Franz Müller in Rosenheim gesichtet?

Rosenheim - Neue Spur des mutmaßlichen Doppelmörders Franz Müller: Nach einem erneuten Hinweis aus der Bevölkerung sucht die Polizei derzeit im Rosenheimer Stadtgebiet, über dem Brückenberg kreist ein Hubschrauber.

Das bestätigte Polizei-Pressesprecher Franz Sommerauer auf Anfrage von rosenheim24. "Wir können den genauen Ort natürlich nicht preis geben, aber wo der Hubschrauber kreist, ist die Suche intensiviert." Da man noch keine heiße Spur hat, wird jedem Hinweis sofort nachgegangen: Auch am dritten Tag nach dem Mord an Lacramioara M. und ihrem drei jährigen Sohn läuft die Suche nach dem mutmaßlichen Täter Franz Müller auf Hochtouren. Die Polizei ist seit ca. 12 Uhr mit sieben Bussen im Einsatz und sucht in einem kleinen Waldstück an der Hochgernstraße nach dem 48-Jährigen.

Hinweise an die Polizei:

Haben Sie den gesuchten Franz Müller gesehen oder andere Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens an Lacramioara M. (37) und ihrem Sohn (3) führen können? Die Hinweistelefone der Polizei, Telefon  0803... und –3016, sind rund um die Uhr besetzt.

Am Mittwochmorgen schien es eine heiße Spur zu geben: Polizisten suchten den Bereich zwischen dem Rosenheimer Nordwesten und Großkarolinenfeld ab. Gegen Mittag allerdings drehte der Hubschrauber ab, die Suche brachte kein Ergebnis. "Wir gehen derzeit jedem Hinweis der Bevölkerung nach", erklärte Polizeisprecher Konrad Rutzinger. Denn wenn auch noch nicht hundertprozentig feststehe, dass Müller der Mörder seiner Exfrau und seines Sohnes ist, so sei dennoch klar: "Er hat mit der Sache etwas zu tun."

Plakataktion gestartet:

Doppelmord: Fahndung mit Plakate startet

Volker Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein, warnt dennoch vor Panik in der Bevölkerung: "Müller ist keine Gefahr für die Öffentlichkeit. Es gibt keine Anhaltspunkte, dass er gemeingefährlich wäre." Darüber hinaus will Ziegler den Fall aber nicht weiter kommentieren. Die Behörden würden ihre Linie, nichts über die Tat oder die Person Müllers an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, beibehalten. So bleibt auch die kriminelle Vergangenheit Müllers im Dunkeln. Die Hinweise, dass der gebürtige Rumäne wegen schwerwiegender Gewaltdelikte bereits im Gefängnis saß, verdichten sich aber. Nach dem Mord haben auch Müllers erste Frau und seine Tochter aus dieser Ehe Angst um ihr Leben und stehen unter Polizeischutz.

Suchaktion der Polizei am Mittwochvormittag:

Doppelmord: Große Suchaktion am Mittwochvormittag

Die Fahndung nach Franz Müller konzentriert sich - auch wenn die Polizei dies nicht bestätigte - offensichtlich auf das Stadtgebiet Rosenheim. Dort nämlich begannen Beamte gestern, rund 100 Plakate an öffentliche Gebäude zu kleben. Eine Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung Müllers führen, wurde laut Rutzinger bislang noch nicht ausgesetzt. Sollte sich der 48-Jährige doch ins Ausland - etwa nach Rumänien - abgesetzt haben, arbeitet die Rosenheimer "Soko Hochgern" mit den dortigen Behörden zusammen.

Insider schätzen es eher als unwahrscheinlich ein, dass sich Franz Müller jetzt noch in Rosenheim aufhält. Ein Fluchtplan des Killers nach Österreich scheint wahrscheinlicher zu sein. Dort hat er nämlich Verwandte und könnte versuchen unterzutauchen. Es gibt also jemand, der ihm helfen könnte. In Rosenheim war der bullige Mann eher als wortkarger Einzelgänger und Trunkenbold bekannt. Gibt es ein Problem: Der Mann hat kein Geld. Das müsste er erst "besorgen"

Der Polizeibeamte Martin Winkler zeigt die druckfrischen Fahndungsplakate, die jetzt in Rosenheim aufgehängt werden

Das am Mittwoch veröffentlichte Plakat erhält neben dem am Dienstag herausgegebenen Fahndungsfoto neue Informationen: Demnach ist der Gesuchte kräftig gebaut und trägt gerne Kopfbedeckungen.

Die Polizei fahndet derzeit nach Franz Müller, der zirka 1,70 Meter groß ist. Über seine aktuelle Bekleidung ist nichts bekannt.

Auch wenn die Polizeibeamten in Rosenheim derzeit keinen Stein auf dem anderen lassen auf der Suche nach Franz Müller, herrscht vor allem in der Hochgernstraße 1 nackte Angst, dass der Gewalttäter zurückkommen könnte. Eine Bewohnerin aus dem vierten Stock betonte gestern ausdrücklich, nie etwas Schlechtes über Müller gesagt zu haben. Angesichts der akuten Bedrohung werden in der Nachbarschaft aber auch kritische Stimmen laut, die fragen: "Warum wurde die Fahndung erst so spät, zwei Tage nach der Tat, öffentlich gemacht?"

Die beiden anderen Kinder des Mordopfers Lacramioara M., Andra Maria und Daniel, kämpfen im Moment vor allem mit der Trauer um ihre tote Mutter. Die Heimatzeitung erreichte die 15-jährige Andra am Dienstagnachmittag in Rumänien, das Mädchen stand völlig unter Schock. Noch könne sie nichts zu dem Fall sagen, gab die Jugendliche an.

Familien-Fotos der Opfer

Wann sie und ihr Bruder wieder in ihre Heimat nach Rosenheim zurückkommen, ist noch ebenso offen wie die Frage, wer künftig die Erziehung der Geschwister übernehmen soll.

Stefanie Zipfer/Oberbayerisches Volksblatt/ro24

Opfer stellte gegen Ex-Mann Anzeige

Die tz in München erhielt nach schriftlicher Anfrage folgende Auskunft von der Staatsanwaltschaft: "Zu möglichen Vorstrafen des Tatverdächtigen kann derzeit keine Auskunft gegeben werden. Der Beschuldigte ist der Tat zwar dringend verdächtig, seine Täterschaft steht jedoch nicht fest. Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist es in diesem Stadium des Ermittlungsverfahrens nicht zulässig, Auskünfte über etwaige Vorverurteilungen zu geben."

Die Staatsanwaltschaft bestätigte der  Münchner Boulevard-Zeitung in derselben Mitteilung auch, "dass Frau M. am 18.06.2010 wegen Beleidigung bei der Polizei in Rosenheim Strafanzeige gegen den Verdächtigen erstattet hat. Ihr wurden von der Polizei auch weitere rechtliche Möglichkeiten aufgezeigt. Am 02.07.2010 hat sich die Verstorbene bei der Polizei gemeldet und ihren Strafantrag zurückgenommen, weil sich der Verdächtige bei ihr entschuldigt habe. Sie wünsche keine Strafverfolgung. Aufgrund dieser Tatsachen hat die Staatsanwaltschaft Traunstein -Zweigstelle Rosenheim- das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beleidigung eingestellt, da der nach § 194 StGB zwingend erforderliche Strafantrag fehlte."

Ein Annäherungsverbot von Franz Müller bei seiner Ex-Frau habe für das Jahr 2010 nicht bestanden.

Rubriklistenbild: © reisner/ro24

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