So erleben unsere Leser die Coronakrise

Verschobene Jubiläumsfeier, Bedenken gegenüber der Maskenpflicht und Sehnsucht nach der Familie in Österreich

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie hat auch Bayern fest im Griff. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Cornelia aus Bruckmühl

Eigentlich, ja, eigentlich war dieses Jahr ganz anders geplant. Mit noch zwei Kolleginnen führe ich eine gut gehende Gemeinschaftspraxis für Ergo- und Physiotherapie in Rosenheim mit insgesamt elf Mitarbeitern, einem echten Dream-Team. Viele Schwierigkeiten haben wir zusammen gemeistert und viele schöne Erlebnisse geteilt. Am 2. Mai war unser zehnjähriges Jubiläum - eigentlich. Geplant war ein Praxisfest mit Freunden und Patienten und ein Wochenendausflug im Herbst mit dem besten Team überhaupt. 


Jetzt sind wir mit Dingen beschäftigt, die wir uns nie vorstellen konnten: Anträge stellen, Kurzarbeit, Patienten absagen, Schutzausrüstung organisieren usw. Schon vor dem offiziellen Lockdown haben wir reagiert - Risikopatienten abgesagt, keine Hausbesuche mehr durchgeführt - zum Schutz der Patienten und Mitarbeiter und wir haben nur positives Echo erhalten. Anfangs komplett geschlossen, haben wir nun wieder eingeschränkten Betrieb mit strengen Hygieneregeln für Patienten und Mitarbeiter. Bisher sind wir vom Team alle gesund, aber viele Patienten hat es erwischt und einige sind gestorben. Zwei Kolleginnen arbeiten im Klinikum - so haben wir einen realistischen Blick auf die Situation. Ich kann nur eindringlich mahnen: die Leichtfertigkeit der Leute ist oft erschreckend und bestärkt uns in dem Beschluss, langsam und überlegt wieder "hochzufahren" - so hart und bitter das ist, nicht nur für uns. Aber wir werden durchkommen, auch wenn wir fast von vorn anfangen und hart arbeiten müssen, mit diesem Team schaffen wir das! Danke übrigens an alle unsere tollen, treuen Patienten und auch dem Landratsamt/Katastrophenschutz, die uns nicht vergessen haben und mit Schutzausrüstung versorgten soweit möglich. 

P.S.: Die Party steigt natürlich nach Corona!

Daniela aus Stephanskirchen

Mich beschäftigt zusehends das Thema „Maskenpflicht“. Ich erinnere mich noch an die Situation Anfang März, als viele Menschen chirurgische Einwegmasken kauften, um sich zu schützen, in den Medien jedoch davon abgeraten wurde, ja sogar der Aufschrei kam, dies zu unterlassen, denn diese Masken seien nur für Pflegepersonal bzw. medizinische Fachkräfte vorgesehen. Gegen das Coronavirus sei der Schutz nicht ausreichend. Zudem bestand damals schon ein Engpass an Masken. Trotzdem sah man vereinzelt Personen mit Mund-Nasen-Schutz. Jetzt sieht man sie (zwangsweise) überall. Ist der Schutz jetzt doch ausreichend? 

Meiner Meinung nach wussten die Politiker nicht mehr, was sie noch an Maßnahmen einführen sollten und ach, andere Länder haben eine Maskenpflicht, machen wir das doch auch einmal. Das gibt den Bürgern und Bürgerinnen ein Gefühl von Sicherheit. Weiter gedacht hat da niemand. Wer ist denn im richtigen Umgang mit diesen Masken geschult? Lernen Kinder ab 6 Jahren, wie sie eine Mundschutzmaske auf- und absetzen müssen? Heute im Supermarkt habe ich erst wieder eine Dame gesehen, deren Maske so weit war, dass sie über Mund und Nase herunterhing. Andere haben sie so locker um, dass sie seitlich offen sind. Und Leute mit Masken stehen eng beieinander plaudernd vor dem Kühlregal. Ja manche ziehen es jetzt sogar vor, lieber in ihren Schal (!) zu räuspern (laut zu husten traut sich ja fast niemand mehr) oder zu niesen als in die Armbeuge. 

