So erleben unsere Leser die Coronakrise

Kieferer verärgert über volle Wanderparkplätze: "Anscheinend werden Kontrollen hier nicht ernst genommen"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Christoph aus Kiefersfelden

In Kiefersfelden und Umgebung sorgt das Coronavirus wie überall für Verunsicherung bei den Menschen. Sehr positiv fällt auf, dass man relaxt einkaufen gehen kann, weil die Lebensmittelgeschäfte gute Maßnahmen zur Sicherung der Kunden ergriffen haben. Auch positiv ist, dass wir einmal nicht in Kiefersfelden von den Kufsteinern oder Tirolern überrannt werden. Als das Coronavirus bekannt wurde, waren die Grenzen noch geöffnet und in kürzester Zeit sah man Kufsteiner mit Hamsterkäufen aus allen Läden kommen. Es ist Ruhe im Ort und Umgebung eingekehrt.


Ich möchte all den enttäuschten Schreibern beipflichten die feststellten, dass doch sehr viele Menschen einfach so weiterleben als gingen sie weder die Auflagen, noch die Gefahr mit dem Virus etwas an. An den Wochenenden stellt man hier vor Ort fest, dass viele Menschen aus dem Umland bis nach München hin, hier die Wanderparkplätze füllen und in Gruppen wandern gehen. Anscheinend werden hier die Kontrollen nicht so ernst genommen, da man ungehindert über die Autobahnen in das Wandergebiet um Kiefersfelden fahren darf.

Es wäre doch wünschenswert, wenn alle Menschen begreifen würden, dass es hier nicht mehr um eine Grippe sondern um eine gefährliche Erkrankung geht, die für viele Menschen tödlich enden kann. Man kann den Arztpraxen in unserer Gegen, den Kliniken und vor allem den dort arbeitenden Menschen nur von Herzen danken. Auch all den Menschen, die sich in unseren Geschäften der Gefahr aussetzen oder als Dienstleister dafür sorgen, dass Waren pünktlich geliefert werden. All diese Menschen hätten etwas mehr Rücksicht und Verständnis verdient.

Nützliche Links zu Corona:

Kerstin aus Bayern

Ich arbeite in Vollzeit an einer Autobahntankstelle und nebenbei als Kassiererin in einem Supermarkt. An der Tankstelle kamen Anfang März noch Busse aus Asien und Lkw-Fahrer aus Italien. Wir hatten noch keine Schutzmaßnahmen und die Mitarbeiter und auch der Chef haben sich noch lustig gemacht. Wenn man im Supermarkt die Regale auffüllt, fragen Kunden ständig etwas und kommen nah ran. An der Kasse sagen die meisten: "So ein Scheiß, was die Regierung veranstaltet, ist doch nur ne Grippe." Während der Kassenabrechnung sind fünf Kollegen in einem kleinen Büro, alle drängeln sich an den Computer. Bei der Begrüßung gibt es Umarmungen und ich kann nichts machen - ich muss doch arbeiten.

Vor drei Wochen musste ich in der Nacht den Notarzt rufen. Ich zitterte, hatte einen niedrigen Blutdruck und bekam keine Luft mehr, ich habe in eine Tüte geatmet. Für eine Nacht kam ich ins Krankenhaus. Sie haben gesagt es sei eine Panikattacke gewesen und haben keinen Test gemacht. Das ging tagelang so, ich spürte ein Stechen im Brustkorb und war müde. Um 10 Uhr bin ich aufgestanden und fühlte mich wie von einem Bus überfahren. Um 12 Uhr habe ich mich fertig gemacht und bin ich die Arbeit, da bin ich rumgelaufen wie ferngesteuert. Als ich wieder zuhause auf dem Sofa war ging es los: Zittern, Atemnot, eingeschlafen bin ich ich um 2 oder 3 Uhr. So ging das fast 14 Tage, zur Zeit geht es mir besser.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Manuela aus Altötting

Es ist wirklich erschreckend, wie viele Menschen noch leichtsinnig mit der momentanen Situation umgehen, als wäre es nicht so schlimm. Abstand wird nicht immer eingehalten, spricht man die Menschen an, werden sie noch unfreundlich. Hausmüll, Glas, Mundschutz und Handschuhe werden einfach achtlos weggeworfen, verteilt in öffentlichen Mülleimern, Gebüschen, etc.

Was zudem ärgerlich ist, sind die Treffen vieler Jugendlicher, Wildpinkler und rücksichtslose Autofahrer, die denken, dass die Straßen nicht auch von anderen genutzt werden. Haltet Euch doch bitte an die Angaben der Bundesregierung, da würdet Ihr uns allen einen Gefallen mit machen, Rücksichtslosigkeit braucht kein Mensch.

An dieser Stelle auch ein dickes Dankeschön an Ärzte /Ärztinnen, Pflegepersonal (privat), Polizei, Feuerwehr, Stadtmitarbeiter und alle, die in dieser schweren Zeit tagtäglich für uns da sind und sich oft der Gefahr, infiziert zu werden, aussetzen müssen. Traurig macht mich auch, dass trotz der Ausgangsbeschränkung viele von weiter weg herkommen, um Einkäufe zu tätigen. In diesem Sinne bleibt gesund.

Angelika aus Raubling

Zum Thema Abstand halten habe ich einen netten Schnappschuss von meiner Schildkröte Dotti und unserer Nachbarskatze. Beide sitzen auf dem Stein im Wasser aber mit einem Meter Abstand. Vielleicht trägt das etwas zum Schmunzeln bei in dieser angespannten Situation.

Schildkröte Dotti und die Nachbarskatze nehmen die Abstandregeln sehr ernst. 

Umfrage

Peter aus Rosenheim

Ist das nicht der falsche Ansatz? Dass die jüngere Generation, junge Familien und unsere Kinder bereits seit Wochen und jetzt weiter in ihrem täglichen Leben und ihrem sozialen Umfeld isoliert werden? Sie können nicht arbeiten, nicht mehr ausgehen, dürfen auf keine Festivals, keine Konzerte besuchen, sich nicht mit ihren Freunden treffen, unsere Kinder dürfen nicht in den Kindergarten und in die Schule, nicht auf Spielplätzen spielen und so vieles mehr. Aber unsere Senioren können wieder in die Baumärkte, ins Gartencenter und ab heute in die kleineren Geschäfte und können sich in den Parks aufhalten? Diese Lockerungen kommen zuerst älteren Menschen zugute. Sind das nicht unsere Risikogruppen?

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Dienstag, 28. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.636 Todesfälle (Stand: Montag, 27. April, 15.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Donnerstag, 16. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 3. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Seit Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Seit Montag, 27. April dürfen Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls ab 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - in Stadt und Landkreis Rosenheim gilt die Maskenpflicht bereits seit Mittwoch, 22. April. Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/fn

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