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Einsatz unter Extrembedingungen nach Zugunglück

Dramatische Szenen: Helfer berichten von ihrem Einsatz in Garmisch-Partenkirchen

Ein Feuerwehrmann klettert durch einen der umgekippten Waggons. Feuerwehrkommandant Michael Sexl (links oben): „Alle Kollegen haben in den vergangenen Tagen Übermenschliches geleistet.“
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Ein Feuerwehrmann klettert durch einen der umgekippten Waggons. Feuerwehrkommandant Michael Sexl (links oben): „Alle Kollegen haben in den vergangenen Tagen Übermenschliches geleistet.“

Für Garmisch-Partenkirchen war es ein Pfingstwochenende im Ausnahmezustand: Hunderte Helfer arbeiteten ununterbrochen, bis auch die letzten Opfer aus dem Zug geborgen waren. Die ganze Region trauert um die fünf Todesopfer - darunter auch zwei Ukrainerinnen.

Garmisch-Partenkirchen – Als Michael Sexl am Freitagmittag aufbricht, um ein neues Feuerwehrfahrzeug abzuholen, ahnt er noch nicht, dass er erst in eineinhalb Tagen wieder die erste Stunde Schlaf bekommen wird. Er fährt gerade auf der Bundesstraße 2 bei Burgrain, als er von der Bahnstrecke nebenan eine riesige Staubwolke aufsteigen sieht. Er springt aus dem Auto, sieht die umgekippten Zugwaggons auf der Böschung und weiß: Jetzt muss er funktionieren.

Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen: Mehrere Tote, Dutzende verletzt

Das schwere Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen hat die Region erschüttert. Die traurige Bilanz nach dem Pfingstwochenende: Vier Frauen im Alter von 32, 39, 51 und 70 Jahren sind tot, am Samstag wurde zudem ein 14-jähriger Teenager tot geborgen. 44 Menschen wurden verletzt, einer davon schwebte am Montag noch immer in Lebensgefahr. Die Unfallursache ist weiter unklar. Hunderte Retter kämpften bis zuletzt, um alle Personen aus dem entgleisten Regionalzug zu retten.

Als Michael Sexl zu dem verunglückten Zug eilt, kommen ihm bereits zwei blutüberströmte Jugendliche entgegen. Einen Notruf hat er schon abgesetzt, jetzt setzt bei dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Partenkirchen der Krisenmodus ein. Er stoppt den Verkehr, instruiert Passanten, die Autos anzuhalten und Platz für seine Kameraden zu schaffen. Und dann macht er sich auf den Weg, so viele Menschen wie möglich aus dem mit rund 140 Personen besetzten Zug zu retten. Es wird der körperlich und psychisch schwerste Einsatz, den der 35-Jährige bisher erlebt hat.

Als US-Soldat weinendes Kind hört, ist er froh - „Denn das heißt, es lebt“

Doch er ist nicht allein. Unter den hunderten Helfern, die nach und nach am Unglücksort eintreffen, sind auch mehrere Soldaten. Eine Gruppe der Gebirgsjägerbrigade 23 in Mittenwald war zufällig im Zug und packt sofort mit an, obwohl die Kameraden teilweise selbst verletzt sind. Auch US-Soldat Charles Bergmann, der gerade von einem Kurs der Nato-Schule in Oberammergau nach Garmisch-Partenkirchen fährt, hält an und kriecht in einen Waggon. Er findet ein eingeklemmtes Kind. Er hört es weinen – und ist froh. „Denn das heißt: Es lebt.“

Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen

Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK
Fotos Bergung Zugunglück Garmisch Partenkirchen
Bergungsarbeiten nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / DESK

Nach nicht einmal einer Stunde sind alle Überlebenden aus dem Zug gerettet. „Eine absolute Glanzleistung der Rettungskräfte“, sagt Sexl. „Alle Kollegen haben in den vergangenen Tagen Übermenschliches geleistet.“ Er bleibt an der Unfallstelle, bis auch der letzte vermisste Teenager gefunden wird. Der wird am Samstagmittag geborgen, als die Retter einen der entgleisten Waggons mit einem Spezialkran anheben konnten. Er überlebte den Unfall nicht.

