Eine Mauer des Schweigens

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Bad Aibling - Was genau in der Vergangenheit hinter den Wänden einer privaten heilpädagogischen Wohngruppe für Kinder in Bad Aibling geschah, darüber lassen die Ermittler kaum ein Wort nach außen dringen.

Ohne Details zu nennen, erklärte die Heimaufsicht auf Anfrage unserer Zeitung, dass man den schweren Anschuldigungen gegen den Geschäftsführer, der zugleich Leiter der Wohngruppe und sozialpädagogischer Betreuer gewesen sei, sofort nachgegangen sei. Hinsichtlich Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs sei zudem umgehend die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden. Staatsanwalt Bernd Magiera (Rosenheim) bestätigte lediglich Ermittlungen im Zusammenhang mit der Wohngruppe. Aufgrund des laufenden Verfahrens könne er keine weiteren Auskünfte geben. Eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern teilte hingegen mit, dass das Ermittlungsverfahren diese speziellen Vorwürfe nicht erhärtet habe.

Den Leiter der Einrichtung habe die Heimaufsicht ebenfalls angehört. Nach dessen sofortigem, freiwilligem Rückzug aus der Arbeit mit den Kindern habe er keinen Kontakt mehr zu diesen, so die Heimaufsicht weiter. Daher halte man eine Schließung des Hauses nicht für erforderlich, zumal die Jugendämter (dem Vernehmen nach aus Miesbach und München) erklärt hätten, die Kinder in andere Unterkünfte verlegen zu wollen. Das Münchner Jugendamt wollte aus Gründen des Sozial-Datenschutzes keinerlei Angaben machen.

Das Landratsamt Miesbach hingegen bestätigte, einen Neunjährigen, für den das dortige Jugendamt zuständig sei, sofort nach Bekanntwerden der „Mängel“ aus der Einrichtung genommen zu haben: „Wir konnten es nicht verantworten, das Kind dort zu lassen.“

Die Schulsozialarbeiterin an der Aiblinger Schule, die der Bub besucht hatte, war aufgrund dessen „auffälligen Verhaltens“ ebenfalls beunruhigt und zeigte sich „sehr froh, dass die Heimaufsicht im Interesse der Kinder eingeschritten ist.“ Lehrkräften und anderen besorgten Erwachsenen gegenüber wollte der Junge keine Fragen beantworten. Er habe Angst vor Bestrafung, habe man zu hören bekommen.

Die Heimaufsicht betonte, man werde die Aiblinger Einrichtung nach wie vor begleiten und eng überwachen. Dazu gehörte auch ein Ortstermin in dieser Woche gemeinsam mit Jugendamtsvertretern zur Bestandsaufnah-me der aktuellen Situation. Ferner ging es darum, den Wechsel der noch in der Wohngruppe lebenden fünf Kinder und Jugendlichen in eine andere Einrichtung Ende Juni vorzubereiten.

Währenddessen hat ein Mitarbeiter der Wohngruppe offenbar gegen den Leiter des Rosenheimer Jugendamtes eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Nach Informationen, die unserer Zeitung vorliegen, wird diesem vorgeworfen, „schwere rufschädigende Vorwürfe“ gegen die Einrichtung erhoben zu haben.

Ein Sprecher des Landratsamtes bestätigte, dass das Dienstaufsichtsverfahren im Gange sei, jedoch werde man sich dazu nicht äußern. Das Rosenheimer Jugendamt sei in dieser Angelegenheit nur „Zuschauer“ gewesen, da es selbst keine Kinder in die besagte Einrichtung schicke. Die Gründe dafür ließ er allerdings offen.

Der beschuldigte Geschäftsführer sowie die derzeitige Leitung der Wohngruppe waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Eine zweite von dem gleichen Mann betriebene Wohngruppe in Bad Aibling ist laut Regierung nicht von den Vorwürfen betroffen. Dort sei dieser als Geschäftsführer in die tatsächliche Betreuung nicht eingebunden, sondern nehme lediglich die Trägeraufgaben wahr. Diese Wohngruppe werde aber ebenfalls „selbstverständlich von der Heimaufsicht begleitet und überwacht.“

Offenbar plant der Mann zudem in Ostermünchen die Errichtung einer weiteren Wohngruppe. In dieser sollen Flüchtlingskinder, Kinder, die mit ihren Eltern nicht klarkommen oder auch Waisenkinder betreut werden. Der Tuntenhausener Bauausschuss hatte erst im April einer entsprechenden Umnutzung des ehemaligen Postgebäudes zugestimmt.

Die Heimaufsicht bestätigte, in diesbezügliche Vorüberlegungen eingebunden gewesen zu sein. Der Betrieb ist augenscheinlich jedoch noch nicht aufgenommen worden. Ein Antrag auf Erlaubnis des Betriebs liegt der Heimaufsicht bisher nicht vor.

Eva Langwieder (Oberbayerisches Volksblatt)

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser