DAV: Präsident steigt vom Gipfel

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Ludwig Wucherpfennig ist der neue Präsident des Deutschen Alpenvereins.

München - Der Deutsche Alpenverein braucht einen neuen Präsidenten. Der bisherige Chef, Professor Heinz Röhle, hat hingeworfen. Mitglieder hatten ihn wegen seines autoritären Stils angegriffen.

Es hatte schon länger im Deutschen Alpenverein (DAV) rumort. Mitglieder warfen dem Präsidenten Professor Dr. Heinz Röhle (54) immer wieder „hierarchischen Führungsstil“ vor. Bei der Verbandsratssitzung am Freitag nahm man ihn dann unter Beschuss. Nach mehr als zwei Stunden wurde der Streit abgebrochen, um wieder über Sachthemen zu diskutieren – über den Zuschuss zu Kletteranlagen, den Bau von Hütten. Doch am Samstag in der Früh ging der Zoff schon wieder weiter – und eskalierte.

Heinz Röhle machte kurzen Prozess: Er stand auf und erklärte seinen Rücktritt als Präsident des weltgrößten Bergsteigerverbands. Außerdem verkündete er gleich seinen Austritt aus dem Verein. Danach verließ er die Sitzung. Es musste erst ein neuer Präsident gewählt werden – Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig (70) aus Hildesheim – bevor es wieder um die Tagesordnung ging. Zurück blieben die überraschten Mitglieder des Verbandsrats. Mit dem Rücktritt hatte offenbar keiner gerechnet. „Die Entwicklung war nicht vorherzusehen“, beteuert Thomas Urban, Hauptgeschäftsführer des DAV.

Laut Urban hat es keine inhaltlichen Vorwürfe an Röhle gegeben. Vielmehr habe eine „intensive Diskussion“ stattgefunden, „wer das Sagen hat im Verband“. Laut Satzung hat der Präsident keine Sonderstellung unter den fünf Präsidiumsmitgliedern. Röhle aber habe gedacht, dass seine Stimme mehr zähle, beschwerten sich Mitglieder. Der DAV sei ein demokratischer Verband, betonten sie. Sie wollten mehr einbezogen werden, wünschten sich mehr Team-Geist von Röhle. „Es gab eine klare Stimmung gegen ihn“, sagt Thomas Urban. Röhle habe daraus geschlossen, „dass die Mehrheit des Verbands kein Vertrauen mehr zu ihm hat“. Der schnelle Rücktritt sei eine typische Röhle-Reaktion. „Er ist ein spontaner Mensch.“

Der gebürtige Münchner Heinz Röhle ist Forstwissenschaftler. Er hat in München studiert und wurde 1996 an eine Professur an der Technischen Universität Dresden berufen. Im Oktober 2005 wurde der begeisterte Bergsteiger, Kletterer und Skitourengeher DAV-Präsident. Er gilt als strikter Naturschützer. „Er ist jemand, der gerne führt und vorne dransteht“, sagt Thomas Urban. Röhle selbst war nach seinem Rücktritt nicht zu erreichen.

In der Bergsteiger-Szene wusste man schon länger von Konflikten in der DAV-Spitze. „Präsident contra Verbandsrat contra Geschäftsführung“, sagt Georg Steinbichler, freier Journalist aus der Szene. Er vermutet, dass es Streit über die Ziele des DAV gab. Dabei gehe es zum Beispiel um die Olympischen Winterspiele in München. Der Verein spricht sich dafür aus, allerdings unter strengen Umweltstandards. Laut Steinbichler geht es nun um die Frage: „Wann müssen wir uns zurückziehen?“

Bergsteiger-Legende Reinhold Messner wundert sich nicht, dass es in der DAV-Spitze Probleme gibt. Die wichtigsten Menschen im DAV seien gegangen oder gegangen worden. „Ich habe erwartet, dass der DAV früher oder später auseinander kracht.“ Er selbst hat sich vor Jahren mit Röhle und dem DAV überworfen – dort herrsche ein „System der Ausgrenzung“.

Bis zur Hauptversammlung im Herbst steht Ludwig Wucherpfennig dem DAV vor. Er höre sich alle Meinungen an und vertrete nach außen, was die Mehrheit sagt, erklärt Urban. Wucherpfennig will im Herbst aber nicht kandidieren. Nun sucht der DAV einen neuen Präsidenten.

Nina Gut

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