So erleben unsere Leser die Coronakrise

Sorge vor zweiter Welle: "Es geht doch nicht, dass jetzt alle wieder auf den Berg rennen!"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie hat auch Bayern fest im Griff. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus Oberbayern

Wir haben auch so unsere Erfahrung gemacht mit den Corona-Regelungen auf der einen und den Grenzbeamten auf der anderen Seite. Mein Sohn wohnt mit seiner Frau und meinem einjährigen Enkelkind in Salzburg. Wir haben sie dank Corona seit Februar nicht gesehen. Ostern, Geburtstag - alles ohne Familie. 


Dann kam die Nachricht, für Familie und Partner sei die Einreise erlaubt - mit Meldezettel und entsprechenden Unterlagen. Leider aber wurden wir an der Grenze abgewimmelt von drei Grenzbeamten mit der Aussage, diese Regelung bestünde nur für Kinder unter 18. Keine Chance!

Nützliche Links zu Corona:

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anonym aus dem Berchtesgadener Land 

Ich muss jetzt auch mal was dazu sagen, obwohl ich mich sonst raushalte bei solchen Diskussionen. Aber es gibt doch ein paar Sachen, die ich persönlich nicht gut finde. 

Großteils wird ja alles wunderbar eingehalten bei uns im Landkreis Berchtesgaden. Ich sehe im Durchschnitt nur noch jüngere Leute beim Einkaufen und die älteren Menschen halten sich immer zurück und gehen aus dem Weg, wenn sie doch raus müssen. Was aber nicht sein kann, dass sich die jüngeren überall treffen, zusammensitzen und Party machen. Leider muss ich sagen, dass ich da zu wenig Präsenz vonseiten der Polizei gesehen habe, keine Kontrollen oder sonst irgendetwas in diese Richtung.

Alle rennen jetzt wieder auf den Berg, anstatt dass sie das gesamte Rettungswesen/Pflegepersonal entlasten, indem sie einfach zuhause bleiben. An dieser Stelle Respekt an alle, die in dem Bereich arbeiten. Ich kenne selbst viele, die dort tätig sind. Die Krankenhäuser gehen so oder so über, es gibt trotz allem noch "normale Patienten", die versorgt werden müssen. Und das Personal, das ja angeblich einen Bonus von 500 Euro oder mehr bekommt, hat auch nichts davon, denn sie müssen Überstunden machen ohne Ende. Im schlimmsten Fall, der mir bekannt ist, musste eine Pflegerin trotz positiven COVID-19-Ergebnisses und der damit verbundenen Quarantäne in die Arbeit; wohlgemerkt, die Dame arbeitet im Krankenhaus! Das restliche Personal wird tagtäglich von einer Station auf die nächste geschickt und durchgetauscht. Mal auf der Station mit den Corona-Intensivpatienten, am nächsten Tag auf einer Station mit den "normalen Patienten", das kann nicht der Ernst sein? Die Leute von den Chirurgie-Stationen müssen als Pfleger aushelfen - was ist da falsch gelaufen? Die gesamte Planung und Organisation ist für die Katz' in dieser Situation! Kein Mensch kennt sich wirklich aus und wenn man z.B. beim Gesundheitsamt nachfragt, bekommt man die eine Antwort und wenn man bei einer anderen Stelle nachfragt, bekommt man wieder eine andere Antwort, die im schlimmsten Fall die Antwort des anderen als falsch darstellt. Als nächstes die Maskenpflicht: ganz ehrlich, die ist zum jetzigen Zeitpunkt überflüssig, die hätte von Anfang an herrschen müssen, allerdings muss man sie auch bereitstellen können. Und nicht verlangen, dass eben im Krankenhaus die Masken mehrere Schichten lang getragen werden!

Die beschlossenen Lockerungen sind auch viel zu früh und die Lockerung des Kontaktverbots ist ebenfalls ein Witz! Als Beispiel nehme ich jetzt ein Ehepaar, bei dem einer der beiden positiv getestet wurde, der andere aber gar nicht, da er keine Symptome zeigte. Aufgrund der Lockerung wollen sie was mit Freunden machen; an einem Tag machen sie was mit dem einen Freund, am nächsten Tag was mit einem anderen. Das kann nicht sein, denn wenn der eine Partner das Virus auch hat, es aber nicht weiß, kann er es weitergeben und die Zahlen schießen wieder in die Höhe. Denn manche schalten leider bei sowas ihr Hirn nicht mit ein und sind so ignorant und egoistisch wie oben genannt.

Was damit auch zu früh ist, ist die Öffnung der Schulen. Meiner Meinung nach müssten die bis zu den Sommerferien zu bleiben - außer für die Notfallbetreuung für Kinder von Eltern, die in relevanten Berufen arbeiten. Denn die Schulen und Kitas sind im schlimmsten Fall ein Sammelherd für das Virus, das von den Kindern mitgenommen wird und die gesamte Familie ansteckt. Da frag ich mich schon, was das für eine Logik sein soll? 

Was ebenfalls nicht geht, ist die Grenzöffnung für ausländische Erntehelfer. Da haben wir so viele Arbeitslose, die diese Arbeit machen könnten, aber nein, da werden die Grenzen geöffnet, damit die Leute aus anderen Staaten einreisen dürfen. Die Grenzen hätten von Anfang an komplett dichtgemacht werden müssen für alle Pendler. Diejenigen aus dem Ausland könnten andere anstecken, wenn sie bei uns in Deutschland sind oder sie könnten sich bei uns anstecken und dann das Virus mit zu sich nach Hause nehmen. 

Die Finanzhilfen für alle Kleinbetriebe ist ebenfalls ein Witz! Was soll ein Betrieb, der fünf Leute hat, mit 5000 Euro machen? Die Hälfte geht wegen der Steuern weg und dann müssen noch Miete und Löhne bezahlt werden, da kann man froh sein, wenn man nicht draufzahlt als Chef! 

Wenn die angebliche zweite Welle kommt, wie mehrmals gesagt wurde, und es wird bis dahin alles an Maßnahmen aufgehoben, dann gibt es Tote ohne Ende, weil dann die meisten denken: "Juhu, wir haben es geschafft. Das Virus ist weg und alles ist vergessen." Das kann nicht das Ziel sein! Das bringt nichts, da sollten sie sich lieber Gedanken machen, wie es wirklich weitergehen kann. Eben auch mit kleinen Geschäften, die eh schon am Rande des Existenzminimums sind! Das sollten sie sich mal überlegen in Berlin und auch wie man in Zukunft auf sowas reagieren kann. Denn es war abzusehen, dass das nicht in China bleibt, sondern dass es sich verbreitet. Die Zeit hätte man nutzen können, um sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen! Es ist eine wunderbare Geste, anderen Ländern wie z.B. Italien zu helfen, indem man ihnen Intensivpatienten abnimmt. Dafür haben wir Platz und Geld. Aber für die eigene Bevölkerung nicht?!

Christoph aus dem Landkreis Rosenheim

Ich stelle fest, dass sehr viele Menschen mit dem Coronavirus weniger Probleme haben als mit unseren Behörden. Es ist unsinnig, wie gerade das Landratsamt Rosenheim in einer solchen Krise reagiert und Eltern, die beide in den Kliniken helfen, einen Platz für ihren Sohn in einer Notbetreuung verwehren. Ich persönlich konnte im Bekanntenkreis sehr viele Meinungen erfahren im Umgang mit den Behörden in Rosenheim bezüglich des Corona-Problems. Ausnahmslos machte man negative Erfahrung mit einer der Behörden in Rosenheim, die anfänglich viel zu spät reagierte, indem man das Starkbierfest trotz Corona-Problems in Rosenheim feierte. 

Ich möchte all diesen Eltern und Menschen danken, die sich trotz aller Behördenprobleme für die Kranken und Pflegebedürftigen einsetzen. Sie haben mehr Anerkennung verdient, als die Behörden in Rosenheim bereit sind zu geben. Viele Menschen danken es ihnen von Herzen, auch wenn dadurch ihre Problem mit Kindern oder Besuch beim Partner nicht kleiner werden. Auch möchte ich all den Menschen danken, die hier den Mut fanden, nicht anonym sondern mit ihrem Namen ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Sie tragen dazu bei, dass Menschen, die zweifeln und Ängste haben, sich bestätigt fühlen und sehen, dass sie nicht alleine sind mit ihren Meinungen. 

Es erstaunt, wenn mittlerweile Menschen, die für die Maßnahmen sind und zur Vorsicht mahnen, öffentlich oder auch hier anonym angegangen werden. Es sollte doch möglich sein, in einer so ernsten Situation, die für viele Menschen Angst, Trauer und gesundheitliche sowie wirtschaftliche Nachteile brachte, dies offen mitzuteilen. Es wird immer Menschen und Behörden geben, die das nicht gut finden, aber ich würde mich freuen, wenn mehr Menschen den Mut fänden, auch gegen Widerstände offen ihre Meinung zu schreiben oder zu sagen.

Umfrage

Anonym aus dem Landkreis Mühldorf

Gerne möchte auch ich heute meine Sicht der aktuellen Situation mitteilen. Es macht mich wütend, wenn ich lese, wie Eltern jammern, weil sie nun mit der Betreuung ihrer Kinder überfordert sind. Natürlich ist mein Herz bei den Kindern, die aktuell ihren Eltern "ausgeliefert" sind und z.B. unter häuslicher Gewalt leiden. Jedoch handelt es sich bei den Jammerern nicht um diese Familien. Eltern setzen Kinder in die Welt und verlassen sich auf die Betreuung durch Kita, Schule, Hort etc. und nun wird die Regierung kritisiert, weil diese Eltern es nicht schaffen, sich um ihre eigenen Kinder zu kümmern. Das kann doch nicht wahr sein! Da muss der Spielplatz unbedingt geöffnet werden und illegal werden Freunde getroffen, weil die Kinder sonst einen "psychischen Schaden" bekommen? Liebe Eltern, man kann auch im Wald tolle Abenteuer erleben oder eine Höhle aus Decken im Kinderzimmer bauen. Eure Kinder freuen sich, wenn ihr jetzt mit ihnen malt, bastelt oder einfach kuschelig die Zeit verbringt – dafür müssen sie nicht täglich andere Freunde treffen. Ja auch ich habe drei Kinder (Kindergarten, 4. Klasse, Gymnasium) und mein Mann und ich sind berufstätig und nein wir heulen abends nicht! Natürlich falle ich abends müde ins Bett und selbstverständlich bin auch ich öfter von den Streitereien unter den Kindern genervt – aber ganz ehrlich – das war ich vor Corona auch schon. Es sind meine Kinder, also ist es meine Pflicht mich darum zu kümmern!

Ich finde es eine Frechheit, dass meine Tochter in der 4. Klasse bald die Schule wieder besuchen muss und so einem Risiko ausgesetzt wird, nur weil sie in der "Abschlussklasse der GS" ist. Liebe Eltern, die LehrerInnen kennen Eure Kinder seit 3,5 Jahren. Sie wussten schon vor Monaten, für welche Schulart Euer Kind geeignet ist. Diese paar verpassten Proben durch die Schulschließung sind nicht ausschlaggebend. Und es kann nicht Aufgabe der LehrerInnen sein, Eure Kinder nun gezielt auf den Probeunterricht vorzubereiten, nur damit der Übertritt doch noch erzwungen wird. Ich bedauere diese Kinder, die in der 8. Klasse depressiv werden, weil sie dem Leistungsdruck nicht standhalten. Früher war der böse Lehrer schuld, dass das Kind den Übertritt nicht geschafft hat – dieses Jahr ist es Corona!

Wenn Sie Ihren Kindern vorher bei den Hausaufgaben geholfen haben, schaffen Sie es auch während Corona. Wenn Ihr Kind clever ist, kann es die Aufgaben auch jetzt selbständig machen, denn die LehrerInnen erwarten keine Mama-/Papa-Ersatzlehrer! Und wenn Sie sich vorher darauf verlassen haben, dass die Kita-, Schul-, und Hortmitarbeiter das ganze "schon regeln" und Sie jetzt zu Hause mit Ihrem Kind überfordert sind – dann wachen Sie bitte endlich auf und suchen die Schuld nicht ständig bei den anderen…

Ich hoffe, die Regierung wird uns noch länger schützen. Kriege haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, unsere Wirtschaft wieder aufzubauen. Wir schaffen es auch nach Corona! Jeder, der das alles als Hysterie empfindet, sollte sich mal mit den Krankenschwestern des Klinikums Mühldorf unterhalten!

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Montag, 11. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 2.164 Todesfälle (Stand: Sonntag, 10. Mai, 10.40 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. 

Seit Mittwoch, 6. Mai, gilt in Bayern eine Kontaktbeschränkung. Das heißt, man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen. Zudem sind Treffen von Familien (Eltern, Großeltern, Enkel) wieder erlaubt. Seit Freitag, 8. Mai, gibt es eine weitere Lockerung der Corona-Regeln. So sind nun auch wieder Treffen von Angehörigen zweier verschiedener Haushalte möglich - und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum.

Ab Montag, 11. Mai, dürfen wieder große Kauf- und Möbelhäuser sowie Shopping-Malls vollständig öffnen. Die Maskenpflicht besteht aber weiterhin. Ab Montag, 18. Mai, können dann auch Biergärten bis 20 Uhr und ab Montag, 25. Mai, auch wieder Speiselokale aufsperren (bis 22 Uhr) - allerdings unter sehr strengen Hygienekonzepten. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/ha

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