Großer Schaden, kaum Nutzen für den Landkreis Ebersberg

BUND Naturschutz kritisiert Pläne für Wasserkraftwerke  

Ebersberg - Der Bund Naturschutz hat hat sich sehr kritisch zu anstehenden Bauprojekten von Wasserkraftwerken geäußert. Diese seien unterm Strick nicht von keinem ökologischen Mehrwert und seien auch nicht wirtschaftlich. 

Pressemeldung im Wortlaut:


Nur Energiesparen kann der Klimakatastrophe entgegenwirken

Zum geplanten Bau von fünf neuen Wasserkraftwerken im Landkreis Berchtesgadener betont Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz in Bayern „dass weder für die Stromerzeugung, noch für das Erreichen des Klimaschutzziele von Paris ein weiterer Ausbau der Wasserkraft notwendig ist, denn nur mit einer drastische Verringerung des Strom- und Energieverbrauchs kann man der Klimakatastrophe entgegenwirken, nicht aber durch die Zerstörung unserer letzten Fließgewässer und Wildflusslandschaften.“

Naturschädliche Investitionen leben wieder auf

Der BUND Naturschutz kritisiert insbesondere die aktuelle, von Seiten der Staatsregierung und Wasserkraftlobby geführte Diskussion im Klimaschutz. Sie wird dazu genutztnaturschädliche Investitionen in die Energieproduktion wieder aufleben zu lassen, anstatt das Energiesparen und die Erhöhung der Effektivität in den Vordergrund zu stellen. 

Ein besonderes Beispiel hierfür sind die Pläne im Landkreis Berchtesgadener Land, denn ausgenommen dem Ausleitungskraftwerk Unken/Schneizlreuth handelt es sich um Projekte der kleinen Wasserkraft, die in der Stromerzeugung keine Rolle spielen. „Die Verbauung unserer Gewässer mit neuen Wasserkraftanlagen würde dazu beitragen, den Zustand unserer Gewässer, der Gewässerufer und der Randbereiche weiter zu verschlechtern, so dass im Ergebnis kein Nutzen für den Klimaschutz entsteht“, erläutert Rita Poser, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe.

Kleine Wasserkraftwerke nur durch staatliche Subvention wirtschaftlich

Aus Klimaschutzgründen lässt sich der Neubau von Wasserkraftanlagen nicht vertreten. Das CO2-Einsparungspotentia l durch neue Wasserkraftwerke liegt im Promille-Bereich. Geringen Vorteilen der CO2-Einsparung stehen somit erhebliche ökologische Schäden gegenüber. Bei kleinen Wasserkraftwerken kommt noch dazu, dass diese nicht wirtschaftlich zu betreiben sind und nur durch Subventionen wieder geplant werden. Der BN hat daher auch die Regelung des EEG zur Wasserkraft immer wieder kritisiert. Eine isolierte Diskussion um die Förderung von neuen (Klein-) Wasserkraftwerken lenkt von den notwendigen energiepolitischen Entscheidungen ab. 

BUND Naturschutz hat bei zwei Projekten bereits Klage eingereicht

Insbesondere wegen der Klimakriese darf man die Fehler der Vergangenheit an den Gewässern (Verbauung etc.) nicht weiter fortführen. Renaturierung ist nötig, weil Gewässer durch steigende Temperaturen und Sommertrockenheit stark unter Druck geraten und mehr Naturnähe für Reaktionsfähigkeit brauchen. Besonders bitter ist, dass der BUND Naturschutz bei zwei Verfahren (WKA Flesentor; WKA Tristram Schlucht) b ereits Klage erhoben hat, die jeweils für einen Stopp der Pläne sorgten, für die jetzt jedoch neue wasserrechtliche Verfahren beantragt wurden.

