Doku: Die Herrscher der Wiesn halten Hof

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Einer der Könige und seine Untertanen: Wirt Peter Schottenhamel schwört sein Personal vor dem Beginn der Wiesn ein. Ein seltener Blick hinter die Kulissen.

München - Keinen Beruf umranken in München mehr Mythen als den des Wiesn-Wirts. Ein neuer Dokumentarfilm schaut hinter die Fassade einiger Wirts-Familien. Die Macher kommen den „Königen der Wiesn“ dabei erstaunlich nahe.

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Eduard Reinbold lässt keinen Zweifel daran, wer im Schützenzelt das Sagen hat. „Hier herrscht Demokratur“, sagt er, „ich hör mir alles an, aber ich weiß schon vorher, wie ich entscheide.“ Reinbold fällt die Rolle des absolutistischen Herrschers zu im Film „Die Könige der Wiesn“. Dessen Macher Kim Koch und Martin Tischer haben für ihre Dokumentation im Auftrag des Bayerischen Rundfunks vier Familien begleitet, die eines gemeinsam haben: Sie führen ein Zelt auf dem Oktoberfest.

Vier Familien, die erreicht haben, wovon jeder Gastronom träumt. Es gibt wohl keinen Posten, über den so viel spekuliert wird. Von sagenhaften Gewinnen ist die Rede und von einem Job, in dem man nur 16 Tage im Jahr arbeiten muss.

Dass die Wirklichkeit zumindest, was die Zahl der Arbeitstage angeht, anders aussieht, macht der Film gleich zu Anfang klar. Denn alles beginnt am Ende - mit dem letzten Wiesn-Tag 2008. Ein Jahr lang folgt die Kamera den Reinbolds, den Heides, den Schottenhamels und den Glöckles. So unterschiedlich sie sind, bei allen spielt die Familie die wichtigste Rolle.

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„Ich würde das ohne meine Familie nicht machen wollen“, sagt Bräurosl-Wirt Georg Heide. Eine Hierarchie gebe es streng genommen nicht. Da widerspricht seine Frau Renate. Tochter Daniela sei eindeutig die Chefin, „danach kommen gleichberechtigt wir“, sagt sie und lacht. Auch Vater Georg weiß, wie ihn seine Tochter um den Finger wickeln kann: „Die, wenn mi oschaut, schwimmt der Vater weg“, sagt er und hat Tränen in den Augen. „Es ist ein sehr, sehr enges Band“, sagt Daniela. Es sind diese Momente, in denen man merkt, dass die Filmemacher den Wirtsfamilien sehr nahe gekommen sind.

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Auch der Glöckle-Wirt ist ein Familienbetrieb. Neben Vater Hanns-Werner packen auch Tochter Stephanie Rollwagen und Sohn Michael Glöckle mit an. Und Michael hat buchstäblich große Ziele. Dass seine Familie nur ein kleines Zelt auf der Wiesn führt, wurmt ihn. „Ich bin erst zufrieden, wenn ich ein großes Wirtshaus und ein großes Festzelt habe“, sagt er selbstbewusst. „Und wenn ich was will, dann krieg ich’s auch.“

Da hat es Ludwig Reinbold besser, seine Familie führt schon ein großes Zelt. In den Schoß fällt ihm trotzdem nicht alles. „Er ist sehr streng“, sagt er über seinen Vater. „Wenn die Erwartungen erfüllt werden, ist es in Ordnung, sonst sorgt er dafür, dass die Erwartungen erfüllt werden.“ Doch Vater Eduard Reinbold hat eine Erklärung für die strenge Erziehung: „Ich versuche natürlich, das Lehrgeld, das sie bezahlen, zu reduzieren.“

Lehrgeld zahlen die Schottenhamels schon lange nicht mehr. Peter Schottenhamel, seit mehr als 50 Jahren auf der Wiesn, hat immer noch das Leuchten in den Augen, wenn er sagt: „Noch 44 Tage, bis es losgeht.“ Er hat sein ganzes Leben auf die Wiesn ausgerichtet. Zusammen mit seinem Cousin Christian führt er das Schottenhamelzelt. „Keiner hat gedacht, dass wir es mehr als 20 Jahre miteinander aushalten“, sagt Christian und lacht.

Dann macht Peter Schottenhamel im Film etwas, was Wiesn-Wirte sonst nie tun: Er redet über Geld. Allein der Aufbau des Zeltes koste fast zwei Millionen, das Personal übers ganze Jahr rund 750 000 Euro. Trotzdem: „Es gibt unter den Kollegen keinen Brotneid. Wir sagen immer: Der Kuchen ist groß genug.“ Und Eduard Reinbold gesteht, dass für ihn der Einzug der Wiesn-Wirte jedes Jahr ein Ereignis ist. „Das ist natürlich schon eine tolle Sache: Sie sitzen oben, die Leute jubeln und dann kommen sie ins Zelt und geben Geld aus.“

Die Könige der Wiesnläuft am Anstichsamstag, 18. September, um 21.50 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

Quelle: Oktoberfest live

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