Nach Monaten der Übersterblichkeit

Weniger Sterbefälle im Februar 2021 als in Vorjahren trotz Corona-Pandemie

Sterbefälle nach Kalenderwochen 2020/2021 (darunter COVID-19) im Vergleich zu 2016 – 2019 (Durchschnitt) bzw. 2017 – 2020 (Durchschnitt) - (gestrichelte Werte enthalten Schätzanteil).
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Sterbefälle nach Kalenderwochen 2020/2021 (darunter COVID-19) im Vergleich zu 2016 – 2019 (Durchschnitt) bzw. 2017 – 2020 (Durchschnitt) - (gestrichelte Werte enthalten Schätzanteil).

Im Februar sind die allgemeinen Sterbefallzahlen in Deutschland deutlich zurückgegangen. Im vergangenen Monat wurden weniger Tote als in den drei Jahren zuvor registriert. Das Statistische Bundesamt spricht von der schwächsten Grippewelle aller Zeiten.

Wiesbaden - Laut Hochrechnungen des Statistischen Bundesamtes liegt die Sterblichkeit im Februar 2021 in Deutschland unter dem Durchschnitt der Vorjahre. Insgesamt sind 81746 Menschen gestorben. Diese Zahl liegt drei Prozent oder 2 632 Fälle unter dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2020 für diesen Monat (ohne Pandemie). In der letzten Februarwoche (22. bis 28.02.) lagen die Sterbefallzahlen bereits 11 Prozent oder 2 266 Fälle unter diesem Vierjahresdurchschnitt für eine achte Kalenderwoche.

In dieser Woche gab es laut dem RKI 2 396 COVID-19-Todesfälle. Die Zahl ist damit gegenüber der Vorwoche um 666 Fälle gesunken. Insgesamt gingen die Sterbefallzahlen in der sechsten Kalenderwoche weiter zurück. 

Seit Anfang Februar sank die Übersterblichkeit in allen Bundesländern. In keinem Bundesland lagen die Sterbefallzahlen in dieser Woche noch um mehr als 30 % über dem Durchschnitt der vier Vorjahre. In der letzten Januarwoche (25. bis 31. Januar) wurde dieser Wert noch in Thüringen (+38 %), Sachsen-Anhalt (+36 %) und Sachsen (+31 %) überschritten. Eine grafische Übersicht zur Entwicklung der Sterbefallzahlen für alle Bundesländer ist hier verfügbar.

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Schwächste Grippewelle aller Zeiten

Auffällig ist zudem die Auswertung der Todesfälle, die auf andere saisonale Atemwegserkrankungen wie Influenza (Grippe) zurückzuführen sind. Laut aktuellem Influenza-Wochenbericht des RKI ist die Aktivität anderer Atemwegserkrankungen, die normalerweise mit einem Anstieg der Sterbefallzahlen am Jahresanfang zusammenhängt, in dieser Wintersaison auf einem vorher nie erreichten, niedrigen Niveau.

Insbesondere in den Jahren 2017 und 2018 waren die Sterbefallzahlen durch starke Grippewellen in den ersten Monaten des Jahres deutlich erhöht. Diese Entwicklungen spiegeln sich auch im Durchschnitt der gesamten Sterbefallzahlen für die Vorjahre wider. Sie erklären laut Bundesamt, warum im Laufe des Februars die gesamten Sterbefallzahlen trotz der neu auftretenden COVID-19-Todesfälle unter den Durchschnitt der Vorjahre gefallen sind.

Neben der Vermeidung von COVID-19-Todesfällen können die Maßnahmen und Verhaltensänderungen so auch dafür gesorgt haben, dass weniger Sterbefälle durch andere Infektionskrankheiten wie beispielsweise die Grippe verursacht werden, was sich ebenfalls auf die Differenz zum Durchschnitt auswirkt.

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Übersterblichkeit im Jahr 2020 in Deutschland

Vorläufige Daten für das Jahr 2020 zeigen, dass es im Zuge der Corona-Pandemie in bestimmten Monaten in Deutschland zu einer Übersterblichkeit gekommen ist. Das Statistische Bundesamt hat mehrmals darauf hingewiesen, dass bei Kalenderwochen im Oktober 2020, November 2020, Dezember 2020 mehr Menschen gestorben sind als im Vergleich zu den Jahren 2016 bis 2019. In der 52. Kalenderwoche zum Beispiel lagen die Sterbefallzahlen etwa 31 Prozent über dem Durchschnitt in diesem Zeitraum der Jahre 2016 bis 2019.

Am 12. Januar 2021 teilte das Amt in einer Pressemitteilung zudem mit, dass aufgrund einer geringeren Nettozuwanderung und einer gestiegenen Sterbefallzahl bei voraussichtlich etwas weniger Geburten als im Vorjahr, die Bevölkerungszahl 2020 erstmals seit 2011 nicht zugenommen habe. Die Zahl der Sterbefälle sei spürbar gestiegen. Einer ersten Schätzung zufolge werde mit insgesamt mindestens 980 000 Gestorbenen gerechnet. Der Anstieg hängt offenbar auch mit der Corona-Pandemie zusammen, bestätigte das Statistische Bundesamt.

Über 980.000 Todesfälle

Der geschätzte Wert von mindestens 980 000 Gestorbenen in Deutschland übersteigt damit das Niveau des Vorjahres von knapp 940 000 Gestorbenen. Der Wert ist auch höher als in den Jahren 2015 bis 2019. Auch bei detailgenauer Betrachtung der Sterbezahlen der vergangenen Monate zeigt sich, dass es während der Corona-Pandemie nicht zu einer Unter-, sondern Übersterblichkeit kam. So gab es etwa von Kalenderwoche 13 bis 18 (23. März bis 3. Mai), also während der ersten Welle, durchgehend und auch deutlich erhöhte Sterbefallzahlen verglichen mit den Vorjahren.

Ebenfalls seit Mitte Oktober, also mit Anschwellen der zweiten Welle, liegt die Zahl der Sterbefälle wieder deutlich über jener der Vorjahre. Auch in Kalenderwoche 48 (23. bis 29. November) war die Zahl der Sterbefälle etwa um 14 Prozent höher als in den Vorjahren. In der 50. Kalenderwoche lagen die Sterbefallzahlen laut dem Statistischen Bundesamt sogar etwa 23 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019.

mz

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