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Das grüne Gold als echter Allrounder

Ob Gourmetküche, Beauty oder Arznei: Hopfen hat Superpower

Hopfen
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Hopfen ist ein echtes Multitalent.

Er schmeckt im Bier, aber auch in der Gourmetküche. Er beruhigt die Nerven und entspannt im Badewasser. Hopfen ist ein echter Allrounder. Was er alles kann, erfahrt Ihr hier.

von Andrea Schmiedl

„Humulus Lupulus“ – Das ist der lateinische Name des „Echten Hopfens“. Bereits seit dem achten Jahrhundert wird er in Deutschland angebaut, heute auf einer Fläche von über 18.000 Hektar. Ein Großteil der Felder liegt in der bayerischen Hallertau. 

Von dort bezieht auch die Schlossbrauerei Maxlrain ihren Hopfen. Trotzdem hat man sich vor einigen Jahren entschlossen, direkt hinter dem Bräustüberl einen eigenen Hopfengarten anzulegen – den südlichsten Deutschlands. Er ist rund zwei Hektar groß und ein reiner Schaugarten. Um den Hopfen in der eigenen Brauerei verwenden zu dürfen, müsste Maxlrain in einem sogenannten Siegelbezirk sein – ist es aber nicht. „Es geht eher darum, den Leuten zu zeigen, wie Hopfen aussieht und wie er wächst. Er schafft bis zu zehn Zentimeter am Tag“, sagt Josef Kronast, Braumeister in Maxlrain.

Der Hopfenanbau

Der Hopfen ist eine anspruchsvolle Pflanze, für deren Anbau es Sorgfalt, Erfahrung und Wissen braucht, außerdem nährstoffreiche, lockere und feuchte Böden sowie geeignete Witterungsverhältnisse. Er benötigt ausreichend Niederschlag, kühle Nächte und sonnige Tage – von allem etwas. „Hopfen ist eine Rankpflanze und wächst bis zu zehn Meter hoch. Und die Wurzeln reichen fast genauso weit in den Boden hinein. Deswegen ist die Qualität des Bodens so wichtig“, erklärt Kronast. „Und in der Hallertau sind Bodenbeschaffenheit und Klimaverhältnisse ideal. Seit sieben Jahren haben wir einen kontrollierten Vertragsanbau mit einem festen Partner, der für uns jedes Jahr genau die Menge Hopfen anbaut, die wir brauchen.“ Die Schlossbrauerei hat sich dazu verpflichtet, ausschließlich Zutaten aus Bayern für ihr Bier zu verwenden.

Hopfen benötigt zum Wachsen ausreichend Niederschlag, kühle Nächte und sonnige Tage.

Im Frühjahr sprießen zahlreiche Triebe aus dem Boden, von denen die kräftigsten um nach oben gespannte Drähte gewunden werden. Die übrigen werden entweder beseitigt oder landen als Hopfenspargel auf den Tellern von Gourmets. Bis Ende August ranken sich die Pflanzen etwa sieben Meter nach oben. Dann werden die Dolden – Blüten – geerntet, indem die Reben maschinell abgerissen und die Dolden abgetrennt werden. „Nachdem Blätter und Stiele entfernt wurden, werden die Dolden vor Ort auf der sogenannten Darre bis zu einem bestimmten Feuchtigkeitsgrad heruntergetrocknet. Das ist ein Geruchserlebnis!“, erzählt der Braumeister. Danach werden sie gepresst und gekühlt. Meist werden sie im Anschluss zu Pellets verarbeitet und erreichen so und dank luftdichter Verpackung eine wesentlich längere Haltbarkeit. Mehr als 95 Prozent der weltweiten Hopfenernte gehen ins Bier. 

Hopfen als „Seele des Bieres“

Obwohl der Hopfen neben Malz, Wasser und Hefe mengenmäßig die geringste der vier Zutaten ist, ist er unverzichtbar beim Bierbrauen. Genutzt wird das Lupulin, ein goldgelbes Pulver, das in den Dolden steckt. Es verfügt über Bitterstoffe, Aromastoffe, Gerbstoffe und Polyphenole. Sie geben dem Bier seinen charakteristischen Geschmack, machen es haltbarer und sorgen für den Schaum auf dem frisch Gezapften. „Der Hopfen ist wie das Salz in der Suppe“, sagt Kronast. Und das, obwohl sein Anteil bei nur etwa 200 bis 500 Gramm pro 100 Liter liegt. Während man in Maxlrain knapp drei Tonnen Malz jährlich braucht, sind es beim Hopfen nur ein paar hundert Kilo. Je nach Biersorte variiert die Menge: Im Weißbier ist am wenigsten drin, im Pils am meisten. „Nach dem Reinheitsgebot gibt es nur vier Zutaten, mit denen man die verschiedenen Geschmäcker beeinflussen kann. Dafür gibt es aber immer wieder neue Züchtungen, wie etwa den Mandarin-Hopfen oder einen mit Zitrusnote. Das riecht und schmeckt man dann tatsächlich – komplett ohne künstliche Aromen“, sagt der Bierexperte.
Für die Bierproduktion ist übrigens nur die weibliche Hopfenpflanze von Interesse, denn nur sie bildet die charakteristischen Dolden aus. 

