Energiewende kostet mindestens zweistellige Milliardensumme

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München - Der Verzicht auf Atomenergie wird teuer. Ein neues Gutachten beziffert den Preis nun konkret.

Der Ausstieg aus der Atomenergie wird allein in Bayern mindestens eine mittlere zweistellige Milliardensumme kosten. Nach einem am Freitag vorgestellten neuen Gutachten für die Landtags-SPD wären in Bayern unter anderem eine Verzehnfachung der Nutzung von Windenergie und eine Vervierfachung der Sonnenenergie-Nutzung sinnvoll, was beides zusammen zwischen 35 und 40 Milliarden Euro kosten würde. “Dass das Geld vom Himmel fällt, ist unwahrscheinlich“, sagte Thomas Hamacher, Autor der Studie und Professor für Energiewirtschaft an der Technischen Universität München.

Neben dem Bau neuer Windräder und Solaranlagen sind nach Hamachers Einschätzung weitere hohe Investitionen notwendig - unter anderem in den Bau neuer Stromnetze und in die Forschung. Hamacher warnte davor, die Herausforderungen zu unterschätzen: “Die Dinge werden ein bisschen verniedlicht“, sagte er. Hamacher geht in seinem Gutachten von mehreren möglichen Szenarien aus, denen jedoch eines gemeinsam ist: Da die Stromproduktion von Wind- und Sonnenenergieanlagen je nach Jahres- und Tageszeit stark schwankt, muss die Erzeugungskapazität nach Hamachers Einschätzung den tatsächlichen Bedarf stark übersteigen.

Ebenso wie die Staatsregierung geht auch Hamacher davon aus, dass gut 1000 neue Windräder in Bayern nötig wären - ein Teil davon im Alpenvorland, weil dort der Wind kräftiger weht als in vielen anderen Landesteilen. “Das wird eine sehr sichtbare Energie werden.“ Die größten Windräder seien “Riesenmaschinen, die größere Flügel haben als ein Airbus A 380“.

Deswegen hält der Energieexperte die Einbindung der Bürger für unbedingt notwendig, um den Widerstand gegen neue Windräder zu überwinden. “Sonst werden wir es nicht schaffen, diese fünf Gigawatt zu installieren.“ Hamacher empfiehlt weiter einen Ausbau der Stromerzeugung mit Biomasse um ein Drittel und eine Steigerung der Wasserkraft um etwa 14 Prozent. Und nach Hamachers Analyse genauso wichtig: “Wir brauchen einen ganz neuen Aufbruch in der Energieforschung.“

SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen warf der Staatsregierung vor, bisher überhaupt nichts für die Energiewende getan zu haben. “Sie hätte in den 245 Tagen seit Fukushima schon etwas umsetzen können.“ Kohnen nannte mehrere Punkte: Eine flächendeckende und koordinierte Beratung der Kommunen, ein Programm zur Sanierung öffentlicher Gebäude und Zusatzinvestitionen in die Wissenschaft.

Bei den Verhandlungen über den Nachtragshaushalt bringt die SPD auch einen neuen Punkt ins Spiel: Eine Abwrackprämie für energiefressende alte Heizkessel und große Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde. “Das geht nach dem Windhundprinzip“, sagte der SPD-Umweltsprecher Ludwig Wörner. “Wer zuerst läuft, wird das abschöpfen können.“ Insgesamt wird die SPD bei den Haushaltsverhandlungen voraussichtlich etwa 250 Millionen Euro zusätzliche Investitionen für die Energie- und Wirtschaftspolitik insgesamt fordern, wie der Haushaltsexperte Volkmar Halbleib sagte.

 

dpa

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