So erleben unsere Leser die Coronakrise

"Biergarten-Ambiente" bei Erntehelfern und entsorgte Mundschutzmasken an Radweg 

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Mike aus Waldkraiburg

Ich denke die Lockerungen, so schön sie auch sein mögen, waren zu früh und somit möglicherweise eher ein Fehler. Ich wohne im ersten Stock an einer unserer Hauptstraßen und von hier aus hat man alles bestens im Blick. Seit Samstag, 18. April, habe ich noch intensiver das Gefühl, es gibt kein Corona - oder ich habe mich nachts in das Jahr 2019 zurück geschlafen. Plötzlich trägt keiner mehr Masken, es gibt Massenausflüge und Verkehr wie in der Großstadt und Autos und ganze Motorradgruppierungen sind zahlreich auf der Straße vertreten. Viele der Fahrzeuge kommen dabei aus 100 Kilometern Umkreis, wie man an den Kennzeichen sieht. 


Jugendliche fahren in voll besetzten Autos und Cabrios umher und trinken derweil lässig ein Bier. Doch einmal reicht nicht, sie fahren x-Mal auf und ab - wohl als Ersatz für die Gruppenbildungen im Freien. Seltsam ist auch, dass in Gärten, in denen normalerweise zwei bis drei Personen zu sehen waren, offenbar plötzlich Großfamilien wohnen, die eine Leidenschaft fürs Grillen und Gesellige haben. Streife fahrende Polizisten? Die sieht man seit Wochen leider erst ab 23 Uhr patrouillieren, wenn endlich die Totenstille eingekehrt ist und nur noch Marder und Katzen auf den Straßen unterwegs sind. Mich würde es nicht wundern, wenn die positiven Fälle wieder schlagartig nach oben schnellen, bei derartiger Unvernunft. 

Nützliche Links zu Corona:

Claudia aus dem Landkreis Altötting

Eigentlich denkt man, dass mittlerweile jedermann ausgiebig zum Abstandsgebot von zwei Metern und auch den sonstigen Regeln zur Infektionsvorbeugung informiert ist. Ganz besonders erwartet man dieses Verantwortungsbewusstsein für sich und andere von Arbeitgebern. Umso befremdlicher war mein Erlebnis, als ich vor ein paar Tagen an einem landwirtschaftlichen Anbaubetrieb im Landkreis Altötting vorbeikam.

Rund 50 überwiegend rumänische Erntehelfer - vermutlich für die saisonale Ernte vorübergehend eingestellt - saßen in "biergartenähnlichem" Ambiente eng gedrängt und in fröhlichem Austausch an Tischen im Freien vor dem Gebäude und nahmen ihr Mittagessen ein. Die Ansteckungsgefahr war Ihnen offensichtlich in keiner Weise bewusst. Welchen Sinn macht es, wenn wir uns alle an Ausgangsbeschränkungen und Hygiene- und Abstandsregeln halten, wenn eine so große Anzahl von Menschen offensichtlich überhaupt nicht auf die Gefahr und vor allem die notwendigen Verhaltensregeln hingewiesen wird oder diese überhaupt nicht beachtet. 

Insbesondere da die Politik hier Ausnahmeregeln zur Einreise zugelassen hat, wäre dort eine ganz besondere Verantwortung zu erwarten. Auch Mund-Nase-Schutz war Fehlanzeige. Man kann nur hoffen, dass alle bei bester Gesundheit waren. Genauso befremdlich war das Verhalten der zahlreichen Fahrradfahrer und Passanten, die das schöne Wetter für Spaziergänge und Ausfahrten nutzten. Man konnte zwar beobachten wie diskutiert wurde, einzig auf einen aktiven Hinweis, dass dies alles andere als sinnvoll und akzeptabel ist, wartete man vergebens. "Da hoffma lieba, des wead scho guad ge!"

