Doppelmord: Angeklagter sucht Ausflüchte

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Traunstein - Neue Details im Fall Josef O.: Der Angeklagte versucht vor Gericht erneut, seine Taten zu rechtfertigen. Ein Überblick des dritten Verhandlungstages sehen Sie im Video:

UPDATE 15.05 Uhr:

Josef O. versuchte am Ende des dritten Verhandlungstages erneut, sein Motiv für die Taten zu erklären. Nachdem ihm die Betreuung seiner Mutter entzogen worden war, habe er "keinen Ausweg mehr gesehen".

Er sei in einer verzweifelten Situation gewesen und habe sich von dem Anwalt im Betreuungsverfahren - der bereits am zweiten Prozesstag ausgesagt hatte - ungerecht behandelt gefühlt. "Er hat mit Methoden gearbeitet, die man normalerweise nicht macht."

Doch beim vorsitzenden Richter Erich Fuchs stießen seine neuerlichen Erklärungsversuche nicht auf Verständnis: "Warum haben sie dann zwei völlig unbeteiligte Menschen umgebracht und zwei Frauen mit einem Messer überfallen?" Doch darauf wusste Josef O. keine Antwort.

Der dritte Prozesstag ist nun beendet.

UPDATE 14.20 Uhr:

Der Biomechaniker Dr. Jiri Adamec stellte am frühen Nachmittag seine Blutspurenbegutachtung vor.

Im Wohnbereich wurden einige Spritz- und Tropfspuren des getöteten Ehemanns gefunden. "Hier war allerdings ein sehr dezentes Blutbild, was dafür spricht, dass dort nur die erste Phase des Angriffs stattfand."

Auch auf dem Teppich, der in der Diele gelegen hatte, wurden einige Blutspuren des 90-Jährigen gefunden. Vom Schlafzimmer in die Diele fand der Sachverständige eine Schleifspur. "Diese war allerdings nur mit Luminol erkennbar. Mit dem bloßen Auge, war die Spur nicht zu sehen." Dieses Blutbild könnte beispielsweise dadurch entstanden sein, indem ein blutender Körper bewegt wird.

Auch an dem Dachgepäckträger wurden Blutspuren des Ehemannes gefunden: "Das heißt aber nicht automatisch, dass er damit geschlagen wurde. Der Dachgepäckträger kann auch in seinem Blut gelegen haben."

Zur Entstehung der Verletzungen der Frau könne aber auch die Blutspurenanalyse keinen Aufschluss liefern. Der Rechtsmediziner Dr. Penning hatte am Vormittag schon gemeint, dass er sich nur schwer erklären könne, wie es zum vollständigen Abriss der Halswirbelsäule kommen konnte. "Wie es in Krimis manchmal vorkommt, dass man jemandem mit einer ruckartigen Armbewegung die Wirbelsäule durchtrennt, gibt es in der Wirklichkeit eigentlich nicht." Durch einen Schlag mit dem Dachgepäckträger sei diese Verletzung nicht zu erklären.

UPDATE 11.50 Uhr:

Der Rechtsmediziner Doktor Randolph Penning verlas am Vormittag sein Gutachten. Zuerst ging er auf die toxikologische Untersuchung der geschädigten aus Brannenburg ein. Dabei seien zwei verschiedene Schlafmittel festgestellt worden, die ihr vom Angeklagten verabreicht worden sein soll. Dass sie sich danach allerdings nur schlafend gestellt habe und nicht sofort eingeschlafen sei, könne er sich nicht erklären. Zudem wurde bei dem Angeklagten eine Haaranalyse veranlasst. Dabei sei die Einnahme von Antidepressiva nachgewiesen worden. An dem Beschuldigten wurden darüber hinaus Kratzer am ganzen Körper festgestellt, die entstanden sein könnten, als er die Leichen des Ehrpaars im Gebüsch abgelegt habe. Danach ging er detailliert auf die Verletzungen der Opfer ein. Der fortgeschrittene Verwesungsgrad der Leichen habe die Untersuchungen erschwert. Die Todesursache bei dem Ehemann sei verbluten, infolge der Stichverletzungen, gewesen. Die Frau sei durch stumpfe Gewalteinwirkung ums leben gekommen. Auch das DNA-Gutachten der Sachverständigen Dagmar von Máriássy, brachte keine Überraschungen zutage. Demzufolge seien Spuren des Angeklagten in dem Aschauer Haus, an den Leichen und am BMW der Opfer - mit dem er die Leichen weggeschafft haben soll - gefunden worden.

