160 Mitarbeiter seit Mai ohne Lohn

Nach Übernahme von HocoHolz: Mitarbeiter reichen Klage gegen Investor ein

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Eggenfelden - Als im Mai die Schweizer Firma Nexus Investments GmbH die insolvente Firma HocoHolz gekauft hatte, schöpften die rund 160 Mitarbeiter Hoffnung. Doch weil der Kaufpreis nicht bezahlt wurde, erhielten die Angestellten seit Mai keinen Lohn.

Ende März musste neben der "Firma Hoco Fenster und Haustüren" auch die Schwesterfirma HocoHolz Insolvenz anmelden. Die Hoco-Gruppe gehört zu den größten Unternehmen in der Stadt Eggenfelden. Bei HocoHolz wurden seit 60 Jahren Leisten und Parkett hergestellt und 160 Mitarbeitern waren bei der Traditionsfirma angestellt. Ein Insolvenzverwalter betreute anschließend an die Insolvenz die beiden Unternehmen.

Die Firma "Hoco Fenster und Haustüren" konnte zum Teil gerettet werden. Ein Mitarbeiter kaufte die Firma im Juli. Derzeit stellen zwölf Beschäftigte Aluminiumhaustüren her.

70 Mitarbeiter derzeit als arbeitssuchend gemeldet

Bei HocoHolz dagegen entwickelte sich ein Wirtschaftskrimi. Im Mai kaufte das Schweizer Unternehmen Nexus Investments GmbH die Traditionsfirma. Den Mitarbeitern fiel damals ein Stein vom Herzen und sie hofften ihre Arbeit behalten zu können. Doch seit Mai bekam keiner der Angestellten den ihnen zustehenden Lohn, weil Nexus den Kaufpreis für die Firma nicht bezahlte. Der Grund war laut dem Geschäftsführer von Nexus, dass es Probleme mit dem Geldtransfer aus Russland gab. Seitdem ist keiner der zuvor 160 Mitarbeiter mehr da. Allein im Landkreis Rottal-Inn sind 70 Mitarbeiter von HocoHolz derzeit auf Arbeitssuche. "Es kann nicht sein, dass Mitarbeiter, die gewillt sind zu arbeiten und ihren Job behalten wollen, sich arbeitssuchend melden müssen", sagt Uwe Schmieder, Betriebsratsvorsitzender bei HocoHolz in der Sendung Abendschau vom Bayerischen Rundfunk.

Jetzt hat das Unternehmen nach Informationen des BR den Kaufpreis endlich bezahlt. Die Mitarbeiter hoffen nun, dass ihnen die ausstehenden Löhne beglichen werden. Wie es genau weitergeht, bleibt aber abzuwarten. Betriebsleiter Christoph Bäumer sagte dem Nachrichtensender, dass für jeden im Betrieb und für Außenstehende unbegreiflich sei, was da passiert ist.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenzverschleppung

Währenddessen wehren sich die Mitarbeiter und wollen ihr Geld. Deshalb haben sie sich rechtlichen Beistand gesucht. 60 Anzeigen sind bei der Polizei eingegangen, mindestes 49 Klagen wurden gegen den Investor eingereicht, wie der BR weiter berichtet. Die Belegschaft wirft dem Insolvenzverwalter vor, die finanziellen Mittel des Käufers nicht korrekt geprüft zu haben und fragen sich, warum Nexus Investment GmbH den Zuschlag bekam. Weil aber Nexus das einzige Unternehmen war, dass den Mietvertrag unterschreiben wollte, kam laut Insolvenzverwalter Dr. Jochen Zaremba nur das Schweizer Unternehmen in Frage, sonst "hätte die einzige Alternative nur darin bestanden, den Geschäftsbetrieb sofort einzustellen." Seit einigen Monaten ermittelt sogar die Landshuter Staatsanwaltschaft wegen Insolvenzverschleppung. 

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa (Symbolbild)

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