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anton aus Oberbayern

Der Mensch ist einfach unverbesserlich. Ich gehe immer auf einem Radweg neben der ehemaligen B12, jetzt St2550 spazieren. Was man hier an Müll im Straßengraben findet, ist wirklich traurig. Neben dem schon üblichen Fast-Food-Abfall, Kaffeebechern, zerbrochene Flaschen, Zigarettenschachteln, Taschentücher usw., liegt nun erstmals eine gebrauchte Mundschutzmaske in der Wiese. 

Neben einem Radweg an der ehemaligen B12, jetzt St2550, liegt eine gebrauchte Mundschutzmaske.

Wie wird das erst, wenn der Mundschutz zur Pflicht wird? Corona wird den Mensch nicht ändern. Nach dem Motto: "Man lebt nur einmal." und "Nach mir die Sintflut." machen wir so weiter. Oder sollte es nicht besser heißen: "Vor mir die Sintflut?" (Im Bezug auf den Klimawandel)

Stephan aus Prien am Chiemsee

Ich finde, dass seit der Coronakrise die Menschen respektvoller und freundlicher miteinander umgehen. Man wird von Fremden gegrüßt und es wird "Danke" und "Bitte" gesagt, wenn es ums Abstand halten und Ausweichen geht. Dieser Abstand fördert gerade eine gewisse Nähe, wie ich finde. Das überrascht mich. Und hier, im sonst so hochfrequentierten Ort Prien am Chiemsee, halten sich 98 Prozent der Einwohner an die Regeln. Die zwei Prozent Unbelehrbaren wird es wohl immer geben, aber Hut ab, hier sind gerade kaum Touristen, lediglich wie immer nur ein paar Münchner. Danke für so viel Vernunft und Solidarität.

Umfrage

Franz aus dem Landkreis Altötting

Leider muss ich feststellen, dass die besonders zu schützenden Personen, nämlich die Rentner, sich am wenigsten an die Vorgaben halten. Sei es durch Unachtsamkeit oder einfach nur Dummheit, ist dabei egal, denn so oder so wird das eigene Leben und das anderer riskiert.

Warum gehen die Rentner gemeinsam zum Einkaufen? Damit gleich beide die Gefahr einer Ansteckung haben? Warum besucht man derzeit den Friedhof, wo doch jeder zu Hause bleiben soll? Warum besucht ihr weiterhin eure Kinder und Enkelkinder? Warum denken Rentner, dass all diese Regeln für sie nicht gelten? Scheinbar sind die Kontrollen zu wenig und die Strafen zu gering?

Berufsbedingt bin ich tagsüber viel im Landkreis Altötting unterwegs und stelle dabei fest, dass wirklich sehr wenig Kinder und Jugendliche auf den Straßen unterwegs sind, jedoch verhältnismäßig viele Rentner! "Sehr geehrte Rentner, gerade wegen Euch gibt es diese Einschränkungen überhaupt, da ihr besonders geschützt werden sollt! Wie kann es dann sein, dass ihr täglich eine Ausrede findet, um Euer Zuhause zu verlassen? Ihr seid meist nur zwei Personen und da sollte man den Einkauf auf einmal pro Woche beschränken können. Ob am Friedhof eine Kerze brennt, ist derzeit wirklich völlig egal. Warum müsst ihr am Gartenzaun weiterhin eure sozialen Kontakte pflegen, als ob es dieses Virus gar nicht gäbe? Ich habe erst vor ein paar Tagen wieder fünf ältere Personen gesehen, die ganz normal am Gehweg standen und sich sehr nahe stehend unterhalten haben. Zwei Personen davon hatten einen Mundschutz um den Hals gehängt, wo er natürlich ganz viel bringt. Bitte liebe Rentner, bleibt auch Ihr zu Hause und haltet Euch an die Regeln!"

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Dienstag, 21. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.299 Todesfälle (Stand: Montag, 20. April, 15.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Donnerstag, 16. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 3. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Ab Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Ebenso dürfen seit Montag, 20. April, Bau- und Gartenmärkte und ab Montag, 27. April, auch Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls ab 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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