb wieder aufnehmen. Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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