Untere Salzach: Das sagen die Bürger

Altötting/Freilassing - Wie sieht die Zukunft der Unteren Salzach aus? Dazu konnten sich jetzt die Anwohner äußern - im Rahmen einer Online-Befragung.

Von 14. Januar bis 3. Februar hatte die Bevölkerung in der Flussregion die Gelegenheit, ihre Meinung zur Zukunft der Unteren Salzach zu äußern. Nun wurden die Ergebnisse in Bergheim präsentiert und diskutiert. Von den rund 19.000 betroffenen Haushalten in Bayern und Salzburg nahm fast jeder zehnte Haushalt an der Online-Befragung teil. Die Befragten sprechen sich für den Bau von Wasserkraft unter bestimmten Voraussetzungen, eine Sohlstabilisierung sowie die Bewässerung der Auwälder aus.

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Bedingtes Ja zur Wasserkraft. 51 Prozent sprechen sich für den Bau von Wasserkraftwerken aus, aber nur wenn auch ökologische Vorteile wie beispielsweise eine Anhebung des Flussbettes oder eine bessere Anbindung der Auwälder an die Salzach damit verbunden werden können. Weitere 24 Prozent der Befragten sind ohne Vorbehalte für den Bau von Wasserkraftwerken. Gegen den Ausbau der Wasserkraft sind 12 Prozent, weil Kraftwerke in diesem Gebiet die natürlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Flusslaufes und auch der umgebenden Auwälder auf Jahrzehnte einschränken oder gar verhindern würden. 3 Prozent der Befragten sprechen sich generell gegen den Ausbau von Wasserkraft aus, weil für sie Wasserkraft grundsätzlich sehr bedenklich ist. 8 Prozent der Befragten können keine Aussage treffen, weil sie die einzelnen Projektideen für Wasserkraft zu wenig kennen und deren Auswirkung auf Natur und Flussgebiet nicht ausreichend einschätzen können. Die restlichen Befragten vertreten eigene Positionen zur Wasserkraft.

Die Ergebnisse der Online-Befragung zum Download

Argumente für Wasserkraft sind aus Sicht der Befragten die Funktion eines Kraftwerks als Fußgänger- und Fahrradbrücke (56 %), dicht gefolgt von positiven Klimaschutzeffekten (55 %) und der möglichen Bewässerung der Auwälder durch Flussseitenarme bei einem dauerhaft höheren Wasserstand (54 %). Die dauerhafte Verminderung der Fließgeschwindigkeit (34 %) und die Verhinderung eines naturnahen Flusslaufes sowie sich laufend ändernder Uferstrukturen mit Sand- und Kiesbänken (33 %) werden von den Befragten als Gründe gegen Wasserkraftnutzung an der Unteren Salzach genannt.

Geringes Hochwasserrisiko

Was das Hochwasserrisiko an der Unteren Salzach betrifft, fühlt sich mehr als die Hälfte der Befragten am eigenen Wohnsitz ausreichend geschützt, bei einem Drittel der Befragten besteht laut eigenen Aussagen zuhause keine Hochwassergefahr. Beim Hochwasserschutz verlässt sich übrigens mehr als die Hälfte der Befragten im Freilassinger Becken auf öffentliche Schutzmaßnahmen.

Gut informiert

Bei der Einschätzung des aktuellen Ist-Zustandes der Unteren Salzach weiß die Bevölkerung um die Schwächen des Flusses und der ihn umgebenden Auwälder Bescheid: Sie beschreiben die Untere Salzach im Freilassinger Becken als einen stark in die Landschaft eingegrabenen Flusslauf (66 %) bzw. als einen stark begradigten und eng verbauten Flusslauf (54 %), der umgeben von Auwäldern ohne ausreichende Wasserversorgung ist (43 %).

Einsatz von öffentlichen Mitteln

Öffentliche Mittel sollten in den nächsten Jahren primär für die Stabilisierung des Flussbettes (64 %), für den Erhalt von wertvollen einheimischen Pflanzen- und Tierarten (46 %) sowie für die Schaffung von abwechslungsreicheren Landschaften und Lebensräumen durch eine naturnähere Entwicklung von Fluss und Auen (45 %) investiert werden.

