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Bayerns Transitstreit mit Tirol

Spediteure und Brummi-Fahrer rebellieren gegen Söders Maut-Plan

Auf 37 Kilometern stauten sich die Lkw am Dienstag auf der A93 bis zum Irschenberg auf der A8.
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Auf 37 Kilometern stauten sich die Lkw am Dienstag auf der A93 bis zum Irschenberg auf der A8.

Um den Transitstreit mit Tirol zu befrieden, will Ministerpräsident Markus Söder mit erhöhten Mautgebühren die Brenner-Route entlasten. Das sorgt für einen Aufschrei bei den Spediteuren.

München – Sieben Stunden. So lange stand Christina Scheib schon im Stau an der Tiroler Grenze. Als Lkw-Fahrerin ist sie immer unter Zeitdruck. „Innerlich macht man sich die ganze Zeit Gedanken: Wo kann ich sicher stehen? Hoffentlich passiert nichts. Wo darf ich überhaupt hinfahren? Wenn ich dann noch Termin-Ware geladen habe, ist das purer Stress“, erzählt die 36-Jährige. Wenn sie nicht rechtzeitig abladen kann, denken Kunden möglicherweise, sie sei unzuverlässig.

Die selbstständige Unternehmerin fährt regelmäßig von Deutschland nach Italien. Sie und andere bayerische Spediteure und Transportunternehmer sind wütend. Viele fahren nur noch ungern über die A 93 Richtung Österreich, seit Tirol regelmäßig nur noch eine bestimmte Anzahl an Brummifahrern über die Grenze lässt, um die Inntalautobahn zu entlasten. Und jetzt ärgern sie sich auch noch über Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Denn um die Zahl der Lkw Richtung Brenner zu verringern, hat er vorgeschlagen, die Mautgebühren zu erhöhen. Dann würden alternative Routen attraktiver. Doch Alternativen gibt es aktuell gar keine – sagen die Spediteure.

„Söder hat, wie so viele andere Politiker, von unseren Transportabläufen und unserer Kostenstruktur keine Ahnung“, schimpft Roman Mayer, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition mit Sitz in Gersthofen bei Augsburg. Die Aussage Söders, die Schweizer-Route durch Mauterhöhungen Richtung Brenner attraktiver zu machen, verärgert den 73-Jährigen sehr: „Das ist keine Alternative. Durch die Zollabfertigung in der Schweiz würden die Frachtpreise so hoch, das will kein Kunde bezahlen. Außerdem reglementiert die Schweiz auch die Durchfahrtszeiten.“

Daher bliebe nur die Route über die A 93. Dass es sich dort staut, sei ein künstliches Problem, sagt Sebastian Lechner, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied vom Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen. „Neben der Blockabfertigung hat Tirol auch ein sektorales Fahrverbot bestimmter Güter veranlasst.“ Steine, Stahl und Co. seien „bahngeeignet“ und dürfen nicht mit Lastern transportiert werden.

Außerdem verursache das Nachtfahrverbot zusätzlich Schlangen an der Grenze. „Das sollte die erste Maßnahme sein, die wieder aufgehoben gehört“, sagt Lechner. Als langfristige Lösung, da sind sich Lechner und Mayer einig, müsse der Transport auf die Schiene verlagert werden. Aber aktuell sei das nicht stemmbar. Zwar besteht die Möglichkeit, mit der ROLA (Rollende Landstraße, ein Transportzug für Lkw ab Wörgl Richtung Italien) die Strecke über Schienen zurückzulegen. Das sei aktuell aber noch keine Alternative. „Die aktuelle Auslastung auf dem Brenner kann dadurch nicht kompensiert werden“, sagt Christina Scheib, die die ROLA selbst getestet hat. Und Lechner sagt, durch den Stau auf deutscher Seite würden die Lkw auch daran gehindert, nach Wörgl zum Bahnterminal zu fahren.

Christina Scheib stand schonmal für sieben Stunden an der Grenze zu Tirol im Stau.

Daher ist Roman Mayer regelrecht empört über Söders Maut-Pläne: „Das ist dermaßen weltfremd, weil es momentan außer der Straße nach Italien keine Alternative gibt. Die Bahntrassen von Deutschland nach Italien sind überlastet. Italien hat schon einen Tunnel gebaut. Aber in Deutschland gibt es nicht einmal eine Trasse Richtung München.“

Am hohen Verkehrsaufkommen werde die Maut nichts ändern. Bestraft würden nur die Speditionen. Währenddessen stehen wie erst am Dienstag wieder kilometerlang die Lkw am Grenzübergang. „Die haben den Motor laufen, die haben die Standheizung an oder im Sommer die Klimaanlage. Ob das so umweltfreundlich ist, bezweifle ich, und der Smog macht auch nicht Halt vor Österreich“, sagt Truckerin Christina Scheib. Dabei sei der Schutz der Umwelt und der Anwohner doch gerade der Grund für die Maßnahme.

Sebastian Lechner betont, dass er Verständnis für die Anwohner habe. „Falls sich Tirol daher nicht auf eine Aufhebung des Nachtfahrverbots einlassen will, dann würde ich mir wenigstens eine Aufhebung für Lkw mit der besten Schadstoffklasse wünschen. Die sind auch lärmarm.“ Auch Christina Scheib kann die Sorgen der Anwohner im Inntal verstehen. „Aber die Menschen, die sich ärgern, sind auch die, die den italienischen Wein, Himbeeren und Erdbeeren wollen. All das wird mit Lastwagen transportiert.“ 

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