Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Corona in Bayern: Wunsch nach mehr Polizeipräsenz und Anerkennung für medizinisches Personal

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Renate aus Bruckmühl

Ich muss jetzt mal was loswerden, was mich extrem ärgert. Immer wieder wird das Thema Mundschutz in den Medien angesprochen. Viele, darunter auch meine Familie und ich, haben einen Mundschutz aus Baumwollstoff und tragen diesen auch- besonders beim Einkaufen. Danach wird er mit 60 Grad gewaschen und mit einem 200 Grad heißen Bügeleisen gebügelt. Es wurde gesagt, dass genau dieser Mundschutz, wie auch der OP-Mundschutz und sowie alle Mund-Nase-Masken aus leichtem Zellstoff, den Träger nicht vor einer Ansteckung schützen, sondern lediglich ein Schutz für andere ist, damit man niemanden anstecken kann. Somit kann die Ansteckung und Weiterverbreitung verhindert werden, denn niemand kann mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, ob er das Virus nicht bereits in sich trägt.


Ich verstehe daher absolut nicht, weshalb dann so viele Menschen keinen Mundschutz tragen. Aus Eitelkeit, oder warum? Denn es ist doch genau unser Ziel, die Ansteckung zu verhindern und das wollen wir doch alle! Ich finde es daher sehr schlecht, wenn Angestellte in Supermärkten keinen Mundschutz tragen, denn genau diese Personengruppe wird von vielen Menschen frequentiert und birgt dadurch für mich als Kunde eine hohe Ansteckungsgefahr! Ich meide daher Geschäfte, in denen das Personal keinen Mundschutz trägt. Ich finde das auch egoistisch und grob fahrlässig gegenüber anderen Menschen. Es geht hier schließlich nicht um eine Grippewelle, sondern um eine flächendeckende und für manche Menschen tödliche Seuche.

Sabine aus Bayern

Ich würde mich über mehr Präsenz der Polizei in den Läden freuen. Die meisten Leute halten leider nicht den Sicherheitsabstand ein und machen Familienausflüge zu Edeka, Lidl, Aldi und Co. Und wenn man etwas sagt und auf den Sicherheitsabstand verweist, wird mit den Augen gerollt. Dämlich! Diese Leute sorgen dafür, dass das alles noch länger dauert!

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Katrin aus dem Landkreis Rosenheim

Ich bin medizinische Fachangestellte und arbeite in einer kleineren Hausarztpraxis im Landkreis Rosenheim. Was wir - und dafür spreche ich wahrscheinlich ich für alle medizinischen Fachangestellten - in letzter Zeit mitmachen, ist wirklich kein Spaß mehr. Wir haben ohnehin schon einen viel zu schlecht bezahlten Job, wie alle im medizinischen und pflegerischen Bereich. Aber wir machen diese Arbeit trotzdem gerne, weil es uns Freude bereitet, Menschen zu helfen. Andere würden für dieses Gehalt nicht mal einen Finger krümmen. 

In dieser schwierigen Zeit sitzen wir trotzdem noch an der "Front" um die medizinische Versorgung der Patienten bestmöglich zu gewährleisten. Wir gefährden unsere eigene Gesundheit, um die Patienten bestmöglich zu versorgen, da wir, leider im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, in dieser schweren Zeit trotzdem noch sozial denken und handeln. Es ist meiner Meinung nach selbstverständlich, allen Menschen die derzeit das System am Laufen halten und noch zur Arbeit gehen, wobei die meisten von diesen fleißigen Menschen derzeit noch mehr leisten als sonst, egal aus welchem Bereich (Medizin und Pflege, Postboten, Straßenbau, Bauarbeiter, Baustoffhandel, Lebensmittelgeschäfte inkl. Bäcker, Metzger etc.) entsprechend zu danken. Besonders hervorheben möchte ich speziell aber die medizinischen Fachangestellten und somit auch die Arztpraxen. 

Es wird zwar regelmäßig den Krankenhäusern bzw. Krankenschwestern und allen anderen Pflegekräften besonders gedankt (nun ja wohl auch durch entsprechende Bonus-Zahlungen, wie Herr Söder versprach) aber die niedergelassenen Ärzte und somit auch die medizinischen Fachangestellten werden selten erwähnt, obwohl wir in dieser Zeit überlebenswichtig sind und eine extremste Mehrbelastung, physisch wie auch psychisch durchstehen müssen, weshalb ich der Meinung bin, dass von diesen besagten Bonuszahlungen gerade hier auch etwas ankommen müsste, da wir spätestens jetzt eine entsprechende Wertschätzung verdienen. Denn ohne die Versorgung durch die niedergelassen Arztpraxen würde das ganze System noch mehr zusammenbrechen. Hier wünsche ich mir schon lange mehr Anerkennung.

Nicola aus Prien am Chiemsee

Mir persönlich ist es aufgefallen, dass hier bei uns im Ort die Leute viel freundlicher und netter miteinander umgehen. Das gilt für Nachbarn, die plötzlich viel aufgeschlossener sind und auch Spaziergänger, die man bei der Hunderunde trifft. Es wird immer gelächelt und gegrüßt. Das Personal in einem unserer Drogeriemärkte (vorher eher reserviert bis wenig freundlich) ist jetzt viel netter und man macht ein paar Scherze. Allgemein spricht man ganz anders miteinander. 

Das Gleiche gilt auch für einen unserer Supermärkte, der nicht im übervollen Gewerbegebiet liegt. Hier sind alle viel zugänglicher, aufmerksamer und sehr, sehr freundlich und geduldig. Auch das Miteinander mit anderen Kunden dort ist entspannt. Kein Stress um irgendwelche Waren - nix. Man hat das Gefühl "man sitzt in einem Boot" und fühlt sich verbunden. Klar ist es schade, dass es erst so einer Krise bedarf, aber ich finde, gerade jetzt ist das wirklich wichtig und deshalb "Danke!"

Christian aus Bayern

Was soll das? Ich verstehe das nicht, warum manche Menschen so unverantwortlich sind. Klar ist es momentan eine schwierige Zeit, aber wir müssen halt jetzt alle zusammen halten. Meine Schwester und eine Bekannte arbeiten im Einzelhandel und haben es zur Zeit nicht leicht, dem allen nachzukommen. 

Sie geben, genauso wie Ärzte, Pflegekräfte, und alle Fachkräfte im medizinischen Bereich, eh schon ihr Bestes. Und dann werden viele auch noch beschimpft, weil manche ihren Kragen nicht vollkriegen. Hört mit diesem Egoismus und der Ellenbogen-Gesellschaft auf. Wir sitzen alle im selben Boot. Helft besser alle mit und bleibt zuhause.

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Dienstag, 14. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 786 Todesfälle (Stand: Sonntag, 12. April, 16.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

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