So erleben unsere Leser die Coronakrise

Abgewiesen am Grenzübergang: "Es ist nicht so leicht, seine Liebsten in Österreich zu besuchen!"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie hat auch Bayern fest im Griff. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Claudia aus Bad Tölz

Servus, Ihr habt ja auch von der Neuregelung berichtet, dass man jetzt mit einer Eigenerklärung unter bestimmten Umständen nach Österreich einreisen kann. Hierzu eine wahre Geschichte: Meine Tochter Jessica, seit 26. April 22 Jahre alt, hat vor einem Jahr im Urlaub ihren Tiroler Freund (Manual) kennengelernt. Beide führen seither eine Fernbeziehung und sehen sich eigentlich so alle zwei Wochen. Da meine Tochter allerdings am 19. März Zwischenprüfung in der Berufsschule gehabt hätte und sie sich dafür vorbereitet musste, haben sich die beiden das letzte Mal Ende Januar gesehen. Geplant war, dass sie dann über Ostern gemeinsam in Urlaub fahren - doch dann kam Covid-19. An Urlaub war nicht zu denken und das schlimmste, sie konnten sich überhaupt nicht sehen.


Als wir dann vor zwei Wochen gelesen haben, dass Lebenspartner besucht werden dürfen, konnte es Jessica erst gar nicht glauben! Ein gemeinsamer Geburtstag und Jahrestag war plötzlich in die Möglichkeit des Machbaren gerückt. Ich habe ihr für den 24.4. ein Zugticket gebucht, sie in Holzkirchen abgeholt, weil Zugverkehr nach Österreich ja leider momentan nicht stattfindet und sie dann zur Grenze Achensee gebracht. Wir hatten die ausgefüllte Eigenerklärung, eine Meldebescheinigung von Manuel und eine Kopie seines Ausweises dabei. An der Grenze angekommen (ca. 19:30 Uhr), teilte uns der Beamte mit, dass es die Regelung zwar gibt, jedoch die Bezirkshauptmannschaft Schwaz beschlossen hat, nur eingetragene Lebenspartner und verheiratete Personen passieren zu lassen. Sie können sich nicht vorstellen, wie uns beiden die Tränen in die Augen geschossen sind. Wir stehen an der Grenze, Manuel steht auf der anderen Seite um Jessica in Empfang zu nehmen und die lassen sie einfach nicht rüber. Ich hab mir den Mund fusselig geredet, es war nichts zu machen.

Es waren zwei Beamte/zwei Beamtinnen mit uns beschäftig und eine der Damen kam dann auf die Idee, in Kufstein an der Grenze anzurufen und nachzuhaken, ob es die Beschränkung dort auch gibt. Die Erleichterung war riesengroß, als sie uns mitteilte, dass dort eine Einreise für Lebenspartner ohne Trauschein erlaubt ist. Wir sind also vom Achensee zurück Richtung Tergernsee und dann über Miesbach auf die A93 Richtung Kiefersfelden/Kufstein. Manuel ist ebenfalls auf der österreichischen Seite vom Achensee nach Kufstein. Während der ganzen Fahrt war Jessica fix und fertig und hat nicht daran geglaubt, dass wir es an der Grenze schaffen würden. Gegen 21 Uhr waren wir endlich da und ein sehr netter Beamter sagte: "Natürlich können Sie über die Grenze mit den Papieren, aber Ihre Mutter nicht und da wir uns hier auf einer Autobahn befinden, können Sie ja schlecht laufen, also können Sie nicht rüber".

Wir haben ihm dann die ganze Liebesgeschichte erzählt und auch über den bevorstehenden Geburtstag. Für die Liebe hat er dann ein Auge zugedrückt, hat mich bis Kufstein Nord fahren lassen, wo Manuel auf Jessica wartete und die beiden sich endlich in die Arme fallen konnten. Und wenn es dort nicht geklappt hätte, wäre ich nach Salzburg gefahren :-)! Ich hätte jeden Grenzübergang abgeklappert, bis die Liebe gesagt hätte!

Anonym aus dem Landkreis Altötting

Im öffentlichen Nahverkehr besteht die Pflicht eine Maske zu tragen. Was auch richtig ist, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Auch an den Arbeitsstätten werden große Anstrengungen unternommen, um dem Infektionsschutz nachzukommen. Unglaublich finde ich die Beobachtung, dass Saisonarbeiter im Landkreis Altötting in vollbesetzten – teilweise überfüllten – Bussen dicht an dicht sitzend und die meisten ohne Mund-Nasen-Schutz zu den Feldern und sonstigen Arbeitseinsatzorten gefahren werden. 

Kaum auszudenken, wenn sich unter den mitfahrenden Saisonarbeitern ein oder mehrere Covid-19 Erkrankte/r befinden und sich viele anstecken. Wären unsere Krankenhäuser dann nicht überfordert? Gibt es etwa für bestimmte Branchen eine Sonderregelung?

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Christian aus Freilassing

Nützliche Links zu Corona:

Ich möchte euch gerne eine Geschichte zu den Lockerungen an der Grenze zu Österreich für Familienmitglieder erzählen. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder im Alter von 1,5 bis 6,5 Jahren. Wir sind alle österreichische Staatsbürger mit Wohnsitz in Freilassing. Aufgrund der Medienberichte der letzten Tage wollten wir vor ein paar Tagen wieder einmal seit sechs Wochen meine Eltern, die wohnhaft im Bundesland Salzburg sind, für ein paar Stunden besuchen. Nicht nur, das die Kinder nach Oma und Opa fragen, es ist auch umgekehrt nicht leicht für so lange Zeit die Enkelkinder und Kinder nicht zu sehen. 

