Überlebende (77) sagt Schreckliches aus

Doppelmord von Höfen: Makabere Details der Tat bei Prozess enthüllt

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Die Angeklagten zu Beginn des Prozesses um den Doppelmord von Höfen Ende Juni.
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Höfen/Königsdorf - Ein Überfall auf drei Senioren, zwei Todesopfer: Der Doppelmord von Höfen sorgte wegen der Brutalität der mutmaßlichen Täter für Entsetzen. Nun hat die einzige Überlebende der Tat ausgesagt. An das Verbrechen selbst fehlt ihr die Erinnerung.

Das einzige überlebende Opfer beim Doppelmord von Höfen leidet bis heute unter körperlichen und seelischen Folgen des Überfalls. An die Tat selbst habe sie keine Erinnerungen, sagte die 77-Jährige am Dienstag in einer Videovernehmung beim Prozess vor dem Landgericht München II. Die Zeugin wurde aus einem anderen Sitzungssaal zugeschaltet, um ihr eine Konfrontation mit den vier Angeklagten zu ersparen.

77-jähriges Opfer leidet bis heute

Die Witwe aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen war laut Anklage im Februar 2017 von ihrer damaligen Pflegekraft, deren Bruder und deren Sohn sowie einem weiteren Mann überfallen worden. Bei der Tat sollen die vier mutmaßlichen Täter zwei Bekannte der Bewohnerin in deren Anwesen im Ortsteil Höfen der Gemeinde Königsdorf ermordet haben.

Besonders belasteten sie starke Schwindelanfälle: „Der Schwindel ist ganz schlimm. Ich kann oft nicht alleine gehen“, sagt sie fast eineinhalb Jahre nach der Tat und fügt laut unserem Partnerportal tz.de hinzu: „Ich habe dann immer Angst, dass es mich auf den Boden hinhaut.“ Hinzu kämen psychische Probleme: „Was die mir angetan haben, das macht mich schon fertig“, sagte sie. Sie könne sich lediglich daran erinnern, ihre Bekannten vom Bahnhof in Bad Tölz abgeholt und mit ihnen essen gegangen zu sein. Die nächste Erinnerung sei in einem Krankenhaus. Heute habe sie Angst in ihrem Haus und erwäge, in eine betreute Wohngruppe zu ziehen.

Bilder vom Tatort in Königsdorf

Die Witwe schilderte, dass ihr die damals als Pflegekraft ihres Mannes eingesetzte Angeklagte nicht sympathisch gewesen sei. „Sie war nicht so gesprächig, hat kaum etwas erzählt“, sagte sie. Und weiter: „Die Margot hat mir nicht so gefallen. Die war etwas anders in ihrer Art“.

Makabere Details der Tat

In der Vernehmung wurde auch bekannt, dass sich einer der Angeklagten aus dem Untersuchungsgefängnis in einem Brief an das Opfer gewandt und entschuldigt hatte. Das Schreiben habe bei der Zeugin jedoch Befremden ausgelöst. „Wenn was passiert, wenn ich ein Organ bräuchte oder eine Bluttransfusion, stünde er zur Verfügung“, gab sie den Inhalt wieder. Vor der Aussage der alten Dame hatte ein Zeuge die Angeklagten schwer belastet. Ein früherer Mithäftling, der extra aus einem Bayreuther Gefängnis nach München gebracht wurde, berichtet von Gesprächen mit einem der mutmaßlichen Mörder. Dieser habe ihm gegenüber in der Haft geprahlt, „dass er das männliche Opfer ungefähr 50-mal getreten hat“. Er habe dies getan, weil der Frankfurter „ihm ans Bein gefasst hat“. Möglicherweise wollte der Mann um Gnade bitten, doch stattdessen entfachte sein Flehen offenbar erst recht die Wut des äußerst brutalen Einbrechers. Zudem berichtete der Häftling makabere Details der Tat. So sollen zwei der Angreifer Totenkopfmasken getragen haben, so tz.de weiter.

Opfer zeigte bereits erste Verwesungsanzeichen

Den Angeklagten wird Mord beziehungsweise versuchter Mord, erpresserischer Menschenraub und besonders schwerer Raub vorgeworfen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft heckte die 50-jährige Pflegerin mit ihren Angehörigen den Überfall aus. In der Nacht zum 23. Februar 2017 sollen die drei Männer dann in das Anwesen eingedrungen sein.

Die Hausbesitzerin hatte Besuch von einer gleichaltrigen Freundin aus dem Raum Frankfurt am Main und von einem Mann (81) aus Nordrhein-Westfalen. Die Täter sollen die Senioren brutal zusammengeschlagen und die schwer verletzten Opfer eingesperrt oder gefesselt haben. Dann nahmen sie laut Staatsanwaltschaft Gold, Wertgegenstände und Bargeld in fünfstelliger Höhe mit. Die beiden Bekannten der Witwe starben, sie selbst wurde Tage später schwer verletzt gefunden. Kurz vor beginn des Prozesses wurde bekannt, dass am Körper der 77-Jährigen bereits erste Anzeichen von Gewebe-Zerfall bemerkbar gewesen sein sollen.

mh mit Material der dpa

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