Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kinderwunsch und Schwangerschaft

Die Angst vieler Frauen: Corona-Impfung führt zu Unfruchtbarkeit? „Intellektueller Griff ins Klo“

Eine Hebamme trägt Schutzausrüstung und untersucht eine schwangere Frau.
+
Eine Hebamme trägt Schutzausrüstung und untersucht eine schwangere Frau.

Seit Beginn der weltweiten Impfkampagne gegen Sars-CoV-2 werden im Internet viele Behauptungen über die Impfstoffe verbreitet. Immer häufiger ist auch zu lesen, dass die Impfung bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen. Hier ein Faktencheck.

Update, 24. November - Corona-Impfung und der weibliche Zyklus

Über Monate hat die Ständige Impfkommission (Stiko) gezögert – mittlerweile empfiehlt sie Schwangeren generell, sich gegen Corona impfen zu lassen. Die jetzt ausgesprochene Empfehlung basiert laut Stiko auf einer systematischen Aufarbeitung von in den letzten Wochen verfügbar gewordenen Daten. Demnach sei eine Schwangerschaft an sich ein unabhängiger Risikofaktor für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion. Hinzu kämen Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung.

Auch Frauen in der Stillzeit rät die Stiko zur Impfung. „Stillende sollen auch die Möglichkeit haben, sich selber zu schützen. Das Stillen ist kein Hinderungsgrund ist, sich impfen zu lassen“, betonte Röbl-Mathieu. Generell wendet sich die Stiko an alle Frauen im gebärfähigen Alter und empfiehlt die Immunisierung – „damit bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft ein sehr guter Schutz vor dieser Erkrankung besteht“, hieß es. Die Impfung empfiehlt die Stiko erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Im ersten Drittel sei das Immunsystem besonders aktiv, erklärte Stiko-Mitglied Christian Bogdan – etwa während der Plazentaentwicklung. 

Einige Frauen berichten nach der Corona-Schutzimpfung von Zwischenblutungen, verstärkter oder ausbleibender Menstruation und Unregelmäßigkeiten beim weiblichen Zyklus. Wie das Bundesministerium für Gesundheit berichtet, seien solche Veränderungen des Zyklus auch bei anderen Impfungen oder durch Infektionen bekannt und werden demnach auf die Aktivierung des Immunsystems zurückgeführt. Ein direkter, pathologischer Zusammenhang mit der Impfung gegen COVID 19 sei nicht bekannt, heißt es dazu beim Robert Koch-Institut. Und weiter: Die beobachteten Störungen des Zyklus sind vorübergehend und nicht mit Unfruchtbarkeit verbunden.

Zudem müssen Zyklusstörungen nach einer Impfung nicht zwangsläufig auf den verabreichten Impfstoff zurückzuführen sein. Ein häufiger Auslöser solcher Störungen ist Stress. Und typische Impfreaktionen wie Fieber, Müdigkeit oder Muskelschmerzen bedeuten Stress für den Körper.

Erstmeldung:

In einem Video von Bodo Schiffmann heißt es etwa, die Impfung könne bei Frauen für unbestimmte Zeit zu Unfruchtbarkeit führen. Zudem könne der Impfstoff eine überspringende Immunreaktion auslösen - eine sogenannte vom Antikörper abhängende Verstärkung (ADE). Auch vor angeblichen Nebenwirkungen durch einen enthaltenen Wirkverstärker - Polyethylenglykol (PEG) - wird im Video gewarnt.

Ähnlichkeit zwischen Spike-Protein und Syncytin-1

Menschen, die das behaupten, stützen ihre Argumentation in der Regel auf die vermeintliche Ähnlichkeit zwischen dem sogenannten Spike-Protein des Coronavirus, mit dem der Erreger an menschliche Zellen andockt, und dem körpereigenen Protein namens Syncytin-1, welches für die Bildung der Plazenta wichtig ist.

Laut einer im Video erwähnten Petition führe diese Ähnlichkeit dazu, dass die durch die Impfung erzeugten Antikörper sich auch an Syncytin-1 binden und so die Bildung der Plazenta verhindern. In der Fachsprache wird dies Kreuzreaktion genannt.

Es ist jedoch keine besondere Ähnlichkeit zwischen den Proteinen vorhanden, wie Lars Dölken, Professor für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erläutert. Für eine Kreuzreaktion eines Antikörpers müssten zwei unterschiedliche Proteine mindestens acht exakt gleiche Aminosäuren auf der Oberfläche des Proteins besitzen - in der gleichen Orientierung und direkt benachbart.

