Einsatz in Kabul: Sorge der Familie reist mit

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Eine Mutter mit ihren Kindern in Afghanistan: Damit sich die Zivilbevölkerung wieder sicher fühlen kann, schickt der Freistaat jetzt auch Polizisten in das von Krieg und Terror gebeutelte Land.

Chieming - Erstmals werden Polizisten aus Bayern zum Einsatz nach Afghanistan geschickt. Torsten Fix aus Chieming ist einer der sechs Beamten. Zu seiner Vorbereitung gehört vor allem eines: seine Familie zu beruhigen.

Wenn Torsten Fix am Abend vor den Fernsehnachrichten sitzt und in einem Beitrag über einen Anschlag in Afghanistan berichtet wird, weiß er schon: Gleich klingelt sein Telefon. Dann ist seine Mutter dran. „Siehst Du, so gefährlich ist das da.“ Eltern, Freunde, Kinder: Alle sorgen sich um den 37-Jährigen. Denn in knapp drei Wochen wird er sich auf den Weg machen zu einem Einsatz, von dem er so schnell nicht wiederkehrt. Torsten Fix aus Chieming (Kreis Traunstein) ist einer von sechs bayerischen Polizisten, die in Afghanistan eingesetzt werden.

Lange hat sich der Freistaat geweigert, Polizisten in das Land zu schicken. Zu hoch sei die Gefährdung, das Anschlagsrisiko. Doch Anfang des Jahres änderte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) seine Meinung. Den anderen Bundesländern, die schon 120 Beamte in die Krisenregion entsendet hatten, sei nicht mehr zu vermitteln gewesen, dass Bayern eine Beteiligung verweigert. Am Dienstag verabschiedet Herrmann sechs Beamte, am Montag fliegen die ersten beiden los, um die Polizei vor Ort ein Jahr lang zu unterstützen.

Torsten Fix hat sich, wie die anderen Kollegen, freiwillig gemeldet. Eigentlich macht ihm seine Arbeit bei der Zivilen Einsatzgruppe Traunstein Spaß. Dort bekämpft er Straßenkriminalität. Aber eines stört ihn an seinem Beruf: „Ich will die Welt sehen. Das kann ich als normaler Polizist nicht.“ Der 37-Jährige war als Wahlhelfer in Ländern wie Pakistan, Georgien, Kasachstan, 2001 als Polizist im Kosovo.

Jetzt also Kabul, Afghanistan. Welche Aufgaben ihn dort erwarten, weiß er noch nicht genau. Fix wird auf einem neuen Posten stationiert werden, den es bislang nicht gibt. Mit anderen Deutschen soll er Informationen über die Gefahrenstufe in verschiedenen Regionen des Landes sammeln und sie an diejenigen weitergeben, die in den brisanten Gegenden arbeiten müssen. „Ich werde vor allem im Büro sitzen“, sagt er – und versucht, damit seine Familie und seine Freunde zu beruhigen.

Erst am Sonntag war er bei seinen Eltern in Trostberg. Sein besorgter Vater hat ihm im Internet wieder eines dieser Anschlagsvideos gezeigt. Auch Sohn Constantin, der bei Fix‘ ehemaliger Frau, aber in der Nähe seines Vaters lebt, sucht im Netz nach Informationen und Antworten. Der 16-Jährige will wissen, wie gefährlich das kommende Jahr für seinen Papa wird. Dieser hat keine Bedenken: „Die Taliban haben kein Interesse daran, die deutschen Polizisten in die Luft zu sprengen.“

In einem vierwöchigen Vorbereitungskurs wurde ihm gezeigt, wie er brenzlige Situationen erkennen und meiden kann: Verdächtige Autos am Straßenrand, die möglicherweise Sprengstoff geladen haben. Menschenmassen bei Demonstrationen, bei denen die Anschlagsgefahr hoch ist.

Am 12. Dezember geht es für Fix los. In einem zivilen Flugzeug fliegt er ab Frankfurt nach Kabul. Uniformen und Waffen liegen schon fertiggepackt in der Zentrale der Bundespolizei im nordrhein-westfälischen Heimerzheim. Der Chieminger darf zusätzlich einen Koffer mitnehmen, mit persönlichen Dingen: Bilder von Constantin und Tochter Luna (9), Unterlagen, die er für seinen Segelschein büffeln muss, sein Lieblingsbuch „Rot und Schwarz“ von Stendhal. Denn die Freizeit wird dem 37-Jährigen lang werden: „Man kann dort ja nicht einfach vor die Tür gehen und einen Kaffee trinken.“ Die Freiheit, die er in seiner Heimat, am Chiemsee so gerne genießt, wird ihm fehlen.

Weihnachten muss er ohne Constantin und Luna verbringen, ein Telefonat oder eine Email an Heiligabend muss reichen. Die Geschenke liegen schon jetzt verpackt und gut versteckt bei der Mama. In etwa zwei Monaten darf Fix für ein paar Tage heim. Der 37-Jährige weiß jetzt schon, was er als erstes macht: „Wurstsalat essen.“ Gleich, nachdem er seine Kinder in die Arme geschlossen hat.

Carina Lechner

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser