Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Corona in Bayern: Getrennte Liebespaare und Unverständnis für Hamsterkäufer

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Corona-Krise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Corona-Krise um? Zahlreiche Leser/-innen haben uns ihre persönlichen Geschichten und Gedanken erzählt. Alle Infos zur Corona-Krise in der Region findet Ihr in unserem Ticker.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Corona-Krise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:

Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Alexa aus dem Landkreis Traunstein - Angst vor Corona im Beruf

"Ich bin eine Mama von drei Jungs und ich muss sagen, dieses Zuhause bleiben stärkt unser Familienleben sehr. Kein Stress, keine Hektik - einfach zuhause sein. Jetzt ist es aber so, dass ich in der Pflege arbeite und nun wieder in die Arbeit muss. In diesem Job gibt es leider kein Homeoffice. Mein Mann arbeitet in einem Handwerksberuf, dessen Betrieb noch nicht geschlossen ist.

Ich habe jetzt schon die Sorge, dass ich von der Arbeit den Virus mit nach Hause, zu meinen Kindern und meinem Mann, bringe. Derzeit gibt es noch kein Fall von Corona in der Arbeit, aber was ist, wenn einer auftaucht? Muss ich dann zwei Wochen getrennt von meiner Familie sein? Und wenn ich heim darf, dann mit dem Wissen, dass ich höchstwahrscheinlich der Überträger bin? Momentan mache ich mir große Sorgen. Aber wenn ich die Geschichten von anderen Personen lese, denke ich mir nur: 'Wahnsinn, wie stark manche Menschen sein müssen.' Ich drücke allen von ganzen Herzen die Daumen, dass alles gut wird und dass unser Herrgott seine Hand schützend über uns allen hält."

Michaela aus Aschau im Chiemgau - Fernbeziehung mit Partner in Norwegen

"Vor zweieinhalb Jahren habe ich einen Mann kennengelernt. Er ist Norweger und lebt in der Nähe von Oslo. Wir führen seitdem eine sehr gut funktionierende Fernbeziehung. Entweder treffen wir uns hier in Oberbayern, irgendwo in Norwegen oder machen gemeinsam Wanderurlaub in Andalusien oder Mallorca. Dort wären wir eigentlich auch jetzt, wenn Corona nicht dazwischen gekommen wäre. Er war vor einer Woche noch zu Besuch in Oberbayern und sitzt seit dem zu Hause in Norwegen in Quarantäne. Wir wissen nicht, wann wir uns wiedersehen können und das macht uns sehr traurig."

Karin aus dem Inn-Salzach-Gebiet - Unverständnis für egoistische Mitbürger

"Da ich ein 'unverzichtbarer Arbeitnehmer' bin, fuhr ich am Montag, 16. März, gegen 12 Uhr in der Mittagszeit zum Einkaufen. Ich wollte nur 500 Gramm Hackfleisch (nein, keine fünf Kilo) kaufen. Beim Edeka gab es nichts mehr; also ab zu Aldi. Da waren in der Kühltheke noch zwei einsame Packungen. Auch Toilettenpapier, Kleenex usw. waren fast leer. Es ist erschreckend, dass die Menschen so egoistisch und panisch sind. 

Und mal so zum Nachdenken: Die Berufe, die so schlecht bezahlt sind in unserem Land, wie Pflegepersonal, Verkäufer, Lkw-Fahrer usw. sind nun unsere Helden. Ich hoffe von Herzen, dass genau diese Berufsfelder nach der Krise auch mal finanziell ihr Heldendasein zu spüren bekommen. Und noch was: Vor ein paar Monaten war das Burghauser Krankenhaus auf der Kippe. Jetzt ist man froh, dass man es hat. Es zählt nicht nur die schwarze Null oder das dicke Plus. Ich hoffe sehr, dass wir alle daraus lernen."

Christian aus Bergen im Chiemgau - Fernbeziehung mit Partner in Österreich

"Ich wohne in Bergen im Chiemgau und bin seit sechs Jahren in einer Fernbeziehung mit meinem Partner in Österreich. Wir sehen uns leider nur am Wochenende, und das immer nur sehr kurz, da ich als Krankenpfleger arbeite. Wir wären am Donnerstag, 19. März, für drei Wochen nach Sri Lanka und auf die Malediven geflogen. Durch Corona wird daraus jetzt nichts. Da ich arbeiten muss und wegen der Grenzkontrollen kann ich meinen Partner auch nicht sehen. Ich hoffe, wir alle überstehen diese Zeit gut und der Spuk hat bald wieder ein Ende!"

Jessica aus Burgkirchen an der Alz - Appell an die Vernunft der Mitmenschen

"Ich bin 21 Jahre alt und komme aus Burgkirchen. Auch ich verfolge stündlich die Nachrichten und gehe kaum mehr aus dem Haus. Die aktuelle Lage ist erschreckend und beängstigend. Doch noch schlimmer finde ich die Art und Weise, wie viele Menschen arglos mit dieser Situation umgehen. Einige nehmen das Coronavirus nicht ernst und treffen sich weiterhin mit Freunden und der Familie. Andere hingegen fahren um 7 Uhr in der Früh zum Edeka, um ihre Hamsterkäufe zu erledigen. Das finde ich verantwortungslos und egoistisch. 

Ich selbst gehöre nicht zur Risikogruppe, doch trotzdem möchte ich an die Vernunft der Menschen appellieren. Bitte bleibt zuhause, telefoniert mit euren Liebsten und reduziert eure Sozialkontakte. In solchen Zeiten kommt es auf uns alle an. Jeder zählt und wir müssen versuchen, die Ausbreitung des Virus so gut es geht zu verlangsamen. Ich finde somit zeigen wir vor allem denjenigen Respekt und Dankbarkeit, die Tag für Tag die Erkrankten versorgen und pflegen.

Doch auch solche schweren Zeiten bringen Positives mit sich. Die Erde kann aufatmen und sich regenerieren. Fische schwimmen wieder in Venedigs Kanälen, der CO2-Ausstoß wurde stark verringert und uns Menschen wird bewusst, was wirklich wichtig ist. Liebe, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt. Ich wünsche allen Kraft und Gesundheit."

Daniela aus Oberbayern - Ängste einer alleinerziehenden Mama  

"Ich bin 31 Jahre alt und alleinerziehende Mama von zwei Kindern. Was mir an der ganzen 'Corona-Krise' zu schaffen macht, ist weniger das Virus (wobei ich das Ganze auch nicht runterspielen will) sondern davor, irgendwann ohne Lebensmittel dazustehen. Ich habe ganze zwei Wochen gebraucht, um endlich an eine Packung Klopapier zu kommen. Und obwohl man in dem Geschäft zwei Packungen hätte kaufen dürfen, habe ich nur eine genommen, da mal wieder fast alles leer war. Denn trotz meiner eigenen Knappheit versuche ich immer noch auf andere Menschen zu achten. 

Auch ich bin derzeit finanziell definitiv nicht in der Lage, wie auch eine Menge Rentner, die teilweise im Übrigen nicht mal mehr zur Tafel gehen können, irgendwelche Hamsterkäufe zu tätigen. Dennoch bin ich fast gezwungen, von allem das teuerste Produkt zu kaufen, weil es nichts anderes mehr gibt. Ich kaufe von einem Tag auf den anderen ein und hoffe, dass mein Kind die nächsten Wochen nicht nur Nudeln essen, die ich ja schon vor der 'Krise' immer vorrätig Zuhause hatte, muss. Deshalb meine Bitte an alle: 'Achtet bei dem ganzen Durcheinander doch auch mal auf die anderen'."

Simone aus Oberbayern - Existenzangst einer Friseurmeisterin

"Ich bin selbstständige Friseurmeisterin und habe drei Mitarbeiterinnen. Im Moment ist die Situation fast etwas unwirklich. Die ganze letzte Woche das Bangen, ob wir schließen müssen/dürfen oder nicht. Auf der einen Seite die Angst angesteckt zu werden, und jeden Tag durch den Kontakt zu den Kunden die Ansteckung nur voranzutreiben. Auf der anderen Seite steht die Angst um die eigene Existenz und die wohl fehlende Hilfe des Staates. Welcher kleine Betrieb hat die Möglichkeit, Wochen ohne Umsatz durchzuhalten und laufende Kosten weiterhin zu decken? Zu guter Letzt ist es mir im Moment nicht möglich, meinen Partner zu sehen weil er in Österreich wohnt und ich auf der anderen Seite der Grenze. Dabei könnte man in dieser Situation wohl niemanden dringender brauchen, als den Menschen, den man liebt."

Marko aus Rosenheim - Mehr Wertschätzung für Lkw-Fahrer 

"Ich arbeite bei einer großen Metzgerei als Auslieferungsfahrer und bin entsetzt über die aktuelle Lage. Es leiden viele Menschen darunter. Es ist die Rede davon, dass Lieferketten nicht unterbrochen werden sollen. Doch die geschlossenen Grenzen machen das schwierig. Denn wir bekommen derzeit kaum noch Ware von unseren Zulieferern. Trotz allem ist die Versorgung unserer Kunden aber gesichert!

Das Schlimmste daran ist aber, dass die Männer und Frauen in ihren Lkws stundenlang im Stau sitzen müssen - und das ohne Toilette, Dusche und medizinische Versorgung. Denkt überhaupt mal einer an die Lkw-Fahrer? Nein. Die werden auf der Autobahn sich selbst überlassen, obwohl sie auch gerne zu ihrer Familie möchten."

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Dienstag, 24. März, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Weitere persönliche Geschichten unserer Leser: 

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Wie erlebt Ihr die Corona-Krise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 26 Todesopfer (Stand: Montag, 23. März, 11 Uhr) gefordert. Auch im Kreis Rosenheim und im Kreis Traunstein gibt es bereits je einen Todesfall. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder am Freitag, 20. März, eine weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern verkündet. Seit Samstag, 21. März, ist das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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