Topanliegen bei weiteren Planungen und Umsetzungen

Die wichtigsten Ziele der weiteren Planungs- und Umsetzungsmaßnahmen sind für 63 Prozent der Befragten die Nutzung des Flussabschnittes für Stromgewinnung aus Wasserkraft mit neuen Konzepten, die eine hohe ökologische Verträglichkeit gewährleisten, die Sohlstabilisierung (61 %) sowie die ausreichende Bewässerung der Auwälder entlang der Unteren Salzach (59 %).

Hohe Beteiligung

Bei der Online-Befragung im Rahmen des Flussdialogs äußerten 1.744 BürgerInnen aus Bayern und Salzburg ihre Meinung zu Themen wie Sohlstabilisierung, Hochwasserschutz, Ökologie oder Wasserkraft. Das entspricht – in Relation zu den betroffenen Haushalten im Flussgebiet – einer Beteiligung von 9,4 Prozent. Nur beim Flussdialog an der oberösterreichischen Maltsch wurde 2009 mit 10,6 Prozent (= 153 Befragte) eine noch höhere Beteiligung erreicht. Mit vorab statistisch definierten Häufigkeiten der einzelnen Gebietscodes in der Amtlichen Information konnte ein das Ergebnis signifikant verändernder Missbrauch bei der Online-Befragung ausgeschlossen werden.

Präsentation in Bergheim

Die Befragungsergebnisse wurden am 28. Februar in Bergheim präsentiert. Rund 150 TeilnehmerInnen – darunter die interessierte Bevölkerung, VertreterInnen von Forst- und Landwirtschaft, Naturschutz, Jagd, Fischerei, Energiewirtschaft, lokaler Wirtschaft sowie Gemeindepolitik und Verwaltung – nahmen an der Veranstaltung teil. Sie nutzten die Gelegenheit, ihre Anregungen und Ideen zur weiteren Entwicklung der Unteren Salzach im Freilassinger Becken mit VertreterInnen vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, von Land Salzburg, Lebensministerium und vom Landratsamt Berchtesgadener Land zu diskutieren.

Evaluierung der Ergebnisse

Die Ergebnisse des Flussdialogs Untere Salzach werden in den nächsten Wochen sowohl auf bayerischer als auch auf Salzburger Seite von den verantwortlichen Stellen detailliert evaluiert und bei der Umsetzung von Maßnahmen als eine weitere Entscheidungsgrundlage berücksichtigt.

Zum Flussdialog Untere Salzach

Um bei zukünftigen Planungen und Schwerpunktsetzungen die Meinung der Bevölkerung zu berücksichtigen, haben das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit in München, das Land Salzburg sowie das Lebensministerium in Wien im Sommer 2012 mit einer Auftaktveranstaltung in Bergheim den Flussdialog Untere Salzach im Freilassinger Becken gestartet. Im September 2012 fanden drei Workshops für InteressensvertreterInnen zu den Themen Naturschutz, Wasserkraft und Hochwasserschutz/GrundanrainerInnen in Bayern und Salzburg statt. VertreterInnen des nichtamtlichen Naturschutzes stiegen zu diesem Zeitpunkt aus dem Flussdialog Untere Salzach aus: Sie treten für eine freifließende Untere Salzach ein und lehnen Kraftwerke grundsätzlich ab. Die Ergebnisse der Workshops dienten als Grundlage für die Online-Befragung der breiten Bevölkerung, die im Jänner 2013 startete: Drei Wochen lang konnten BürgerInnen aus Freilassing, Saaldorf-Surheim und Laufen in Bayern sowie aus Anthering, Bergheim, Oberndorf und Nußdorf in Salzburg an der Online-Befragung teilnehmen und bei der zukünftigen Gestaltung ihres Flusses mitreden.

Pressemitteilung

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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