Elefantentreffen: 4.300 Biker trotzen der Kälte

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Ein Motorrad mit Elefanten-Verkleidung steht am Samstag (29.01.2011) auf dem Gelände des Elefantentreffens in Thurmansbang (Niederbayern).

Thurmansbang - Hunderte Lagerfeuer im Schnee, dröhnende Motoren und jede Menge harte Kerle - rund 4300 Motorradfahrer aus ganz Europa und rund 2100 Tagesbesucher sind zum 55. Elefantentreffen nach Niederbayern gekommen.

Temperaturen um den Gefrierpunkt, ein Viertel Meter Schnee und strahlend blauer Himmel samt Sonnenschein: “Petrus muss auch Motorradfahrer sein“, vermutet Michael Lenzen, Vorsitzender des Bundesverbandes der Motorradfahrer (BVDM), im niederbayerischen Thurmansbang (Landkreis Freyung-Grafenau). “Für uns könnte es nicht besser laufen, die Stimmung ist fantastisch.“

Die rund 4300 harten Kerle kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den umliegenden Ländern. Die weiteste Anreise hatte Walera Tulinov aus Chelabinsk in Russland. Nach Angaben vom Sonntag fuhr der Biker rund 5600 Kilometer nach Niederbayern. Eigens aus dem russischen Tulu sind die beiden Teilnehmerinnen Nina Savaleva und Olga Goldoskaya gekommen - Entfernung: 2900 Kilometer. Die Motorradfahrer sind nicht nur gut gelaunt, sondern auch absolut friedlich: “Auf jedem Schützenfest gibt es mehr Zwischenfälle als hier bei uns auf dem Elefantentreffen“.

Der Berliner Götz Dorl ist zum achten Mal mit seinem Motorrad in das Talgelände gefahren und arbeitet als Helfer mit. “Die Stimmung im Winter ist ganz anders als im Sommer - hierher kommen nur die wirklich Harten“, sagt der 69-Jährige über das traditionelle Zusammentreffen. Schnee und Matsch gehören dazu, und am Ende sind manche Teilnehmer ziemlich verschlammt.

Die schönsten Bilder vom 55. Elefantentreffen

Elefantentreffen: 4.300 Biker trotzen der Kälte

Doch sind keineswegs alle Besucher derart leidensfähig. “Am Morgen kam eine Gruppe an, in deren Stiefeln konnte man sich spiegeln, so sauber waren die“, sagt Dorl. “Am Eingang wurde mir dann erzählt, dass die ihre Motorräder in einem Anhänger hierher geschafft haben und gar nicht selbst gefahren sind.“ Schummeln hat Konsequenzen: “Klar, dass solche Leute geschnitten werden“, sagt Dorl.

Weitere unverzichtbare Bestandteile sind Zelten bei Minustemperaturen und Aufwärmen am Lagerfeuer. “Man kann sich hier Stroh kaufen, um es unter die Zeltplane zu legen. Dann noch ein warmer Schlafsack und man kann es gut aushalten.“ Der eingefleischte Motorradfan freut sich über die gute Atmosphäre und den kameradschaftlichen Umgang.

“Man hilft sich gegenseitig, etwa bei Reparaturen“, weiß Dorl. “Viele kommen ja mit älteren Modellen hier an, wenn es da ein Problem gibt, versucht jeder das fehlende Ersatzteil aufzutreiben.“ Nur eine Sache nervt den Biker heuer: “Die Winterreifenpflicht für Motorräder ist ja wohl totaler Schwachsinn. Viele Jungs kommen schon seit 55 Jahren hierher, wir wissen uns schon zu helfen.“

Biker lassen sich weder vom Wetter noch vom Gesetz abhalten

Immerhin scheint eine Lösung für das Problem in Aussicht. Der BVDM hatte den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Andreas Scheuer (CSU), zum Elefantentreffen eingeladen. “Wir haben einen positiven Dialog begonnen und haben jetzt die Hoffnung, bald eine andere Regelung zur Winterreifenpflicht zu finden“, sagt Lenzen am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Die Biker sollen sogar bei der Novellierung der Winterreifenpflicht helfen. Nach Angaben von Lenzen bat Scheurer den BVDM um Mithilfe bei einer Überprüfung des Winterreifengesetzes. “Wir machen das gerne“, sagte Lenzen. Er hoffe auf eine Ausnahmeregelung und ist zuversichtlich, dass das Problem bis zum nächsten Treffen gelöst ist.

Die Motorradfahrer trotzen dem Gesetz an diesem Wochenende. Die Polizei in Niederbayern hatte vorab angekündigt, keine speziellen Reifenkontrollen durchzuführen. Die harten Männer lassen sich also weder vom Wetter noch vom Gesetz von ihrem Treffen abhalten. “Es gab auch wirklich keine Probleme mit der Polizei“, sagt Lenzen. Das Wetter sei so fantastisch gewesen, dass die Beamten gar keinen Grund für Kontrollen gehabt hätten.

Unter den hartgesottenen Fahrern sind auch einige Jüngere: Der 17 Jahre alte Alexander Bösel und die 16 Jahre alte Tatjana Hammel waren die jüngsten Teilnehmer beim diesjährigen Treffen der Motorradfans. Mit insgesamt rund 6300 Besuchern zieht Lenzen eine positive Bilanz: “Das sind noch mehr Leute als im Vorjahr. Einfach fantastisch.“

dpa

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