Wie Weltärztepräsident Montgomery auch schon sagte, führen Masken zu einem „trügerischen Sicherheitsgefühl“; viele halten dadurch den Mindestabstand und/oder Hygieneregeln nicht mehr ein! Die Masken werden mehrmals verwendet, hoch und runter gezogen, hin und her gezupft, man fasst sich mit den Fingern mehrmals ins Gesicht und verteilt dadurch schön die Viren überall, sollten sie wirklich auf die Maske gelangen. Diese Dinger führen also ganz leicht zu einer Infektion. Einfache Schals und Tücher als Schutz zu betiteln ist meiner Meinung nach völlig absurd. 

Und selbst wenn der Umgang mit den Masken einwandfrei funktionieren würde, was ist dann mit normaler Halsbedeckung - Schals und Tücher - die wir über das Gesicht ausziehen? Theoretisch müssten diese dann verboten oder nach jedem Gebrauch ausgekocht werden. Oder „fliegen“ die Viren nur zu Nase und Mund? Ach ja, und was ist mit den Augen? Sollten wir nicht eine Brillenpflicht einführen? Denn das Virus wird ja auch über die Augen bzw. die Tränen übertragen. Sorry, weinen in der Öffentlichkeit – ab sofort streng untersagt!? 

Auch wenn es „nur“ darum geht, andere zu schützen, wenn man niesen oder husten muss UND den Mindestabstand nicht einhalten kann UND gerade keine Armbeuge vorhanden ist – ja dann, in diesem seltenen Ausnahmefall, verringern die Masken natürlich minimal die Gefahr einer Ansteckung. Verhindern können sie dies nicht – so die WHO und das RKI. Meiner Meinung nach ist die Gefahr einer Ansteckung durch die Masken weitaus höher als die Minimierung einer Infektion mittels dieser! Ich verstehe, dass Politiker in dieser noch nie da gewesenen Situation auch nicht mehr wissen, was richtig und falsch ist, da es einem jeden von uns an Erfahrung mangelt; Millionen von Menschen dann aber dazu zu verpflichten, sich durch Verhüllung von Nase und Mund in Gefahr zu begeben, leuchtet mir absolut überhaupt nicht ein! Ich trage meine Maske nur aus Solidarität. Respekt an alle, die diese Atemeinschränkung mehrere Stunden am Tag ertragen müssen.

Nützliche Links zu Corona:

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anonym aus Bayern

Ich bin alleinerziehende Mutter von zwei Kindern unter 18 Jahren. Ich gehe täglich meiner Arbeit in einer Bank als Kundenberaterin nach und habe mich weder wegen Kinderbetreuung noch wegen meiner persönlichen Ansteckungsängste krankschreiben lassen. Leider ernten Banken keinerlei Anerkennung für die erbrachte Leistung, "auch weiterhin da zu sein und die Öffnungszeiten weiter aufrecht zu erhalten". Unsere Bank hatte keinerlei Reduzierung von Öffnungszeiten. 

Es ist für mich erschreckend und unbegreiflich, warum sich heute immer noch zu viele Menschen schwer tun, den Mindestabstand einzuhalten. Leider ist es eben nicht so, dass alle den Vorteil von Homeoffice haben. Ich frage mich, wie es weiter gehen soll für uns "normale" Kundenberater in den Bank-Zweigstellen. Wir haben extrem kleine Büros, der Mindestabstand kann hier oft gar nicht eingehalten werden. Die Arbeitgeber leben bereits wieder in der Vorstellung, die Gefahr sich am Arbeitsplatz durch eine Vielzahl von Kundenkontakten anzustecken, sei nicht vorhanden. Dabei ist der Kontakt in einem Beratungsgespräch wesentlich länger als beim Bezahlvorgang im Supermarkt. Wir haben hier direkten Kontakt für 30 bis 90 Minuten. Keiner hört den "Aufschrei" – weder Arbeitgeber noch Kunden – denn es scheint ja sogar eine Abwechslung zu sein, zur Bank zur Beratung zu gehen. Raus aus der Wohnung. Um unsere Gesundheit scheint sich niemand zu sorgen. Leider.

