So erleben unsere Leser die Coronakrise

Ärger über Gedränge in Discounter: "Nur kein Angebot verpassen"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus Ebersberg

In Zeiten wie diesen zeigt sich – vor allem nach dem doch schon längeren Zeitraum der Entbehrlichkeit – der schlummernde Egoismus von einigen Individuen. Die Maßnahmen, die getroffen worden sind haben den Sinn und Zweck, uns alle zu schützen. Das macht nur Sinn, wenn die Gesamtheit der Bevölkerung diesen Entbehrlichkeiten entgegen sieht und sich auch dementsprechend benimmt; also an die Regeln hält.


Es wundert mich immer wieder, wie ignorant einige Menschen sein können. Die pfeifen gelinde gesagt auf die Regeln, ansonsten wären ja nicht permanent fremde Leute zum Kaffeetrinken im Garten und auf Besuch. Es ist auch verwunderlich, wie viele Menschen in einer Wohnung wohnen, die man vor Corona noch gar nicht gesehen hat. Unverständlich ist es, dass auch die Leute, die sich an die Regeln halten – so gut es geht natürlich – für blöd verkauft werden. Hinter einem gekippten Sonnenschirm eine Party zu feiern, hinter Büschen sich zum Trinken in größeren Gruppen zu treffen, Fliesenlegen in einer Privatwohnung, uvm.

Das ist ein Faustschlag in das Gesicht derer, die alles dafür geben um in Zeiten wie diesen den "Laden am Laufen zu halten". Die Ignoranten der Regeln sind jedoch diese, die beim Schreien ganz vorne stehen. Und das Schlimmste ist, dass es ihnen egal ist, denn nur sie sind sich selber wichtig. Einsicht und Zusammenhalt kennen die nicht.

Aber was die vergessen: Die Regierung kann auch anders. Anstatt zu lockern, könnten die die Regeln zum Schutz der Bevölkerung verschärfen – was den ignoranten Individuen egal zu sein scheint. Schon mal darüber nachgedacht, dass durch vielseitig ignorantes Verhalten auch die anderen Länder die Kontrollen anziehen – Quarantäne bei der Einreise als Beispiel. Und dass Bürger ihre Kinder nicht sehen können, da sie nicht über die Grenze kommen. All das ist diesem Personenkreis egal. Denn nur sie sind sich selber wichtig.

Egoismus und Ignoranz, das zeichnet diese Menschen aus. Ich hoffe sehr, dass sich die Mehrheit der Leute diese Menschen merkt und ihr Verhalten nach Corona entsprechend anpasst. Diese gesellschaftsunfähigen Individuen sollten nach Corona so behandelt werden, wie sie sich während Corona benehmen – mit Ignoranz!

Isabell aus Oberbayern

Nützliche Links zu Corona:

Donnerstag, 7.50 Uhr bei einem Discounter: 40 Leute stehen Schlange wegen den Angeboten, zwei davon mit Mundschutz! Das waren junge Frauen - der Rest (ältere Herrschaften) natürlich ohne. 8 Uhr: Der Discounter öffnet die Tür. Und da vergessen alle das Virus und drängen und stürmen ins Geschäft. Nur kein Angebot verpassen. Da wird in den Regalen gehangen, die Gänge blockiert und definitiv kein Mindestabstand mehr gewährt. Aber jeder ist sich ja bekanntlich selbst der Nächste. Sowas habe ich noch nie erlebt!

Da fragt man sich, warum alle anderen Läden zu haben müssen - damit dann alle zu den Angeboten in die Discounter rennen. Manieren und Abstand haben hier fast alle vergessen. Wo ist die Polizei? Warum prüft hier niemand? Ich äußere auch Kritik an den Marktleiter. Warum wird hier nicht geregelt, nur kleine Mengen Leute ins Geschäft zu lassen? Hauptsache der Umsatz passt!

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Christine aus Oberaudorf

Es schlägt dem Fass den Boden durch: Wiederum war ich vor ein paar Tagen die Einzige mit Mundschutz im Geschäft. Natürlich hält keiner Abstand, stattdessen rennen alle egoistisch von Regal zu Regal. Manche wissen gar nicht, was sie wollen. Auf meine Frage, ob den hier schon alles vorbei sei oder niemand wisse, was los sei, antwortete die Frau an der Kasse: "Es ist noch nicht Pflicht! Wenn es Pflicht wird, dann tragen wir schon Mundschutz." 

Da fällt mir über so viel Dummheit und Ignoranz nichts mehr ein. Ich bin entsetzt und ärgere mich den ganzen Tag, dass ich in diesen Laden gegangen bin. Der Mensch braucht und liebt Gesetze und Gebote, von gesundem Hausverstand ist nichts vorhanden. O Herr, lass Hirn vom Himmel fallen!

Anja aus Oberbayern

Ich bin zwiegespalten, was den ganzen Lobgesang an unsere Ärzte, Pfleger, Verkäufer betrifft. Auf der einen Seite machen sie ja "nur" ihren Job, der bis Corona nie gewürdigt wurde, andererseits momentan unter krassen Bedingungen! Ist ja super, dass diese Menschen endlich mal geschätzt werden. Aber: Denkt eigentlich mal jemand an die Menschen, die in der Lebensmittelproduktion zur Zeit unter extremen Bedingungen dafür sorgen, dass jeder von Euch was zum Essen kriegt?

Ich arbeite seit Jahren in einem Milchwerk als Reinigungskraft und komme auch ohne Corona tagtäglich mit ausländischen Lkw-Fahrern in Kontakt, weil es nicht anders geht. Seit Corona trage ich eine Atemschutzmaske, die ich mir selbst besorgen musste, und habe COPD (nur sehr leicht, wird immer besser, weil ich was mache dagegen). Wir alle kommen jeden Tag mit tausenden Bakterien in Verbindung. Da sagt keiner was! Zu meinen anderen Mädels von der Vormittagsschicht sage ich: "Hey, wir sind schon immun gegen alles" - nur um ihnen die Angst zu nehmen und ihnen Mut zu machen, so wie es mein Mann bei mir macht, wenn mich wieder die Corona-Panik packt! Er sagt dann: "Wir schaffen das." Also: "Haltet durch, liebe Reinigungskräfte."

Umfrage

Frank aus Gstadt am Chiemsee

Leider sind in den letzten Tagen weiterhin viele Sonnenanbeter auf den Liegewiesen in Gstadt/Gollenshausen anzutreffen gewesen. Massenansammlungen, als wenn nichts wäre. Keine Polizei oder dergleichen kontrolliert. Bayern braucht sich über die hohe Anzahl der Infizierten nicht wundern. Trotz einer großartigen Regierung und der großen Anzahl von sogenannten "Alltagshelden". Schade eigentlich. 

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Donnerstag, 23. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.443 Todesfälle (Stand: Mittwoch, 22. April, 14.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Donnerstag, 16. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 3. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Ab Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Ebenso dürfen seit Montag, 20. April, Bau- und Gartenmärkte und ab Montag, 27. April, auch Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls ab 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - in Stadt und Landkreis Rosenheim gilt die Maskenpflicht bereits seit Mittwoch, 22. April. Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. 

Video Maskenpflicht

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/fn

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