Der Mediziner steht im Visier der Ermittler

Doping-Razzia: Ermittler durchsuchen Haus eines Arztes aus dem Raum Rosenheim

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Landkreis Rosenheim - Im Auftrag der Innsbrucker Staatsanwaltschaft durchsuchten am vergangenen Dienstag Kriminal- und Zollbeamte die Räumlichkeiten eines Arztes aus dem Raum Rosenheim. Er soll Spitzensportler beim Doping unterstützt haben.

Im Zuge der Dopingermittlungen der "Operation Aderlass", die im Februar dieses Jahres sieben Verdächtige bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld festgenommen hatte, führt eine neue Spur erneut nach Deutschland. Am vergangenen Dienstag, den 30. Juli, durchsuchten 13 Kriminal- und Zollbeamte im Auftrag der Innsbrucker Staatsanwaltschaft die Räumlichkeiten eines Arztes aus dem südlichen Landkreis Rosenheim. Der 79-jährige Mediziner steht im Verdacht Dopingmittel für österreichische Spitzensportler beschafft zu haben, wie die Süddeutsche Zeitung und die ARD-Dopingredaktion berichtet. Der 79-Jähriger streitet die Vorwürfe aber ab.

Der Arzt arbeitete von 2006 bis vor Kurzem für den Österreichischen Ski Verband (ÖSV). Er war leitender Teamarzt der Langläufer. Die Ermittler stellten bei der Razzia Computer und Datenträger sicher, fanden aber keine Dopingmittel. "Die haben also alles hier umgedreht, selbst die Schublade, wo die Unterwäsche von meiner Frau drin ist", sagte der 79-Jährige gegenüber der Süddeutschen Zeitung, "und sind aber, ohne dass sie was gefunden haben, wieder abgezogen, etwas bedeppert." 

Beschuldigt habe ihn der ehemalige österreichische Langläufer Johannes Dürr und der ehemalige Cheftrainer Gerald Heigl, so der 79-Jährige. "Unsere Ermittlungen ergaben, dass zwei bei uns geführte Personen, ein Spitzensportler und ein Trainer, den Arzt belasten, dass er ihnen fallweise Epo überlassen habe, zum Zweck der Leistungssteigerung im Sport", sagte der Innsbrucker Staatsanwalt Thomas William. Wie die SZ berichtet, soll es sich um 4.000 bis 6.000 Internationale Einheiten handeln, was für zwölf Behandlungen reichen soll.

Der Vorfall habe sich Ende 2013 ereignet, sei aber womöglich nicht der einzige. "Ich habe niemandem Dopingmittel gegeben, noch weniger habe ich welche verkauft!", sagte der Arzt der SZ. "Ich habe in meinem ganzen Leben nie EPO-Präparate oder irgendsowas gekauft oder bestellt und ich hab sie nicht verkauft", so der Arzt gegenüber der ARD-Dopingredaktion.

Der Mann aus dem Landkreis Rosenheim glaubt indes, dass Dürr sich nur profilieren will. "In der Zwischenzeit beschuldigt er ja jeden. Das ist mal 'n Kroate, mal 'n Serbe, mal Mark Schmidt, mal den, mal den. Der profiliert sich da", so der 79-Jährige gegenüber der SZ. "Der kriegt sicher für jeden Zeitungsartikel so und so viel Euro. Und da ist es natürlich naheliegend, dass er mich beschuldigt. Ich war der gesamtverantwortliche Teamarzt im Österreichischen Skiverband für den Ausdauerbereich." Nach Ansicht des Mediziners habe er nichts zu befürchten, weswegen er sich von der Razzia wenig beeindruckt zeigte. 

Vorbericht

Losgetreten wurde der Fall Ende vergangenen Jahres durch die Enthüllungen des österreichischen Skilangläufers Johannes Dürr. Die "Operation Aderlass" hatte Ende Februar Doping-Abgründe bei der Nordischen Ski-WM im österreichischen Seefeld aufgedeckt und sogar einen Sportler auf frischer Tat ertappt. Dabei waren auch zwei Athleten vom Österreichischen Ski Verband (ÖSV) betroffen. Es geht dabei um das verbotene Eigenblutdoping. Ein weiterer Arzt der im Rahmen der Ermittlungen beschuldigt wird, kommt aus Erfurt. Er befindet sich im Zentrum der Ermittlungen und soll 21 Sportler aus acht Länder beim Doping geholfen haben.

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