„Zum Nachdenken kommt man erst am Morgen danach“

Vier Mal durchforsten die Retter jeden Zugwaggon, die zugewucherte Böschung wird mit einer Wärmebilddrohne abgeflogen – um sicherzugehen, dass niemand übersehen wird. Erst am Samstagabend übergibt Sexl die Einsatzstelle an die Polizei und das Bergeunternehmen. Nach einer kurzen Runde mit seinen Kameraden fällt er erschöpft ins Bett. „Zum Nachdenken kommt man erst am Morgen danach.“

Während die Feuerwehrkräfte zum ersten Mal Luft holen können, geht für die Bergungsteams die Arbeit erst so richtig los. Die drei umgestürzten Waggons wurden mit Kränen von den Gleisen gehoben, mit schwerem Gerät zerteilt und auf Tiefladern zu einem Kieswerk abtransportiert. Mit einem Spezialkran wurde die Lok wieder aufs Gleis gehievt. Der Steuerwagen sollte noch in der Nacht zum Dienstag in Richtung München rollen, sagte THW-Sprecher Frank Simon am Montag (6. Juni). Damit verbleiben noch die Lok und ein Waggon auf dem Gleis für weitere Ermittlungen zur Unfallursache.

Luftaufnahmen zeigen Ausmaß von Zug-Unglück bei Garmisch-Partenkirchen

Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen: Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß
Luftaufnahmen nach Zug-Unglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / Merzbach
Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen: Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß
Luftaufnahmen nach Zug-Unglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / Merzbach
Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen: Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß
Luftaufnahmen nach Zug-Unglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / Merzbach
Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen: Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß
Luftaufnahmen nach Zug-Unglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / Merzbach
Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen: Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß
Luftaufnahmen nach Zug-Unglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / Merzbach
Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen: Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß
Luftaufnahmen nach Zug-Unglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / Merzbach
Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen: Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß
Luftaufnahmen nach Zug-Unglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / Merzbach
Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen: Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß
Luftaufnahmen nach Zug-Unglück bei Garmisch-Partenkirchen. © NEWS5 / Merzbach

Wie lange die Bundesstraße noch gesperrt bleiben muss, blieb am Montag (6. Juni) unklar. Zwar sind alle entgleisten Waggons abtransportiert, aber unter anderem die für die Bergefahrzeuge demontierte Mittelleitplanke muss wieder aufgebaut werden, ebenso die Höhenkontrolle. Der Verkehr auf der Garmischer Autobahn 95 wird vorerst weiter ab Sindelsdorf abgeleitet. Das Bahngleis dürfte noch länger gesperrt bleiben. Zwischen Oberau und Garmisch-Partenkirchen wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Trotzdem rät die Bahn von nicht zwingend erforderlichen Zugfahrten in dem Bereich ab.

Riesige Anteilnahme

Die Anteilnahme in der Region mit den Angehörigen der Opfer ist riesig. „Jeder denkt an die Familien, an die Verletzten, an die Angehörigen der Toten“, sagt Landrat Anton Speer. Eine getötete Frau stammt aus Hessen, wie das dortige Innenministerium am Montag bestätigte, der 14-Jährige kommt aus der Region. Bei zwei der verunglückten Frauen handelt es sich um Ukrainerinnen, die mit ihren Kindern vor dem Krieg geflohen sind – sie hinterlassen eine Tochter sowie einen Sohn, um den sich nun nahe Verwandte kümmern. „Das ist ganz furchtbar. Die meisten von uns kennen die Menschen, die im Zug waren“, sagt der evangelische Ortspfarrer Martin Dubberke. Für Montagabend war ein gemeinsames Gebet geplant, das auch auf Ukrainisch übersetzt werden sollte. Am Samstag findet in Garmisch-Partenkirchen ein ökumenischer Gedenkgottesdienst mit Regionalbischof Christian Kopp und Kardinal Reinhard Marx statt.

„Nach so einem Einsatz besteht Redebedarf“

Daran wird auch Michael Sexl mit seinen Kameraden teilnehmen. Aus Respekt vor den Angehörigen und den Verletzten. „Sie sind die Wichtigsten, ihnen gelten unser Beileid und unsere Genesungswünsche.“ Aber auch, um den Blick auf die Kameraden zu richten. „Nach so einem Einsatz besteht Redebedarf“, sagt Sexl. „Wir werden auf alle Kameraden, die vorne mit dabei waren, noch einmal zugehen und achtgeben, dass alle in Ordnung sind.“ Die Truppe sei wie eine große Familie. „Gemeinsam schaffen wir es, das zu verarbeiten.“

(mit as/kat/nah/ast/epd) 

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