Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Corona in Bayern: Wunsch nach Ausgangssperre und Sorge um Moritz (zehn Monate)

+
Zahlreiche Leser haben uns ihre persönlichen Geschichten in der Corona-Krise erzählt. Auch die Mutter von Moritz aus Bruckmühl hat die OVB24-Redaktion kontaktiert. 

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie es sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Corona-Krise um? Zahlreiche Leser/-innen haben uns Ihre persönlichen Geschichten und Gedanken erzählt. 

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Corona-Krise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet. 


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Markus aus Salzburg

"Meine Freundin wohnt in Bayerisch Gmain, Grenze zu Salzburg. Wir sind seit 14. November 2019 zusammen und haben uns bis dato jeden Tag gesehen und viel miteinander gemacht. Von einem Tag auf den anderen wurde das unterbrochen. Grenzschließungen. Wir wissen nun nicht, wie lange wir uns nicht sehen, aber es war sogar geplant, dass ich zu ihr ziehe. Das alles ist jetzt bis auf unbestimmte Zeit nicht möglich. Wir sind beide extrem traurig, dass wir uns nicht mehr sehen können. Es gibt keine Umarmungen oder Küsschen mehr. Das stellt unsere junge Liebe natürlich auf die Probe. Aber wir kämpfen dafür und hoffen, dass es bald vorbei ist und wir uns wieder in die Arme schließen können. Falls du das liest, Ich liebe dich."


Maria aus Ampfing

"Ich heiße Maria und bin Lokführerin bei der Südostbayernbahn. Das Coronavirus hat auch unsere Arbeit seit einigen Tagen fest im Griff. Wir, als Eisenbahner, sind tagtäglich mit der Ausnahmesituation konfrontiert. Wir sind dafür da, dass der öffentliche Personennahverkehr weitestgehend intakt bleibt und die Menschen, welche auf uns angewiesen sind, in die Arbeit und zurück kommen. 

Leider fällt mir jeden Tag immer mehr auf, wie viele Menschen die Anordnung der Regierung ignorieren. Ich fahre jeden Tag mehrere Gruppen durch das Land, sehe, wie Mütter dicht gedrängt auf Spielplätzen sitzen und die Kinder am Spielen sind. Ich kann die Ignoranz dieser Menschen nicht nachvollziehen. Ebenfalls die ganzen Kinder, die in größeren Gruppen durch die Gegend ziehen und es lustig finden, jetzt scheinbar 'Corona-Ferien' zu haben. 

Ich habe null Verständnis dafür. Auch wenn ich kein Freund davon bin, wünsche ich mir schnellstmöglich eine Ausgangssperre und wenn möglich, empfindliche Strafen bei Missachtung. Die Zahl der erkrankten Menschen in unseren Landkreisen steigt stetig. Was muss noch passieren, damit auch diese Menschen endlich daheim bleiben und die sozialen Kontakte zurückstellen? Ich bin wütend und sprachlos zu gleich."

Sandra aus Braunau am Inn

"Ich hoffe andere können sich mit meinem Beitrag ein wenig an der eigenen Nase packen. Ich selbst, 22 Jahre alt, bin vor etwa zwei Wochen aus Bayern nach Braunau gezogen. In meiner alten Wohnung befinden sich immer noch ein paar Dinge, die sich jetzt nicht mehr holen lassen. Hier in meiner neuen Heimat hat sich auf diese kurze Zeit, wie jeder mitbekommen hat, rasant etwas verändert. Was ich aus meiner eigenen Sicht berichten kann ist das, dass sich der größte Teil von Braunau und auch Österreich an die Regeln hält. 

Natürlich wird fleißig kontrolliert und bei Verstößen eingegriffen. Und siehe da, die Infektionszahlen steigen nur noch sehr langsam, bis gar nicht mehr an! Ich finde es bewundernswert, wie sich eine Gruppe verschiedener Menschen zusammen an ein paar einfache Regeln hält: Nur noch raus zum Einkaufen, spazieren gehen oder zur Arbeit.

In Deutschland und vor allem in Bayern/München sehe ich viel zu viele, die sich an diese neue Regeln noch nicht halten. Sicher ist es hier bei mir schon mehr zum Gesetz geworden, als zur Empfehlung. Aber solche Maßnahmen müssen doch nicht sein! Denkt doch nur an eure Großeltern oder an die der Freunde und Partner. Oder an alle Kranken, die mit diesem Virus ihr Leben verlieren könnten. Und das ist keine Spekulation, sondern Tatsache. Die Zahlen aller Infizierten steigen stetig, denn wir alle sind mögliche Überträger. Doch das Gute daran ist, wir können es verhindern!

Mein Leben hat sich in den letzten Tagen drastisch geändert, so wie das vieler anderer Österreicher. Aber nur auf Zeit! Um zu meiner Arbeit in Deutschland zu kommen, brauche ich eine Genehmigung. Meine Freunde sowie meine Familie in Bayern kann ich nicht mehr sehen. Und mein restlicher Umzug steht still. Natürlich sind das traurige Tatsachen, aber wenn ich somit das Leben meiner Eltern und das von anderen retten kann, ist die kurzzeitige Einschränkung kein Problem, sondern eine gute Tat.

