Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Tests trotz 3G-Regel auch für Geimpfte?

Hartnäckige Falschinformationen zur Impfung und ein Knackpunkt, der Mediziner umdenken lässt

Trotz Impfung weiter getestet werden? Während manche genau das fordern, wehren sich andere dagegen. Zwischen unwahren Aussagen findet sich aber eine Forderung, welche auch von Experten Zuspruch erfährt.
+
Trotz Impfung weiter getestet werden? Während manche genau das fordern, wehren sich andere dagegen. Zwischen unwahren Aussagen findet sich aber eine Forderung, welche auch von Experten Zuspruch erfährt.

Wie sehr eine Diskussion an falschen Informationen und emotionalen Reaktionen kranken kann, sieht man aktuell beim heiklen Thema der 3G-Regel. In der Debatte verschwimmen zeitweise die Grenzen zwischen Falschinformationen und Forderungen, denen sogar namhafte Institute, wie das RKI beipflichten.

Bayern - Es ist eine Regel, die polarisierender nicht sein könnte. Wenn die Teilnahme am öffentlichen Leben nicht mehr für alle gleichermaßen unter denselben Vorraussetzungen möglich ist, ist das Zündstoff für Diskussionen. Egal, ob man nun Geimpft, Genesen oder Ungeimpft ist, das Gefühl einer Ungerechtigkeit ist derzeit besonders auf Social-Media-Plattformen geradezu greifbar.

Immer mehr Geimpfte verhärten sich in der Diskussion auf die bequeme Position, man könne sich doch einfach impfen lassen und einer Testpflicht so entgehen. Nicht selten wird dabei in einen herablassenden Umgangston verfallen, wenn es um die Befürchtungen von (noch) Nichtgeimpften geht.

Auf der anderen Seite stehen Personen, welche sich aus verschiedensten Gründen nicht impfen lassen können oder wollen. Von deren Seite wird immer öfter das Wort „Impfrassismus“ gebraucht und auch das Heraufbeschwören eines Bildes von diktatorischen Maßnahmen sowie dem angeblich nun geltenden Impfzwang muss man nicht lange suchen. Die Nerven liegen blank.

So nachvollziehbar die Verteidigungshaltung Ungeimpfter ist, neben diskutablen Gründen wie der persönlichen Entscheidungsfreiheit kommt es immer häufiger zu zwei faktisch widerlegbaren Aussagen. 

Aussage 1: Risiko einer Corona-Impfung ist vergleichbar mit einer Coronainfektion

Oft wird die Aussage getroffen, dass die Impfung mindestens genauso gefährlich sei, wie eine Infektion mit SARS-Cov-2. Diese Aussage ist nachweislich falsch, verunsichert aber viele. Es wird von zahllosen Toten geredet, die wegen der Impfung gestorben seien. Man müsse sich das Risiko von Corona und der Impfung vor Augen halten, heißt es. Doch wie sind die Risiken tatsächlich gewichtet?

In einem Bericht der Berliner Zeitung vom 2. August ist die Rede von insgesamt 1028 Todesfällen in Deutschland im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. Dabei ist nicht belegt, ob die Impfung tatsächlich für den Tod verantwortlich war. Dem gegenüber stehen zu dem Zeitpunkt 39,3 Millionen vollständig Geimpfte Personen in Deutschland. Das entspricht einem Anteil von etwa 0,003 Prozent oder rund drei von 100.000 (Anm. d. Red.: ursprüngliche Prozentzahl „0,03“ und folgendes Verhältnis „3/10.000“ korrigiert).

Dem gegenüber stehen bislang (Stand 26. August) 3,91 Mio. an Corona Erkrankte mit 92.090 Todesfällen, bei denen klar ist, dass Corona eine Rolle spielte. Das entspricht rund zwei Prozent der Erkrankten, welche in Folge verstarben. Das sind zwei von 100.

Es stehen also bezüglich der Todesfälle drei Verdachtsfälle von 100.000 bei der Impfung gegenüber zwei von 100 bei einer Corona-Infektion.

Aussage 2: Corona-Impfung ruft Spätfolgen hervor

Regelmäßig findet sich auch das Argument, dass man ja nicht wisse, ob nicht in einem Monat, einem halben Jahr oder auch in fünf bis zehn Jahren nach der Impfung nicht Nebenwirkungen auftreten würden oder gar Geimpfte plötzlich in Massen sterben würden. Die Worte Langzeitnebenwirkungen und Spätfolgen werden hierbei oft genutzt. Dabei ist diese Kombination irreführend.

Spätfolgen, also Folgen, die erst nach langer Zeit auftreten, gibt es bei der Impfung nicht. Auch bei anderen oft angeführten Vorfällen, wie bei der Grippeimpfung mit Pandemrix oder der frühen Pockenimpfung, welche gerne als Musterbeispiel für „Spätfolgen“ genutzt werden, traten die schweren Nebenwirkungen binnen weniger Wochen auf. Nicht erst Monate oder gar Jahre später. Der Zeitraum, bis diese aufgrund ihrer Seltenheit mit den Impfungen in Zusammenhang gebracht werden konnten, war jedoch länger.

Wer also seine Impfung schon ein paar Wochen hinter sich hat und sie gut vertragen hat, muss sich keine Sorgen machen, ob nicht in einem Jahr unerwartet Nebenwirkungen folgen.

Knackpunkt in der Debatte um 3G: Wer geimpft ist, kann immer noch ansteckend sein

In der Streitfrage, ob es ausreicht, geimpft zu sein, um von der Testpflicht ausgenommen zu sein, wird oft angemerkt, dass auch Geimpfte noch erkranken und auch anstecken können. Das ist allgemein korrekt, jedoch wird dabei oft ein relevanter Aspekt ausgelassen, der das Argument relativiert. Nichts desto trotz sprechen sich auch namhafte Institutionen für eine Testpflicht aus, die auch für Geimpfte gilt.

Richtig ist: wer vollständig geimpft ist, der ist zwar nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion geschützt, das Risiko, das dies geschieht, ist im Vergleich mit einer ungeimpften Person aber deutlich geringer. Einer schottischen Studie zu den Impfstoffen von BioNTech Pfizer und AstraZeneca zufolge schützt die doppelte Impfung zu 79 Prozent und 60 Prozent vor einer Infektion mit der Delta-Variante.

Hier gibt es jedoch offenbar Interpretationsspielraum. Beispielsweise sprachen sich der Chef der Bundesärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, sowie das RKI für die Testung von Geimpften aus, auch wenn diese nur leichte Symptome zeigen. Der Immunologe und Wissenschaftliche Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin, Dr. Andreas Radbruch, ist wegen der nicht 100 prozentigen Sicherheit der Impfung sogar der Meinung: „Auch Geimpfte und Genesene sollten weiter getestet werden.“

Auch interessant: Kommentar zur Debatte um 3G-Regel - Tests auch für Geimpfte wichtig

mda

Kommentare