Petra aus Bayern

Wir wohnen in Bayern und unsere Tochter mit Familie in Salzburg. Wir hatten jetzt lange Verständnis für die momentane Lage, aber mittlerweile nicht mehr. Wir halten uns an die Regeln: Mundschutz und auch Handschuhe, Mindestabstand und doch hört man meistens nur Negatives.

Durch die Grenzschließung haben wir Tochter, Enkel und Schwiegersohn lange nicht mehr gesehen. Wie lange denn noch? Wir sind beide noch keine 60, hoffen und warten, wir möchten einfach unsere Tochter, unseren Enkel und unseren Schwiegersohn wiedersehen. Es wird immer nur von Paaren gesprochen, es gibt eine Sondergenehmigung, dass man dann die Grenze passieren kann. Aber was ist mit der Familie? Laut Politik scheinbar nicht so wichtig. Wie soll das noch weitergehen?

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Walburga aus Bayern

Es reicht mir langsam mit der Jammerei. Wir haben keinen Krieg. Kein einziges Gebäude ist zerbombt und muss wegen Corona neu aufgebaut werden, sobald der Spuk vorbei ist. Wir haben keine Hungersnot, es gibt im Überfluss zu kaufen, wir können rausgehen in unsere wunderschöne Natur, die uns auch noch verwöhnt mit meist schönem Wetter. Es gibt genügend Unterhaltung und Zerstreuung dank der digitalen Medien. Wer es braucht, kann sich von morgens bis abends bespaßen lassen. Wir können Kontakte haben, wenn auch eingeschränkter und auf anderen Wegen als vorher.

Die Natur erholt sich spürbar. Wir können mal wieder Ruhe erleben, wo vorher Hektik war. Wir werden nicht vertrieben aus unserer Heimat und sind nicht auf der Flucht ins Ungewisse. Viele haben endlich mal Zeit und die Chance, sich selbst um ihre Kinder zu kümmern und gewinnen hoffentlich Wertschätzung für Lehrer, die oft 30 Kinder auf einmal unterrichten, unterhalten, betreuen und erziehen müssen. 

Also kommt mal weg von den völlig überzogenen Ansprüchen einer Konsum- und Spaßgesellschaft. Hat jemand tatsächlich erwartet, dass es immer so weiter geht mit der Gier, immer noch mehr Wachstum? Corona bietet die Chance, sich damit zu befassen, was wirklich wichtig ist im Leben. Ich habe den Eindruck, bei etlichen Menschen "fällt der Groschen" in diesen Zeiten.

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Freitag, 8. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 2.050 Todesfälle (Stand: Donnerstag, 7. Mai, 13.40 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle

Seit Mittwoch, 6. Mai, gilt in Bayern eine Kontaktbeschränkung. Das heißt, man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen. Zudem sind Treffen von Familien (Eltern, Großeltern, Enkel) wieder erlaubt. Allerdings darf man sich weiter nur mit einer haushaltsfremden Person treffen.

Ab Montag, 11. Mai, dürfen wieder große Kauf- und Möbelhäuser sowie Shopping-Malls vollständig öffnen. Die Maskenpflicht besteht aber weiterhin. Ab Montag, 18. Mai, können dann auch Biergärten bis 20 Uhr und ab Montag, 25. Mai, auch wieder Speiselokale aufsperren (bis 22 Uhr) - allerdings unter sehr strengen Hygienekonzepten. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/ha

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