Großer Schaden, kleiner Nutzen

Am Standort Nonner Rampe kritisiert Prof. Dr. Ernst Billmeier: „Wegen der viel zu hoch angesetzten Wasserführung der Saalach und der viel zu niedrigen erreichbaren Fallhöhe im Bereich der Nonner Rampe erzielt das beabsichtigte Wasserkraftwerk anstatt der geplanten 1080 kW nur eine Leistung von etwa der Hälfte. Des Projekt wäre damit ein Kleinkraftwerk das heißt ohne Bedeutung für die Allgemeinheit.“ Über 4000 Kleinwasserkraftanlagen mit einer Leistung unter 1000 kW erbringen insgesamt nur 8,7%

Sie leisten damit einen sehr geringen Beitrag zum Klimaschutz, zerstören aber massiv Fließgewässerlebensräume. Würden die restlichen Fließstrecken mit Kleinkraftwerken verbaut, gingen diese extrem gefährdeten Lebensräume verloren. Andererseits würde man lediglich einen minimalen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Jetzt geht es um Rückbau und Optimierung statt Neubau. Auch europarechtlich verpflichtet uns die Wasserrahmenrichtlinie zu solchen vorgehen.

Die Saalach als natürlicher Fluss in Gefahr

„Durch die Zerstörung des Landschaftsbildes und den Eingriff in Fauna und Flora wird sowohl gegen des Bundes- und gegen das Bayerische Naturschutzrecht als auch gegen die damit verbundenen Anforderungen an Biotope vielfach verstoßen, was die uneingeschränkte Ablehnung des Vorhabens bedingt.“, zählt Ute Billmeier, Vorsitzende der BN Ortsgruppe Bad Reichenhall die Argumente des BN gegen das Kraftwerk Nonner Rampe auf. 

Das geplante Ausleitungskraftwerk Unken/Schneizlreuth zählt mit knapp 9,6 MW Leistung nicht zur Kleinen Wasserkraft. Die Saalach ist im Bereich des geplanten Ausleitungskraftwerkes natürlich bis naturnah ausgeprägt. Sie wurde bis heute weitgehend von flussbaulichen Maßnahmen verschont. Ihre hohe Wertigkeit als natürlicher Fluss der nördlichen Kalkalpen ist unumstritten. Sie erfüllt in diesem Bereich bereits heute die strengen Kriterien der Europäischen Wasserrahmenrichtline den „guten ökologischen Zustand“.

 

Auch die Wassersportler sehen die Saalach als Wildwasserrevier bedroht

„Durch den Bau des Ausleitungskraftwerkes würde dieser Abschnitt praktisch entwertet und als Restwasserstrecke verkommen. Damit verbunden wären der Verlust wertvollster aquatischer Lebensräume und eine Entwertung des Landschaftsbildes. Die „Saalach-Allianz“ wendet sich daher mit aller Energie gegen den Bau des umstrittenen Wasserkraftprojektes und setzt sich für den Erhalt eines der letzten natürlichen Fließgewässer in den nördlichen Kalkalpen ein.“, so Erich Prechtl, Sprecher der Saalach-Allianz.

Auch die Wassersportler kritisieren das geplante Ausleitungskraftwerk: „Der geplante Kraftwerksausbau zerstört auf circa 8km einen weitgehend natürlichen Abschnitt des alpinen Gewässers Saalach. Das Flussbett verliert rund 80% seiner Wasserführung durch die Ausleitung. Der Wassersport - die Saalach ist eines der bekanntesten und meist befahrenen Wildwasserreviere Europas - ist im Ausleitungsbereich nicht mehr möglich.“, äußert sich stellvertretend Horst Barnikel vom Bayerischen Kanuverband.

Auch die Fischer sehen das Vorhaben sehr kritisch

Michael Dorrer von den Saalach-Fischern äußert sich gegen die Kraftwerkspläne in Unken/Schneizlreuth: „Neben der Undurchlässigkeit für Fische sehen wir vor allem negative Auswirkungen auf die Wassertemperatur im Restwasser als Gefährdung für den Fischbestand.“

Neben Störung der Flüsse und vor allem der Fische ist auch mit erheblich negativer Auswirkung auf die Landschaft und somit auch auf den touristischen Wert an den geplanten Standorten der Ramsauer Ache im Zauberwald und am Felsentor zu rechen. Der BN erteil deshalb diesen Projekten eine Absage.

Die Öffentlichkeitsbeteiligung der Verfahren läuft zum Teil noch. Deshalb fordert der BN auf, sich mit Einwänden gegen die Ausbaupläne zu beteiligen. Das ist für die Kraftwerke in der Tristram Schlucht und an der Nonner Rampe noch bis zum 25. November 2019 und für die Pläne am Ausleitungskraftwerk Unken/Schneizlreuth bis 4. Dezember 2019 möglich.

Pressemeldung im BUND Nachtschutz

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa (Symbolbild)

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