Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Corona in Bayern: Unverständnis beim Einkaufen und die Angst vor der Ungewissheit

+
Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt. 

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Evi aus dem Landkreis Mühldorf

Am Freitagvormittag war ich unterwegs, um für meinen Freund, mich und meine Mama den Wochenendeinkauf zu erledigen. Erschreckend, wie viele ältere Leute sich in das Gewühl eines Discounters stürzen und das Einkaufen anscheinend als Ausflug ansehen. Da begleitet der alte Mann seine Frau, obwohl er meines Erachtens nicht der besten Gesundheit ist. Das Rentner-Ehepaar steht mit dem Einkaufswagen "brettlbroad", wie wir Bayern sagen, vor der Kühltheke und überlegt lang und breit, was man denn brauchen könnte. 


Ich hätte am liebsten den Laden schreiend verlassen! Warum schränken sich denn alle ein? Damit die Älteren sich nicht anstecken! Ich kann mir vorstellen, dass es für viele ältere Menschen eine Einschränkung bedeutet, wenn sie sich nicht mehr frei bewegen sollen. Aber wenn man schon das Haus verlassen will, dann doch bitte vor dem Laden auf dem Parkplatz warten oder sich in der Natur bei einem Spaziergang bewegen. Wir wohnen schließlich auf dem Land, wo es auch andere Möglichkeiten als in der Stadt gibt! Meine Mama mit 76 und die Schwiegermutter mit 82 Jahren haben es auch kapiert. 

Oder warum muss eine junge Mutter mit ihrem Kind in der Babyschale im Drogeriemarkt zum Shoppen gehen? Und da schauen, ob man noch eine Spülbürste braucht? Da sagt mir der gesunde Menschenverstand: "Schnell das Notwendige besorgen und raus aus dem Laden." Oder warten, bis der Mann zuhause ist. Aber doch nicht das kleine Kind den Viren aussetzen. Manche Leute haben es echt noch nicht kapiert! Und dafür müssen die Angestellten im Gesundheitswesen und in den Supermärkten sich tagtäglich für wenig Geld abrackern. Leute, denkt mal nach! Ich könnte echt schreien!

Mike aus Oberbayern

Ich arbeite am Bau und denke, dass sie uns wahrscheinlich komplett vergessen haben. Wir haben zwar Vorlagen von der IG Bau bekommen, aber wie soll man sich daran halten, wenn es auf der ganzen Baustelle nur ein Dixi- Klo gibt? Die Bauherren wollen damit wohl Geld sparen. 

Ich war auch schon auf Baustellen, auf denen es gar keine Toilette gab. Leider ist wohl die Hauptsache, dass der Rubel rollt. Denn uns Bauarbeiter stecken sie auf Baustellen, bei denen viele Leute arbeiten, die weder Mundschutz tragen noch regelmäßig ihre Hände waschen (können). Vielen Dank an die Bauherren! Die müssen ja nicht unter diesen Bedingungen arbeiten.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Andrea aus Tüßling

Es ist wirklich traurig, dass man jetzt nicht einmal mehr von seinen eigenen Kindern Hilfe annehmen kann, ohne dass man von seiner Nachbarin angezeigt wird. Das Traurige daran ist meiner Meinung nach das, dass sie es anonym gemacht hat. Wo bleibt da der Zusammenhalt? Aber solche Nachbarn gibt es immer. Ich hoffe für sie, dass sie nie Hilfe benötigt. 

Katharina aus dem Landkreis Rosenheim

Eigentlich habe ich keinen Grund zum Jammern. Wir haben einen Garten und können rausgehen, wir haben genug zu essen und noch sind wir gesund. Was mich an der ganzen Situation ängstigt, ist eben die Ungewissheit, wie es weitergehen wird - vor allem für unsere Kinder und Enkelkinder. Meine 92-jährige Mama ist pflegebedürftig und hat den Pflegegrad 4. Sie hat vor kurzem das schwere Lungenvirus RSV überstanden. Sie war 14 Tage im Krankenhaus und Gott sei Dank haben wir sie, kurz bevor alles dichtgemacht hat, nach Hause geholt. Ich habe natürlich schon Angst, dass sie das Virus aufschnappt. 

Dann sind da noch meine zwei Enkelkinder in Schönau am Königssee, die ich jetzt schon seit sechs Wochen nicht mehr gesehen habe. Die Zwillinge, ein Bub und ein Mädchen, sind jetzt sechs Jahre alt. Sie fehlen mir so sehr, obwohl wir täglich telefonieren und skypen - aber das ist nicht dasselbe. Dann denke ich an all die Menschen, die krank, arm oder einsam sind. Auch denke ich an die Personen, die im Hochhaus in einer Wohnung leben müssen, die finanziell in Not gekommen sind oder geliebte Angehörige durch das Virus verloren haben. Ich schicke Euch ganz liebe Grüße. "Bleibt vor allen Dingen gesund."

Angelika aus Oberbayern

Der kleine Julian aus Frasdorf hat seiner Oma diesen netten Brief geschrieben, um sie in der aktuellen Zeit aufzumuntern. 

Mein kleiner Neffe Julian aus Frasdorf hat diesen netten kleinen Brief an seine Oma geschrieben. Seine Absicht dabei war, sie in der schweren Zeit aufzumuntern. Vielleicht kann der Brief auch anderen Omas und Opas Mut machen. 

Auch ein Bild malte der kleine Julian in dem Brief:

Der kleine Julian aus Frasdorf hat seiner Oma diesen Brief geschrieben, um sie in der aktuellen Zeit aufzumuntern. 


Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Donnerstag, 9. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 564 Todesfälle (Stand: Mittwoch, 8. April, 13.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

Kommentare