Ein Jahr nach Kirchenbrand im Allgäu

"Das Glockenläuten fehlt"

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Am Dreikönigstag 2012 brannte die Kirche in Wald

Wald - Nach einem Blitzschlag stand vor einem Jahr eine Kirche im Allgäu in Flammen. In der Nacht zum Dreikönigstag mussten die Menschen ansehen, wie das Wahrzeichen ihres Dorfes einstürzte. Die Aufbauarbeiten dauern noch an.

Die Pfarrkirche zum heiligen Nikolaus mit ihrem gut 60 Meter hohen Glockenturm ist das Wahrzeichen der Ostallgäuer Gemeinde Wald. Doch seit einem Jahr ist von der Turmspitze, die sogar im Ortswappen verewigt ist, nichts mehr zu sehen. In der Nacht zum Dreikönigstag stand der über 500 Jahre alte Glockenturm nach einem Blitzschlag in Flammen. Die Turmspitze brach ab und stürzte auf den Friedhof. „Diese Nacht war ein Schock für die Menschen im Ort“, blickt der Walder Pfarrer Heinrich Krowicki auf den 5. Januar 2012 zurück. „Aber das Leben muss auch nach solchen traurigen Ereignissen weitergehen.“ Dem enormen Zusammenhalt in der Gemeinde und Einsatz vieler Bürger sei es zu verdanken, dass die Dorfkirche inzwischen renoviert wurde, die Kirchturmspitze fehlt allerdings noch.

Sechs Stunden lang hatte das Feuer im Turm der katholischen Kirche gewütet. Neben 220 Feuerwehrleuten, Rettungskräften und Polizisten waren auch viele Bürger der 1100-Einwohner-Gemeinde bis nach Mitternacht auf den Beinen und verfolgten im dichten Schneetreiben die dramatische Löschaktion in der Dorfmitte. „Die Kirche ist unglaublich massiv gebaut. Dass sie einmal brennen würde, hätte nie einer gedacht“, sagte Bürgermeister Josef Ampßler wenige Tage nach der Brandnacht.

Doch die Walder hatten Glück im Unglück. Zwar wurde der 1492 errichtete Glockenturm mit allen fünf Glocken zerstört, das Kirchenschiff blieb jedoch unversehrt. Zudem wurde niemand verletzt. Als sich der erste Schock gelegt hatte, waren sich die Menschen schnell einig, betonte Ampßler damals: „Jeder ist daran interessiert, dass der Kirchturm wieder so aufgebaut wird, wie er war. Für die Bürger kommt nichts anderes infrage.“

Ein Jahr nach dem verheerenden Brand mit Schaden in Millionenhöhe ist die Renovierung des Kirchenraums so gut wie abgeschlossen. Dort waren umfangreiche Reinigungsarbeiten nötig. „Die Raumschale, sämtliche Ausstattungsgegenstände, die Orgel - alles musste vom Ruß befreit werden“, sagt Kirchenpflegerin Monika Hindelang. Da die Kirche monatelang eine Baustelle war, habe man die Gelegenheit zudem für ein paar Verschönerungsarbeiten genutzt. Die Dorfbewohner hätten sich in vielfältiger Weise an den Arbeiten beteiligt. „Es war ein Gemeinschaftsprojekt, immer waren helfende Hände da.“

Während das Innere des Gotteshauses in neuem Glanz erstrahlt, ist der Kirchturm noch eingerüstet und mit einer Schutzplane verhüllt. Wie Hindelang sagt, wurden nach dem Brand zunächst die Mauerreste abgetragen und der zerstörte Glockenstuhl mit fünf Glocken aus der Brandruine entfernt. Danach wurden die bestehenden Turmmauern stabilisiert und der zerstörte Teil aufgemauert.

Wenn es das Wetter zulässt, sollen bis Mitte Februar das neue, hölzerne Turmdach und die rund 20 Meter lange, neu gefertigte Turmspitze samt Kreuz und Kugel angebracht werden. Danach fehlen noch der neue Glockenstuhl, fünf neue Glocken und die Turmuhr. Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Wir haben uns versprochen, dass spätestens zum Patroziniumsfest am 6. Dezember alles fertig ist.“ Dann soll es ein großes Fest zur Wiedereinweihung der Pfarrkirche geben, zu dem auch der Bischof eingeladen wird.

Erst wenn alle Arbeiten beendet sind, könne der endgültige Schaden des Kirchenbrands beziffert werden. Hindelang schätzt die Summe auf 1,7 bis 2 Millionen Euro. Für die Kosten der bisherigen Aufbauarbeiten sei die Brandversicherung der Diözese aufgekommen.

Pfarrer Krowicki ist froh, dass die Baustelle im Kircheninneren inzwischen abgebaut ist und langsam wieder Normalität einkehrt. Während der Abbrucharbeiten am Turm musste er die Gottesdienste in der Mehrzweckhalle durchführen und auch später immer wieder in den Pfarrhof ausweichen. „Man kann natürlich überall zu Gott beten. Aber ohne Kirche kann man als Pfarrgemeinde nicht richtig leben.“ Eines würden die Menschen in Wald seit dem 5. Januar 2012 ganz besonders vermissen: „Das Glockenläuten fehlt ihnen. Das spürt man bei jeder Messe oder Beerdigung. Kirchenglocken sind Teil des Lebens.“

dpa

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