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"Die Welt darf die Hilfe nicht einstellen"

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Bad Reichenhall/Pakistan - Sechs Wochen in ferne Länder reisen, ist für Rentner eigentlich nichts Ungewöhnliches. Aber das was Elisabeth Klett auf ihren "Reisen" tut, ist alles andere als gewöhnlich.

Sie ist 78 Jahre alt, hat von 1965 bis 2000 eine Kinderarztpraxis in Bad Reichenhall betrieben und seitdem reist Elisabeth Klett in Länder wie Bangladesch, Indien und zuletzt Pakistan. Im Gegensatz zu "normalen" Urlaubern hilft die Rentnerin dort. Sie behandelt kranke Menschen, wie sie es ihre Leben lang gemacht hat.

"Ich habe an der Universität Würzburg studiert und dort auch noch einige Zeit gearbeitet", erzählt Klett im BGLand24-Interview. "Ich wollte aber nie eine 'Berufsziege' werden." Deshalb hat sich die damals 33-Jährige in Bad Reichenhall niedergelassen. "Herr, wen Du lieb hast, den lässest Du fallen in dieses Land", zitiert sie lächelnd Ludwig Ganghofer.

Und obwohl sich die fitte kleine Dame in ihrem Haus in Bad Reichenhall sehr wohl fühlt, zieht es sie in ihrem Ruhestand immer wieder in die große weite Welt, um zu helfen. So auch, als sie von der Flut in Pakistan gehört hat. "Ich möchte dahin", war das Gefühl von Elisabeth Klett und deshalb konnten sie anfängliche Widerstände nicht aufhalten. Denn "ihre" Organisation Ärzte für die dritte Welt wollte eigentlich keine Ärzte dorthin schicken. Als dann aber der Anruf von Ruth Pfau kam, sie brauche dringend zwei Ärzte, erhielt die 78-Jährige jegliche Unterstützung.

"Das Visum war innerhalb von vier, fünf Tagen da", berichtet Klett von den Vorbereitungen. "Wir sind fast beflügelt in Frankfurt gestartet." Denn neben Ärzte für die dritte Welt unterstütze auch die Deutsche Lepra- und Tuberkulose-Hilfe den "ungewissen" Einsatz. "Seit meinem Ruhestand war ich elfmal im Ausland", so die Kinderärztin. "Aber mit Pakistan war ich das erstemal bei einem 'akuten' Einsatz. Da ihn aber Ruth Pfau organisiert hatte, war ich meiner Sache sicher."

Der Name Ruth Pfau fällt bei den Erzählungen der Renterin immer wieder. Die Ordensschwester war 1960 nach Indien aufgebrochen und bei einem Zwischenstopp in Pakistan hängengeblieben. Ihr erstes Zusammentreffen mit Leprakranken weckte ihren Hilfsinstinkt und das Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC), ein Krankenhaus zur Leprabekämpfung, entstand. Dort waren Elisabeth Klett und ihre Begleiterin sechs Wochen lang untergebracht. Jeden Tag fuhren sie mindestens 40 Kilometer in die Camps, um die Kranken vor Ort zu behandeln.

Hochwasser in Pakistan

Hochwasser in Pakistan

Ruth Pfau hatte durch ihr Netz für Leprakranke bereits einige kleinere Camps aufgebaut. Dort konnten die Flutopfer jetzt behandelt werden. "Man wird schon erwartet", erzählt Klett von ihren Eindrücken. "Und dann ist man erschüttert über die Zeltdörfer, die Blicke der Menschen. Die Augen schauen ins Leere, wirken tieftraurig und verzweifelt." Kein Wunder, denkt sich die Kinderärztin. Viele haben Familienmitglieder in den Fluten sterben sehen. Wenn sie nach Hause kommen, dann allein.

Diese Schicksale bewegen Elisabeth Klett. "Ich hol sie mir immer wieder her", so die 78-Jährige. Sie kann und will die Eindrücke aus Pakistan nicht vergessen. Am meisten erschreckt hat sie aber die Unterernährung vieler Kinder, die sie hauptsächlich behandelte. "Sie haben alte Gesichter, die Haut legt sich in Falten", schildert die Kinderärztin die Symptome. Außerdem musste sie bei ihren Behandlungen auf Malaria, Vitamin-A-Mangel und Tuberkulose achten.

Ansonsten hat sich die Arbeit in Pakistan kaum von einem normalen Praxisbetrieb unterschieden. Nur dass sie mit einem Dolmetscher arbeiten musste. "Ich habe mehrere verbraucht", lacht Klett im Interview. Denn sie hat 40 bis 60 Patienten am Tag behandelt und das unter voller Konzentration, die sich auch von ihrem Dolmetscher erwarten musste.

78 Jahre und kein bisschen leise, könnte man von Elisabeth Klett wohl behaupten. Zuhause frönt sie ihren Hobbys Musik und Sport. Elisabeth Klett spielt unter anderem Harfe und Klavier. "Für den Hausgebrauch", lacht die Rentnerin. "Alles was ich tue, tue ich gern, auch wenn ich nichts tue." Das könnte auch ihr Lebensmotto sein und eines ist sicher: "Am Ball bleiben ist nötig, in Pakistan und anderen dritte Welt Ländern. Deshalb kann ich es mir schon vorstellen, noch einmal einen Auslandseinsatz zu machen."

Christine Zigon

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