Wie Doktor Penning weiter schilderte, sei die 65-Jährige an einer zentralen Lähmung bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma, in Verbindung mit einem vollständigen Abriss der Halswirbelsäule, gestorben. "Sie muss aber noch mindestens 15 Minuten gelebt haben, bevor sie an den Verletzungen starb." Der vorsitzende Richter Erich Fuchs konfrontierte anschließend den Angeklagten mit den Ergebnissen des Gutachtens: "Das passt nicht zu ihrer Aussage, dass sie die Frau nur einmal geschlagen haben." Zudem fragte er den Beschuldigten, ob er nicht gemerkt habe, dass sie noch gelebt hat. Doch Josef O. wollte seiner Aussage nichts mehr hinzufügen.

UPDATE 9.40 Uhr:

Ein 57-jähriger Architekt, der insgesamt zwei Immobilienobjekte von der Mutter des Angeklagten gekauft hat, machte am Vormittag seine Aussage. 2007 habe er das erste Haus gekauft. Drei Jahre später sei die Mutter dann erneut auf ihn zugekommen, um ihm ihr eigenes Wohnhaus zu veräußern: "Mir war aber nicht wohl dabei, weil sie ja noch in dem Haus gewohnt hat." Der Architekt veranlasst bei einem Notar, dass die Mutter ein Wohnrecht auf Lebenszeit in dem Wohnhaus erhält. "Ich wollte ihr die Sicherheit geben, dass sie drinbleiben kann." Der 57-Jährige schließt das Geschäft ab. Er habe dabei bereits die starke Vermutung gehabt, dass das Geld an den Sohn fließe. Einige Jahre nach dem Kauf sei dann der Angeklagte selbst auf ihn zugekommen: "Er wollte mir das Wohnrecht der Mutter für 10.000 Euro verkaufen. Ich habe das aber abgelehnt, weil ich ihr das auf Lebenszeit zugesichert hatte."

Prozess geht in die dritte Runde

Am Dienstag geht der Prozess gegen den 58-jährigen Josef O. in die dritte Runde. Unter anderem soll er im Juni 2014 ein Ehepaar in Aschau ermordet haben. Auf der Suche nach Geld und Wertgegenstände soll er in das Ferienhaus der Eheleute eingebrochen sein. Als die beiden überraschend nach Hause kamen, soll er sie mit einem Dachgepäcktrager und einem Küchenmesser getötet haben.

Neben dem Doppelmord wird dem ehemaligen Justizvollzugsbeamten auch der Raubüberfall auf zwei Frauen in Brannenburg zur Last gelegt. Mit einem Küchenmesser bewaffnet soll der Täter damals eine 58-jährige Frau und ihre 87-jährige Mutter zur Herausgabe der EC-Karte samt PIN gezwungen haben. Insgesamt soll der vermummte Täter so 1.200 Euro erbeutet haben.

Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte bereits Angaben zu beiden Taten gemacht. Auch mehrere Ermittlungsbeamte beschrieben ihre Ergebnisse der Untersuchungen. Mit den Worten des 58-Jährigen "Ich bin im Grunde ein ehrlicher Mensch" und "das in Aschau war für mich keine Straftat" endete der erste Verhandlungstag.

Lesen Sie dazu:

Am zweiten Prozesstag wurden zahlreiche Zeugen zu dem Verbrechen in Brannenburg gehört. Unter anderem wareneinige Polizeibeamte geladen, sowie das 58-jährige Opfer des Überfalls. Zudem wurde die finanzielle Vorgeschichte des Angeklagten näher unter die Lupe genommen. Wie sich bei den Vernehmungen herauskristallisierte, habe der Angeklagte einen Großteil seines Vermögens bei Börsengeschäften verspielt. Über 200.000 Euro habe er - nach einer Selbstanzeige - zurückzahlen müssen.

Für den dritten Verhandlungstag sind erneut einige Zeugenaussagen geplant. Zudem könnte bereits das Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen, Dr. Mirela Pascu, vorgestellt werden.

Rosenheim24.de ist vor Ort und berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

Aus dem Archiv:

Der Fundort der Leichen

Leichenfund am Samerberg

Der Tatort

Rentner-Ehepaar umgebracht 

Die Fahndungsfotos der Polizei

Doppelmord: Wer hat diese Fahrzeuge gesehen?

Quelle: chiemgau24.de

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