"1782 Tage unsagbarer Schmerz"

Bad Reichenhall - Fast fünf Jahre nach dem verheerenden Einsturz der Eislaufhalle von Bad Reichenhall ist am Samstag die Gedenkstätte für die 15 Todesopfer offiziell eingeweiht worden.

Die schlichte Feier dauerte nicht einmal eine halbe Stunde. Dies sei ausdrücklicher Wunsch der Hinterbliebenen gewesen, hieß es von Seiten der Stadtverwaltung. Bei der Katastrophe waren am 2. Januar 2006 zwölf Kinder und drei Erwachsene ums Leben gekommen.

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Neben Oberbürgermeister Herbert Lackner und dem Landrat des Berchtesgadener Landes, Georg Grabner, sprachen die Vertreter der Angehörigen Ingeborg Bauer und Robert Schmidbauer. "Man darf nicht weiter wurschteln wie bisher, sondern muss wirklich sagen, 'stopp, hier muss gehandelt werden'", äußerte die Mutter, die ihre 13-jährige Tochter bei dem Unglück verlor, ihren Wunsch. "Wenn so ein Tod überhaupt einen Sinn haben soll", dann den, das nicht mehr weggeschaut werde.

Auch der Witwer Robert Schromm - seine Ehefrau wurde bei dem Unglück erschlagen - meldete sich zu Wort. Er war wegen der hohen Kosten ein erklärter Gegner der Gedenkstätte. Während Schromm von einigen Anwesenden Applaus erhielt, verließ die Mehrheit der anderen Angehörigen kurzfristig die Veranstaltung. Zum Abschlusslied des Chores des Reichenhaller Karlsgymnasiums versammelten sich wieder alle um die Stelen. Abschließend wurde je eine Kerze für jeden Verstorbenen angezündet.

Gedenkstätte für die Eishallenopfer

Das Mahnmal besteht aus 15 farbigen, je 3,80 Meter hohen Glasstelen. Sie ragen aus einem das Leben symbolisierenden quadratischen Wasserbecken. Ihre gezackten Spitzen mit den eingravierten Namen der Toten sollen den Lebensbruch der Opfer versinnbildlichen. Das einfallende Licht ermöglicht nach Ansicht des Architekten positive Aspekte und lässt so die Überwindung der Schmerzen zu.

Um den Bau der Gedenkstätte war sowohl unter den Hinterbliebenen als auch mit der Stadtspitze heftig gerungen worden. Bis zur Einigung auf die endgültige Gestaltung waren mehrere Entwürfe durchgefallen. Die Verhandlungen zogen sich beinahe drei Jahre hin. Die Überreste der Eislaufhalle und das benachbarte Hallenbad wurden längst abgerissen. Auf dem Areal soll eine private Gastronomie-Fachhochschule angesiedelt werden.

dpa/cz

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