Zahl der tödlichen Unfälle sinkt

Neuer Höchstwert an Einsätzen in der Sommersaison 2020 für Bayerns Bergwachten

Einsatzzahlen Statistik der Bergwacht Bayern
+
Vor allem im Juli, August und September lagen die Einsatzzahlen deutlich über denen der Vorjahre.

Bad Tölz - Die Einsatzstatistik der Bergwacht Bayern im „Bayerischen Bergjahr“ liegt vor. Im Detail ausgewertet wurde der Zeitraum der Sommersaison 2020 vom 1. Mai bis 31. Oktober 2020.

Die Bayerischen Bergwachten veröffentlichten ihre Einsatzstatistik zur diesjährigen Sommersaison. Im Juli, August und September lagen die Einsatzzahlen jeweils deutlich über denen der letzten Jahre. Während im Mai noch die Auswirkungen des Lockdowns zu spüren waren, mussten die Ehrenamtlichen im Juni bereits fast so oft ausrücken, wie im Vorjahr. Insgesamt wurden im beobachteten Zeitraum von Mai bis Oktober rund 650 Einsätze mehr als noch im Jahr 2017 abgearbeitet. Mit insgesamt 3482 Einsätzen wurde in dieser Sommersaison ein neuer Spitzenwert erreicht.

Deutlicher Anstieg bei verunfallten Mountainbikern

Die meisten Unfälle und Einsätze sind beim Wandern und Bergsteigen zu verzeichnen, hier musste die Bergwacht insgesamt 1865 mal ausrücken. Ein deutlicher Anstieg ist bei den verunfallten Mountainbikern zu verzeichnen, 781 mal wurden die Einsatzkräfte in diesem Zusammenhang alarmiert. Die steigenden Unfallzahlen sind auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass immer mehr Menschen mit E-Bikes in den Bergen unterwegs sind. In rund elf Prozent der Fälle waren die Radfahrer mit einem elektrisch unterstützten Fahrrad zu einer Bergtour aufgebrochen.

Alter der Verunfallten

Bei der Aufteilung in vier Altersgruppen entsteht ein wesentlicher Unterschied nur bei den Personen über 60 Jahren. Der Anteil dieser Gruppe liegt zwischen 18 bis 20 Prozent. Alle anderen Einsätze betreffen die Gruppen von 0 bis 20 Jahre, 20 bis 40 Jahre und 40 bis 60 Jahre. Diese Gruppen bilden jeweils einen Anteil von 25 bis 31 Prozent ab. Eine leichte Erhöhung des Anteils gibt es im Bergsommer 2020 bei den Personen zwischen 20 und 40 Jahren.

Herkunft der Verunfallten

Mehr als 50 Prozent der Menschen, welche die Hilfe der Bergwacht in den Alpen und in den bayerischen Mittelgebirgen benötigten, kommen aus Bayern. Der weitere Großteil der Personen stammt aus den anderen deutschen Bundesländern. Die Zahl der Personen aus dem Ausland liegt über die Jahre hinweg im niedrigen einstelligen Bereich. 2020 waren es 3,22 Prozent, 2019 waren es dagegen 6,09 Prozent.

Verletzungsmuster

Bei gut einem Drittel der Patienten liegt eine Verletzung der unteren Extremitäten (Sprunggelenk, Unter- und Oberschenkel) mit einem Anteil von 34 Prozent vor. Einen internistischen Hintergrund haben 21 Prozent. In fast gleicher Höhe sind Kopf und Schulter mit 20 Prozent betroffen. Weniger häufig, aber zum Teil sehr schwerwiegend, sind Verletzungen von Becken, Bauch und Brust von 7 Prozent und Verletzungen an der Wirbelsäule mit 4 Prozent.

Verstorben am Berg

Ein Rückgang der Einsätze ist bei tödlichen Unfällen festzustellen. 63 Personen verunglückten in den Bayerischen Alpen und in den Mittelgebirgen, 2019 waren es 87. Bei mehr als der Hälfte der Einsätze, 57 Prozent, war eine internistische Erkrankung ausschlaggebend für den Tod am Berg. Diese Aussage trifft im Wesentlichen auch auf die Vorjahre zu. Nach Sportarten betrachtet, verunglückten die meisten Menschen tödlich beim Bergsteigen/Wandern und beim Mountainbiken. Beim Klettern und am Klettersteig waren es jeweils 2 Personen.

Corona - „Die neue Gefahr“ - auch am Berg und in der Bergrettung

Eine Patientenversorgung erfordert Nähe und Kontakt unter den Einsatzkräften und an erster Stelle Nähe zum Patienten. „Wir müssen die Infektionsgefahr als eine neue Gefahr am Berg anerkennen, ebenso wie Absturz-, Steinschlag- oder Lawinen- gefahr. Unsere Kernaufgabe als Bergwacht ist die Rettung, alle müssen sich auf uns verlassen können“, betont der Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Otto Möslang. Die Ansteckungsgefahr hängt von vielen Faktoren ab. Bisher gab es unter den 3500 Einsatzkräften nur sehr wenige Infektionsfälle. „Mein Dank gilt daher unseren Führungs- und Einsatzkräften, die sich ihrer Verantwortung und Rolle sehr bewusst sind und trotz der schwierigen Bedingungen die vielen Einsätze souverän bewältigen“, so Möslang weiter.

aic/Bergwacht Bayern

Kommentare