So erleben unsere Leser die Coronakrise

Freilassinger: "Entspannte Stimmung auf Wochenmarkt trotz Coronakrise"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt. 

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Martina aus Bad Feilnbach

Auch Martina aus Bad Feilnbach hat der OVB24-Redaktion geschrieben. Sie freut sich darüber, dass die Kunden in der Metzgerei, in der sie arbeitet, durchwegs freundlich sind. 

Ich möchte aus der Metzgerei Weingast in Bad Feilnbach erzählen. Denn unsere Kunden sind durchwegs alle total nett! Bisher war noch keiner unfreundlich zu uns. Alle Kunden halten sich auch ohne große Beschilderungen und Sicherheitsdienste an die einfachen Regeln. Jeder nimmt Rücksicht. Wir können uns also nicht über unfreundliche Kundschaft beschweren. Vielleicht fühlen sich die Leute einfach deshalb wohl bei uns, weil es in unserer Metzgerei nicht nur um Corona geht. 


Die Kunden wollen beim Einkaufen auch eine Gaudi haben und von lustigen Verkäuferinnen bedient werden. Jeder hat in der Zeit sein Päckchen zu tragen und deswegen kann man ja wenigstens beim Einkaufen mal Spaß machen. "Ein dickes Dankeschön an all unsere Kunden, die noch immer zu uns kommen. Wir geben unser Bestes, dass ihr zufrieden seid."

Ines aus Dubai

Ich stamme gebürtig aus Ruhpolding, mittlerweile lebe ich aber in Dubai. Ich bin verheiratet und Mutter von einem Kind. Auch hier gibt es eine Ausgangsbeschränkung, was wir sehr befürworten. Aber mit einem Kind ist das schwierig. Natürlich können wir in den Garten raus, aber es zerrt trotzdem an den Nerven. Mein Mann ist beim Staat angestellt und arbeitet bereits seit drei Wochen von Zuhause aus. 

Da ich gerade erneut schwanger bin, war ich zusammen mit meinem Mann bei einer Kontrolluntersuchung im Krankenhaus. Dort war es ziemlich chaotisch. Es herrschte es totales Drunter und drüber und der Abstand dort wurde auch kaum eingehalten. Um uns vor dem Coronavirus zu schützen, hat mein Ehemann mich immer mit einem Desinfektionsmittel eingesprüht. Wir bleiben nun weiter zuhause und hoffen. Wie sagt man so schön? 'Sabr' - Geduld.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Biggi aus Aschau im Chiemgau

Eine äußerst freundliche Verkäuferin in unserem Supermarkt in Aschau erzählte mir, dass für sie und ihre alte Großmutter das Schlimmste sei, sich nicht mehr umarmen zu dürfen. Die viele Arbeit, die sie gerade in Zeiten der Coronakrise leisten muss, sei gar nicht so gravierend. Als ich zahlte, fragte ich, ob sie Geld für die Kaffeekasse annehmen dürfe? Sie lachte und sagte: "Oh ja, wir freuen uns jetzt schon darauf, im Team nach dieser schwierigen Zeit zusammen zum Essen zu gehen." Bei jedem Einkauf werde ich nun etwas in die Kaffeekasse geben.

Unsere Postboten ersticken währenddessen in Arbeit, weil noch mehr Menschen online bestellen. Sie sehen derzeit sehr erschöpft aus, aber sie sind weiterhin sehr freundlich und haben immer ein Lächeln über. Ich gebe auch ihnen jedes Mal ein gutes Trinkgeld und sage: "Danke!" - dass ist das Mindeste, was ich machen kann.

Robert aus Freilassing

Derzeit habe ich wieder ausreichend Zeit, den Freilassinger Wochenmarkt am Samstag zu besuchen. Mit meinen 32 Jahren liege ich eher im unteren Alterssegment der Kunden dort. In letzter Zeit ist mir dort die neue, für mich nicht unangenehme, Atmosphäre aufgefallen. Die Leute halten sehr schön die Sicherheitsabstände ein, was zu außergewöhnlichen Situationen bei den vielen Ständen führt. Da sich die Warteschlangen oft kreuzen, entstehen daher auch lustige Gespräche. Die Stimmung dort ist sehr rücksichtsvoll und entspannt. Die Kunden schauen wieder mehr aufeinander. 

Unser Leser Robert war am Samstag auf dem Freilassinger Wochenmarkt unterwegs.

Ein weiteres Highlight ist, dass der erste mir bekannte Marktstand in Freilassing endlich Kartenzahlung anbietet. Ich hoffe, diesem Beispiel folgen weitere Stände. Ich lebe den Rest der Woche bargeldlos, aber um an regionale Produkte zu kommen, muss man vorher immer Bargeld besorgen, was nicht so lustig ist. In anderen Ländern kann man schließlich überall mit Handy und Karte zahlen. Sonst bin ich unter der Woche im Homeoffice und kann meinem Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Georesearch fast uneingeschränkt nachgehen, da die Feldsaison erst im Mai startet.

Anna aus Großkarolinenfeld

Wie die meisten Menschen hier bei uns im Landkreis mache ich mir auch Sorgen: "Wie werden wir alle gesund bleiben? Was können wir tun, damit es nicht noch schlimmer wird? Und wie können wir durch vernünftiges Verhalten dazu beitragen, dass wir in absehbarer Zeit wieder ein einigermaßen normales Leben führen können?"

Für mich ist es die größte Herausforderung, wenn ich nach draußen zum Einkaufen gehen muss. Da ich zuhause arbeite, habe ich sonst nicht viele Möglichkeiten, mich anzustecken. In den Lebensmittelgeschäften ist mir aufgefallen, dass dort jetzt viel mehr Leute sind, im Vergleich zu früher. Jeder ist hektisch. Keiner trägt Schutzmasken oder Handschuhe und der Mindestabstand wird auch nicht immer eingehalten. Ich würde es für eine gute Idee halten, wenn am Eingang Türsteher stehen würden, die darauf achten, dass immer nur eine bestimmte Anzahl von Leuten rein dürfen. Das würde vermutlich auch die Sicherheit der Verkäufer und Verkäuferinnen erhöhen. 

Außerdem glaube ich, wäre es auch gut, wenn jeder Schutzmasken und Handschuhe tragen müsste, denn damit würden wir uns alle gegenseitig schützen. Ich selber trage jedes Mal eine selbstgefertigte Schutzmaske, auch wenn diese nicht hundertprozentig schützt. Allein schon deswegen, damit sich die Leute langsam an diesen Anblick gewöhnen, und vielleicht irgendwann dann auch mal bereit sind, so eine Maske zu tragen. Ich glaube, dies ist eine sehr gute Zeit, wo man wirklich mal beweisen sollte, kein Egoist zu sein, sondern auch mal an andere zu denken. Jeder, der nicht krank wird, entlastet doch auch unsere Ärzte und Krankenschwestern in den Krankenhäusern. Wir sollten diese Helden und Heldinnen nicht nur beklatschen, sondern auch aktiv dazu beitragen, dass sie weniger Arbeit haben.

Anstatt zu jammern, dass wir die Zeit zuhause verbringen müssen, können wir doch auch diese Zeit in etwas Positives verwandeln. Ich nutze die viele freie Zeit, um Bücher zu lesen, Musik zu hören, Gymnastik zu machen, mich weiterzubilden, zu meditieren, zu telefonieren, die Wohnung sauber zu machen, mir gutes Essen zu kochen und auch lange zu schlafen. Es wird mir nicht langweilig, obwohl ich kaum meine Wohnung verlasse. Es wäre schön, wenn jeder das Beste aus der Situation machen könnte, jeder nach seinen Möglichkeiten, und nicht den Mut und die Geduld verliert.

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Mittwoch, 8. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 495 Todesfälle (Stand: Dienstag, 7. April, 16 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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