Ich bitte alle, die diesen Beitrag zu lesen bekommen: 'Bleibt zu Hause! Ein paar Wochen in unserem langen Leben halten wir aus, um Menschen zu schützen die mit dem Virus keine Wahl mehr haben. Es wird sonst auch euch oder eure Familie treffen'."

Schorsch aus Bad Aibling

"Ich bin 40 Jahre alt und Schulbusfahrer in der Region Bad Aibling. Wie man sich denken kann, sind für mich und natürlich auch meinen Chef die Schulschließungen eine mittlere Katastrophe, da wir keine Arbeit mehr haben. Auch wenn die Arbeit nicht immer einfach ist und so manche Nerven kosten kann, könnte ich mir nichts Schöneres vorstellen. Auch 'meine Nervensägen' vermisse ich bereits. 

Seit Montag gibt es nun keinen Schulbusverkehr mehr. Bis Mittwoch haben wir zusammen im Team noch alle unsere Busse einer Grundreinigung unterzogen. Bis Donnerstag hatten wir noch zwei öffentliche Linien - aber das war es jetzt mit der Arbeit für eine noch ungewisse Zeit. Der emotionalste Moment für mich persönlich war der, als wir am Donnerstag die Nummernschilder der Busse zwecks Abmelden demontiert haben. Eine logische Maßnahme um Kosten zu sparen. Aber da kam es erst so richtig an, dass wir nicht in den Ferien sind, sondern die Lage echt ernst ist. Es fühlte sich an wie eine Kapitulation. Trotz allem sind wir der Meinung, dass dieser Schritt richtig und wichtig war!

Es wird weitergehen, die Busse werden irgendwann wieder fahren, wir werden auch nicht verhungern. Aber die nächsten Wochen werden hart werden. #bleibtdaheim #bleibtgesund #schütztdieGefährdeten"

Patricia aus Bruckmühl

"Mein Sohn Moritz ist zehn Monate alt, kleinwüchsig (SED congenita) und hat eine angeborene Lungenhypoplasie! Er fällt also unter die Risikogruppe. Bei den vollen Eisdielen und Spielplätzen machen wir uns einfach nur noch Sorgen um das, was noch kommt. Er hat sein Leben noch vor sich - hoffentlich!

Der zehn Monate alte Moritz aus Bruckmühl gehört zur Corona-Risikogruppe.

Mike aus Waldkraiburg

"Ich bin 53 Jahre alt und ein Risikopatient. Ich bekam 2019 eine neue Herzklappe und leide außerdem an einem Lungenemphysem und Bluthochdruck. Nicht nur das Verhalten der unbelehrbaren Mitmenschen kann einem Angst machen, sondern selbst der eine oder andere Arzt. Pflichtbewusst ruft man mit Grippesymptomen erst in der Praxis an, um Kontakte auszuschließen, aber dann wird man schon mit Abstrich oder ähnlichem hinbestellt und dort bekommt man die Kinnlade nicht mehr hoch. 

Trotzdem muss man, wie üblich nach der Anmeldung, im Wartezimmer zu den anderen Patienten. Dann empfängt einen der Arzt mit einem Handschlag. Nach der Diagnose 'Bronchitis' wird man dann für ein paar Tage lang krankgeschrieben. Ich kam mir vor wie in einem falschen Film." 

Jürgen aus Oberbayern

"Ich war am Donnerstag Wäsche fahren in München. Dort stehen die Leute ohne Respekt zusammen und ohne Abstand. Ich verstehe auch nicht, wie Menschen jetzt noch Party machen können. Ich bin froh, dass bald eine Ausgangssperre kommt." 

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Sonntag, 22. März, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Weitere persönliche Geschichten unserer Leser: 

Corona in Bayern: Getrennte Familien, komplette Isolation und eine Frau namens "Korona"

Traumjob verloren, Existenzangst und gemischte Gefühle zum Coronavirus in Bayern

Corona in Bayern: Getrennte Liebespaare und Unverständnis für Hamsterkäufer

Corona in Bayern: "Schönrederei", unbelehrbare "Party People" und autarke Versorgung

Corona in Bayern: Ignorante Rentner, Proben für die Liebe und Wunsch nach Wasserwerfern

Coronakrise in Bayern: Der Spagat im Homeoffice und Angst vor der Ungewissheit

Wie erlebt Ihr die Corona-Krise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits fünfzehn Todesopfer (Stand: Freitag, 20. März, 14 Uhr) gefordert. Am Montag (16. März) wurde vom Ministerpräsidenten Markus Söder der Katastrophenfall ausgerufen. Ab Samstag, 20. März, gelten zur Eindämmung des Coronavirus in ganz Bayern weltreichende Ausgangsbeschränkungen.

Am Dienstag (17. März) wurden alle nicht notwendigen Freizeiteinrichtungen geschlossen: Unter anderem Schwimmbäder, Sporthallen, Spielplätze, Bibliotheken, Sport- und Fitnessstudios, Volkshochschulen oder Jugendhäuser. Seit Mittwoch (18. März) dürfen nun Speiselokale und Betriebskantinen nur noch von 6 bis 15 Uhr geöffnet haben. 

Das österreichische Bundesland Tirol steht mittlerweile sogar komplett unter Quarantäne. Durch das Coronavirus wurden nun sogar die Abschlussprüfungen von Gymnasien, Realschulen, Mittelschulen und Wirtschaftsschulen verschoben

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

Kommentare