Am 23. April wurden wir an der Grenze eines Besseren belehrt. An der Grenze wurden wir gefragt wo denn die Reise hingehen sollte, wir haben ehrlicherweise (leider) angegeben, meine Eltern im Flachgau besuchen zu wollen und in der Wohnung von meiner Schwiegermutter in der Stadt Salzburg nach dem Rechten zu sehen, da diese seit sechs Wochen alleine in ihrem Zweitwohnsitz lebt. Der Polizist wollte dies nicht entscheiden und hat uns an die Seite gewunken, wo sich dann zwei österreichische Soldaten um uns kümmerten. Natürlich hatten wir ein Schreiben meiner Eltern, einen Meldezettel meiner Mutter und eine Kopie vom Reisepass meines Vaters dabei, selbstverständlich hatten wir auch unsere Dokumente dabei, des Weiteren habe ich einen Pendlerausweis, da ich in Salzburg arbeite.

Nach langem Hin und Her wurde uns die Einreise nach Österreich nicht erlaubt!! Die Argumente waren: sämtliche Erledigungen könnte ich als Pendler nach der Arbeit erledigen und Familienbesuche sind nicht erlaubt. Dazu kommt noch, dass der Soldat an der Grenze gesagt hat, wenn wir morgen kommen und ein anderer Soldat die Einreise lockerer nimmt, könnten wir vielleicht einreisen. Ich finde nicht, dass dies ein fairer Umgang ist!!!

Dies hat uns betroffen. Jetzt noch von meiner Nachbarin, die in Hochburg auch ihre 92-jährige Mutter seit sechs Wochen wieder einmal sehen wollte. Sie hatte natürlich auch alle Dokumente mit dabei und wurde auch an der Grenze abgewiesen. Es ist nicht so leicht, seine Liebsten in Österreich zu besuchen! 

Christine aus Bayern

Ich bin ja nicht so die Meinungsschreiberin aber ich muss Kathrin aus Oberbayern recht geben. Ich bin eine Oma und meine Schwiegertöchter sind zu bedauern. Alles wird bis ins Kleinste ausdebattiert, nur die Kinder werden total vergessen. Keine Schule, kein Kindergarten, keine Spielplätze. 

Ausgerechnet die Kleinsten, die Bewegung und den sozialen Kontakt mit den Freunden dringend benötigen, werden in jeder Konferenz fast total vergessen und vertröstet. Und ich denke dass wir als "Alte" eigenverantwortlich genug sind, um uns mit Abstand zu den Kindern und Enkeln zu sehen. Gebt den Kindern die Freiheit und den Mamas die Möglichkeit, sich von überstrapazierten Nerven zu erholen.

Tanja aus Kiefersfelden

Ich habe den Beitrag von Christoph aus der Kiefer gelesen und mache hier ganz sonderbare Erfahrungen. Wir wohnen zwar in der Kiefer, haben aber ein Schweinfurter Nummernschild. Von einem Wirt in einer Nachbargemeinde, dessen Gaststätte geschlossen ist und den wir fragten, ob wir für einen Spaziergang parken dürften, wurden wir schlicht weg vom Hof gejagt. Natürlich ist die Situation gerade für Gaststätten sehr schwierig, aber das ging mir dann doch zu weit.

Die Parkplätze, die wir anfahren, sind mehr als frei, aber manche Leute würden uns gerne aus dem Auto zerren, wenn wir unterwegs sind. Ich muss und will mich auch nicht jedem erklären, aber ein Krise zeigt auch immer die hysterische Variante unserer selbst. Ansonsten sind die Leute im Einzelhandel und in den Restaurants, bei denen food-to-go angeboten völlig freundlich – wie eigentlich immer.

Umfrage

Yulia aus Rosenheim

Trotz der aktuellen Situation haben sich 15 Musiker zusammengetan und ein absolut geniales Video auf die Beine gestellt. Die Message dahinter ist ermutigend! Sie möchten uns nicht nur mit dem Song helfen, die Hoffnung aufrecht zu erhalten. Sie möchten uns auch motivieren, die Zeit für unsere Hobbys zu nutzen und positiv zu bleiben. Ich finde es beeindruckend! 15 Musiker unter einen Hut zu bekommen und diese geballte Ladung dann auch noch für eine tolle Message zu nutzen.

Anonym aus Julbach

Ich finde es schlicht und ergreifend traurig, wie viele uneinsichtige Menschen noch rumlaufen. Wie blöd muss man eigentlich sein, wenn man unbedingt Partys feiern muss?? Es kann doch nicht so schwer sein, wenn man sich zusammenreißt, damit wir das Virus losbringen und dann wieder mehr Freiheiten genießen können. Ich wäre dafür, jeden der gegen eine Vorgabe verstößt, mit erheblichen Strafen zu belegen. Vielleicht merkt sich dann auch der Dümmste, was eigentlich momentan los ist

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Mittwoch, 6. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.950 Todesfälle (Stand: Dienstag, 5. Mai, 14.40 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle

Die von Ministerpräsident Markus Söder beschlossene Ausgangsbeschränkung wird ab Mittwoch, 6. Mai, in eine "Kontaktbeschränkung umgewandelt. Das heißt, man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen. Zudem werden Treffen von Familien (Eltern, Großeltern, Enkel) wieder erlaubt. Allerdings darf man sich weiter nur mit einer haushaltsfremden Person treffen.

Ab Montag, 11. Mai, dürfen wieder große Kauf- und Möbelhäuser sowie Shopping-Malls vollständig öffnen. Die Maskenpflicht besteht aber weiterhin. Ab Montag, 18. Mai, können dann auch Biergärten bis 20 Uhr und ab Montag, 25. Mai, auch wieder Speiselokale aufsperren (bis 22 Uhr) - allerdings unter sehr strengen Hygienekonzepten. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/fn

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