Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Corona in Bayern: Ignorante Rentner, Proben für die Liebe und Wunsch nach Wasserwerfern

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Martin aus Österreich

Mir geht es genauso wie den Menschen, deren Partner in einem anderen Land wohnt. Denn meine große Liebe ist in Deutschland beheimatet und ich wohne in Österreich. Nach vier Jahren voller Hochs und Tiefs waren wir uns jetzt endlich einig. Und jetzt kommt Corona und stellt uns vor die nächste Probe. Warum lässt man Liebende in dieser schweren Zeit nicht zueinander?


Doris aus Bad Aibling 

Wir sollen derzeit nicht mehr rausgehen! Herr Söder hat diese Entscheidung sicherlich nicht leichtfertig getroffen. Und nun gibt es Leute, die als Erstes sagen: "Ja, aber spazieren gehen, darf man noch!" Meist sagen es die, die eh nie spazieren gehen. Es gibt tatsächlich Menschen hier, die meinen, sie hätten Sonderrechte. Ein mir bekannter Akademiker, der fast 70 Jahre alt ist, geht noch immer mittags zu seiner Schwester zum Essen - wohlgemerkt leben sie nicht in einem Haushalt. Ja was soll das denn? Uns fehlt ja nichts! Es müsste doch jetzt auch der Dümmste verstanden haben, dass das alles kein Witz mehr ist. Dieser studierte Mensch hat wahrscheinlich noch nichts von der Inkubationszeit gehört. Man hört Worte wie: "Ja, dann sag ich halt, ich muss unbedingt Einkaufen gehen." So gesehen, haben viele den Ernst der Lage nicht begriffen. 

Wie man sieht, zieht es sich auch durch die Schicht, von der man es nicht erwarten würde. Ein anderer Akademiker, knapp 80 Jahre alt, lud sich am Wochenende (14./15. März) noch zwei Ehepaare ein und man saß bis in die Nacht zusammen. Da war aber durchaus schon die Rede davon, man solle keine Zusammenkünfte mehr veranstalten. Keine Corona-Partys - das gilt auch für uneinsichtige Alte. Was ich mache? Keine Hamsterkäufe, nur etwa alle 14 Tage einkaufen, zu Hause bleiben, telefonieren, fernsehen, lesen und ich stelle fest - es ist ein gemütliches Leben. Der bittere Beigeschmack ist nur der, dass niemand weiß, wie lange es dauert und wo es hinführt. 

Indem man sich widersetzt, tritt man diejenigen mit Füßen, die in dieser schweren Zeit für uns da sind und selbst ihr Leben riskieren. Viele Menschen arbeiten bis zur Erschöpfung, dass unser "normales" Leben aufrecht erhalten bleibt. Noch können wir einkaufen, die Müllabfuhr und die Post kommen und die Versorgung in den Krankenhäusern wird gewährleistet. Jeder kann zur Schadenbegrenzung beitragen! Ignoranten gehören einfach richtig hart bestraft.

Gunter aus Reischach 

So eine Notsituation hat Deutschland noch nicht erlebt. Und wenn die Regierung einen solchen Notstand ausruft, so ist es wirklich fünf vor zwölf! Es ist ja bekannt, dass immer gewartet wird, bis zum "Geht nicht mehr". Man könnte ja irgendwelche Gesetze nicht einhalten oder die Freiheit des Einzelnen verletzen. Aber in dieser Situation ist es meiner Meinung nach strafbar, hier nicht rigoros durchzugreifen! Ein lächerliches freundliches Hinweisen der Polizei an Corona-Party-Besucher zur Nichtbeachtung ist in keiner Weise verständlich, schon im Hinblick auf die dadurch weiterhin gefährdeten Menschen. 

Ich gehöre ebenfalls aufgrund meines Alters und einer Lungenerkrankung zur Risikogruppe und kann nur sagen: "Ausgangssperre besser gestern als morgen!" Die Gefahr bei Nichtbeachtung aller Maßnahmen besteht darin, dass man diese Bedrohung nicht wahrnimmt, bis man selbst betroffen ist. Ich würde ja sogar dazu tendieren, diese absoluten Protestpersonen mittels Wasserwerfer zur Vernunft zu bringen. Eine eventuelle lächerlich angedrohte, kleine Geldstrafe bei Widersetzen der Anordnungen bringt leider nichts, siehe bei anderen Delikten wie Gaffen, das Verweigern einer Rettungsgasse oder Geschwindigkeitsübertretung. Nur ein hartes Durchgreifen wie in einigen unserer Nachbarländer wäre sinnvoll.

Birgit aus Oberbayern 

Ich bin eine Verkäuferin und somit halte ich zusammen mit meinen Kollegen die Versorgung aller Personen aufrecht. Bitte haltet den Mindestabstand zwischen zwei Menschen ein! Viele Kunden ignorieren diese Anweisungen leider. Auch unser Chef weiß sich leider bald nicht mehr zu helfen. Also bitte liebe Mitbürger, haltet den Abstand ein!

Linda aus Kitzingen

Corona - da war zu Beginn nur ein Begriff, ein neues Thema, auf das sich die Medien stürzten und etwas, was so weit weg erschien. Doch nun ist es da. Und es klopft geballt an die Tür. Durch meinen Beruf als Heilerziehungspflegerin habe ich weniger Existenzängste, da ich meine, dass dieser Beruf auch in solch einer schlimmen Krise gebraucht wird. Anders wie bei meinem Lebenspartner, der als Modellbauer in der Autobranche tätig ist. Nun heißt es Kurzarbeit sowie hoffen auf Aufträge, da er sonst sein Arbeitsplatz verlieren könnte. 

Wir sind frisch gebackene Eltern und er ist der Hauptverdiener. Wie sollen wir weiterhin Miete, Nebenkosten und alles bezahlen, wenn es ohnehin schon knapp war und nun viel knapper wird? Aber es betrifft nicht nur uns, sondern auch viele andere Menschen. Personen, die sich viele Jahre was aufgebaut haben und nun von heut auf morgen alles verlieren. Natürlich müssen wir alle zuhause bleiben, um andere zu schützen und die Ausbreitung zu verlangsamen. Aber was geschieht mit all den Menschen, die ein kleines Café besitzen, den Friseuren, Ergotherapeuten und so weiter? Es gibt viele offene Fragen. 

Ich hoffe, dass Berufe im Sozialwesen endlich mehr Anerkennung erhalten. Und dass die Leute endlich verstehen, welche Berufe ebenso wichtig und nicht wegzudenken sind. Unser Verdienst ist derzeit nicht angemessen an das, was wir aktuell leisten müssen. Ich habe letztens den Spruch "Jetzt betteln alle, dass die Pflege durchhalten soll. Als die Pflege bettelte, hat keiner hingehört" gelesen. Vielleicht machen die Leute jetzt die Augen auf. Ich hoffe, dass die Krise gut überstanden wird, man sich gegenseitig hilft und unterstützt, aber auch zukunftsfähige Lösungen für alle gefunden werden.

Sven aus Bruckmühl

Meine Verlobte, welche nicht aus der EU kommt, und ich sind derzeit durch die Einreiseverbote und durch die Beantragung eines D-Visums (Anm. d. Red: nationales Visum für Deutschland) getrennt. Seit Monaten laufen wir von einer Behörde zur nächsten, beantragen Unterlagen und Dokumente und haben immer wieder das Gefühl, dass Deutschland nicht will, dass wir heiraten, obwohl meine Verlobte vier Jahre Germanistik studiert hat. Dementsprechend spricht sie auch sehr gut Deutsch. Ich habe sogar eine Bürgschaft für sie gemacht.

Bevor die Katastrophe ausbrach, haben wir noch das passende Visum, zusätzlich zu ihrem Schengenvisum beantragt, damit sie nach der Hochzeit nicht wieder nach 90 Tagen das Land verlassen muss. Auch in der Deutschen Botschaft im Ausland haben wir alles beantragt. Da diese aufgrund des Virus auch nur noch mit Notbesetzung arbeitet, befürchten wir, dass unsere gesammelten Unterlagen ihre Gültigkeit verlieren und wir den Hochzeitstermin nicht wahrnehmen können. Zudem ist auch nicht sicher, dass dieses Visum tatsächlich nach Rücksprache mit einem Amt genehmigt wird oder ob weitere Probleme auftreten werden.

Den Flug meiner Verlobten mussten wir streichen, da sämtlicher Flugverkehr nicht mehr stattfindet und auch das Risiko einer Quarantäne einfach zu groß ist. Wir sind nun leider nicht nur aufgrund der Behörden getrennt, sondern auch aufgrund des neuen Virus. Keiner weiß, wie es weitergeht und wir hoffen einfach nur darauf, dass sich die Lage beruhigt und auch das Visum zeitnah genehmigt wird. Wir wünschen uns auch, dass alle Länder das Corona-Problem schnell in den Griff bekommen, dass wir alle das gut überstehen und bald wieder in die Normalität zurückkehren können.

Margit aus Bayern

Ich bin 57 Jahre alt und leide an mittelschwerem chronischem Asthma und COPD. Ich hatte letztens einen Termin beim Lungenfacharzt. Man muss sich das mal vergegenwärtigen! Man wird zu allen deutlich sichtbar hustenden, niesenden und schneuzenden Kranken ins prallvolle Wartezimmer geschickt und wartet dort mindestens eine Stunde bis zum Termin. In der Zeit hat man sich mit Sicherheit angesteckt bei allen Kranken dort. 

Die Stühle stehen dort eng an eng, mit nicht einmal 50 Zentimeter Abstand. Die Kranken machen auch leider nichts dagegen und husten weiterhin in ihre Handflächen. Es ist ihnen schlichtweg nicht bewusst oder eher total egal. Aber Hauptsache zwischen dem Patienten und dem Facharzt im Behandlungszimmer herrschen mindestens zwei Meter Abstand.

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Donnerstag, 26. März, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

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Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 42 Todesopfer (Stand: Mittwoch, 24. März, 16.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf und Altötting gibt es bereits je einen Todesfall, im Landkreis Traunstein sogar zwei. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder am Freitag, 20. März, eine weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern verkündet. Seit Samstag, 21. März, ist das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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