„Märchen der Molekularbiologie“

Der Abschnitt, der in beiden genannten Proteinen übereinstimmt, ist einfach zu kurz, um das Immunsystem zu einer Fehlerkennung zu verleiten. Ähnlich wird dies auch vom Molekularbiologen Martin Moder in einem Video dargelegt. Die Behauptung, das Spike-Protein sei dem Syncytin-1 so ähnlich, dass die Antikörper versehentlich das Syncytin-1-Protein angreifen könnten, bezeichnet Moder als „intellektueller Griff ins Klo“ und „Märchen der Molekularbiologie.

Auch die Leiterin der Forschungsgruppe Biochemie und Bioorganische Chemie an der Universität Leipzig, Annette Beck-Sickinger, erklärte der Freien Presse, dass es überhaupt keine besondere Ähnlichkeit zwischen den beiden Proteinen gebe, so „dass eine Kreuzreaktion des Impfstoffs im Grunde unmöglich ist“.

Dölken gibt darüber hinaus zu bedenken: „Würde der Impfstoff unfruchtbar machen, träfe dies in besonderem Maße auf die Infektion selbst zu.“ Heißt im Umkehrschluss, dass nicht nur die Impfung sondern ebenso die Infektion an sich Unfruchtbarkeit hervorrufen würde und alle Frauen, welche bereits infiziert waren, nun unfruchtbar sind.

Dies konnte jedoch in Studien an mit Sars-CoV-2 infizierten Schwangeren nicht nachgewiesen werden: Deren Ergebnissen zufolge lässt sich keine erhöhte Zahl an Abbrüchen feststellen - weder bei asymptomatischen noch bei symptomatischen Verläufen einer Covid-19-Erkrankung.

Eine Kreuzreaktion ist insgesamt sehr unwahrscheinlich: Laut Aussage Dölkens würde es selbst dann nicht ausreichen, wenn 30 Prozent der Aminosäuren an unterschiedlichen Stellen des Proteins übereinstimmten. Zudem sei die im Facebook-Video genannte Methode (Aminosäuren-Sequenzvergleich) ohnehin nicht geeignet, um eine Kreuzreaktion der Proteine vorauszusagen.

Keinerlei Hinweise oder Berichte

Dass Impfstoffe gegen das Coronavirus Unfruchtbarkeit hervorrufe, betitelt auch Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, für „ein Gerücht“. „Es macht biologisch keinen Sinn und es gibt medizinisch keine Hinweise, dass dieses Gerücht wirklich stimmt und dass die Fruchtbarkeit beeinträchtigt wird durch die Impfung und die Antikörper, die gegen das Spike-Protein gebildet werden“. Und weiter: „Es gibt keinerlei Hinweise oder Berichte, dass das zu einer Unfruchtbarkeit bei Frauen geführt hätte - da werden ja auch Antikörper gebildet.“

Auch Schwangere könnten sich impfen lassen. Zwar würden Impfstoffe in frühen Studienphasen nicht an Schwangeren getestet. „Das heißt aber nicht, dass das Unternehmen hier eine spezielle Gefahr sehen würde“, sagte Ciesek. Es sei vielmehr „das normale Vorgehen“, dass man neue Präparate nicht an sensiblen Gruppen wie Kleinkindern oder Schwangeren teste. „Die Erkrankung ist prinzipiell gefährlicher für Schwangere als die Impfung.“

Weitere Gerüchte um Nebenwirkungen

Der Video-Beitrag von Bodo Schiffmann behandelt weitere angebliche Nebenwirkungen des Impfstoffes: Eine vom Antikörper abhängende Verstärkung (antibody-dependent enhancement - ADE) soll demnach eine überschießende Immunantwort auslösen. Diese Wirkung eines Impfstoffes wurde bisher unter anderem für das HI- und das Ebola-Virus dokumentiert. Ein definitiver Nachweis einer solchen Reaktion bei humanen Coronaviren konnte hingegen bisher nicht erbracht werden.

Der ebenfalls im Beitrag kritisierte Stoff Polyethylenglykol (PEG) - auch Macrogol genannt - ist eine in der Pharma- und Kosmetikindustrie häufig eingesetzte Verbindung. PEG kann sich an verschiedene Stoffe binden und erhöht deren Molekülmasse. So wird unter anderem eine veränderte Wasserlöslichkeit oder eine längere Verweildauer im Körper erreicht. Bei Kosmetikprodukten wird PEG als Lösungsmittel eingesetzt.

Fakt: Eine ADE wurde für bei Menschen vorkommende Coronaviren bisher nicht nachgewiesen. Der Stoff PEG ist in vielen Medikamenten enthalten, bisher ist keine stark schädliche Wirkung bekannt.

mz

Kommentare