Hopfen ist zum Bierbrauen unverzichtbar.

Der Hopfen aus Maxlrain wird aufgrund des fehlenden Siegels zwar nie zum Geschmack eines Bieres beitragen, trotzdem wird er laut Josef Kronast vielseitig verwendet: „Er wird zu Kränzen gebunden, viele Ranken gehen raus als Bierzeltdeko. Man nutzt ihn für Tees, Kissenfüllungen und Bäder. Außerdem gibt es den Hopfenspargel, der sehr geschmackvoll ist.“

Hopfen als Heilpflanze

Noch bevor Hopfen ein wichtiger Bestandteil von Bier wurde, schätzte man ihn bereits als Heilpflanze, denn schon seit Jahrhunderten ist seine beruhigende Wirkung bekannt. Er wird als pflanzliches Arzneimittel bei Angstzuständen und Schlafstörungen empfohlen. Studien haben auch antibakterielle, appetitanregende und krampflösende Eigenschaften nachgewiesen. 2007 wurde der Hopfen sogar zur „Arzneipflanze des Jahres“ gekürt. Die Hopfendolden werden zu Tee oder Tinkturen verarbeitet. Äußerlich kann eine antibakterielle Hopfentinktur etwa bei entzündeten Wunden eingesetzt werden. Als Tee wird Hopfen oft mit Melisse oder Baldrian gemischt, da er recht bitter ist. Die Kombination ergibt einen wohlschmeckenden Beruhigungstee, der auch Magen- und Bauchkrämpfe lindert.
Mit Hopfen gefüllte Duftkissen neben dem Bett verströmen einen angenehmen Geruch und erleichtern das Einschlafen. Auch für einen Badezusatz kann man sich die entspannenden Eigenschaften des Hopfens zunutze machen: einfach ein mit Dolden gefülltes Säckchen ins Badewasser legen.

Aus Hopfen kann man Likör oder Schnaps herstellen.

Hopfen als Delikatesse

Die jungen Hopfentriebe, die nicht für die Hochzucht ausgewählt werden, sind ein eher unbekanntes, aber sehr gesundes und schmackhaftes Gemüse. Den seltenen Hopfenspargel bekommt man mit etwas Glück im Frühling in den Anbaugebieten direkt bei den Bauern. Er ist eine teure Spezialität, da seine Ernte sehr aufwendig ist. Je nach Bodenart kann es bis zu zwei Stunden dauern, ein Kilo Hopfensprossen von Hand zu pflücken. Danach lassen sie sich verarbeiten wie Spargel. Gekocht schmecken die Sprossen nussig und würzig. Das Frühlingsgemüse und einstige Arme-Leute-Essen gilt heute als echte Delikatesse. Aus Hopfen kann man außerdem Likör oder Schnaps herstellen, ebenso wie Hopfenessig. Neben den jungen Trieben im Frühling sind auch die im Herbst ausgebildeten Samen essbar. 

Hopfen und Bier-Wellness

Die in Hopfen enthaltenen Stoffe können unter anderem der Faltenbildung entgegenwirken. Dafür setzt man Hopfenöl ein. Das kann man selbst herstellen, indem man die Dolden in einem Schraubgefäß mit hochwertigem Pflanzenöl übergießt und ein bis zwei Wochen lichtgeschützt ziehen lässt. Dann seiht man das Öl ab und bewahrt es in einem desinfizierten Glas kühl und lichtgeschützt auf.
Auch Bier macht schön: Gerste und Hopfen enthalten zahlreiche Spurenelemente, Mineralstoffe und B-Vitamine, die schönes Haar zaubern und die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Außerdem wirkt der Hopfen entzündungshemmend. Das Vitamin B in der Bierhefe übt einen revitalisierenden Effekt auf den Körper aus und die enthaltene Kohlensäure verbessert die Durchblutung. In einigen Spas werden inzwischen entschlackende Bierbäder und beruhigende Hopfenöl-Massagen angeboten .Ebenfalls im Trend: Bier-Gesichtsmaske und Bier-Shampoo. Die Hefe stärkt das Haar, Hopfen und Gerste steigern das Volumen und verleihen ihm einen natürlichen Glanz.

Der Allrounder

Die meterhohe Kletterpflanze bildet im Sommer einen dichten Sichtschutz. Deshalb wird sie oft an Zäunen oder in Kübeln auf Balkonen und Terrassen gezogen. Die mehrjährige Zier- und Nutzpflanze braucht wenig Pflege, wichtig ist nur eine Rankhilfe.
Man kann den Hopfen auch einfach den Singvögeln zur Verfügung stellen. Denen dienen die Ranken nämlich als optimale Nisthilfe. Oder sie tun ihren Dienst in alten Bibliotheken: Dort legt man sie hinter die Buchreihen, um die alten Werke vor dem Verfall zu schützen. Der Hopfen reguliert die Luftfeuchtigkeit und hält dank seiner ätherischen Öle schädliche Insekten fern.

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